Sei stets
für jeden Wandel offen, heiße ihn willkommen, mache ihm den
Hof.
Du kannst nur weiterkommen, wenn Du Deine Meinungen, Ideen,
Standpunkte überprüfst
- wieder und wieder.
(Dale Carnegie)
Die Klavier-Lehrkraft - eine Dienstleistende?
(Gedanken und Anregungen rund um den Klavierunterricht)
Ein auch
heute immer noch unmöglicher, wirklichkeitsferner Gedanke?
Oder doch eine selbstverständliche Wirklichkeit?
Oder sollte man das Wort 'Dienstleistung'
doch besser als 'Dienst-Leistung' schreiben?
Die Musiklehrkraft, die Musikschullehrkraft als eine 'Dienstleistende'
oder doch eher als eine 'Dienst-Leistende'?
______________________________________________________________________________

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mich sehr freuen.
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Das einundzwanzigste Jahrhundert ...
... hat in unseren Kalendern längst
begonnen. Doch hat es auch in den Herzen und Seelen der Menschen,
in den Herzen der Pädagoginnen und Pädagogen begonnen? Schauen
wir zum Fenster hinaus:
Unsere Welt erfährt seit Jahrzehnten enorme Veränderungen und
Reformen; längst hat ein Prozess der großen Umwälzungen
begonnen, der uns auch im Hinblick auf das ständig ansteigende,
durchschnittliche Lebensalter in allen Bereichen menschlichen
Lebens zugleich neue Möglichkeiten der Gestaltung eröffnet.
Bedenken wir: In den letzten hundert Jahren hat das
durchschnittliche Lebensalter um 35 Jahre zugenommen.
Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg ist längst ausgeschöpft. Wer spricht heute noch darüber?
Die Menschen entwickel(t)en sich
immer mehr von den damaligen Dorfbewohnern über "Menschen
aus der Provinz" und Großstädter hin zu Weltbürgern.
Die Qualität von Produkten und Dienstleistungen gewinnt
für den einzelnen immer mehr an Bedeutung; ganze Industriezweige
sind neu entstanden, andere sind wegen
mangelnder oder mangelhafter Innovation oder auch durch
Managementfehler längst vom Erdboden verschwunden. Es
entstanden neue Berufe, und manche alten Berufe kennen wir
nur noch aus den Romanen und Museen.
Globalisierung, Effektivität, Effizienz, Kreativität, Aktivität und Mobilität sind zu den neuen Grundwörtern unserer Sprachlichkeit und Kommunikation geworden.
Heute muss jede und jeder Berufstätige immer öfter mit einem (mehrfachen?) Berufs-, Einkommens- und nationalen oder internationalen Wohnortwechsel im Laufe ihres und seines Arbeitslebens rechnen. Ebenso muss jede und jeder Berufstätige damit rechnen, dass ihr/ihm zur Erfüllung ihrer/seiner Aufgaben oder ihrer/seiner persönlichen beruflichen Ziele nicht mehr nur eine einzige Ausbildung genügen kann sondern, dass sie und er im Lauf seines beruflichen Lebens mehrere Berufsausbildungen durchlaufen müssen, wenn sie und er die Arbeitslosigkeit halbwegs umgehen wollen. Diese Entwicklung macht auch vor der Pädagogik, vor Universitäten, Schulen und Musikschulen nicht halt.
Ist eine Musikpädagogin, ein
Musikpädagoge ohne Internet, ohne eigene Webpräsenz und ohne
Handy heute wirklich noch denkbar?
Ist das Internet nicht auch für Musikpädagogik mittlerweile zu
einer unverzichtbaren Informationsquelle geworden?
Eine Unterrichtsverlegung oder eine Unterrichtsabsage per SMS oder Email, ist das etwa heute noch undenkbar?
Gleichzeitig hat unsere Mobilität insgesamt
in den letzten Jahrzehnten atemberaubend zugenommen;
sie wird immer mehr zu einem wesentlichen Bestandteil unserer
Lebensbiographie:
Heute kann sich fast jeder, fast unabhängig von Alter und
Gesundheitszustand, mit hohen und höchsten Geschwindigkeiten
fortbewegen, um per Auto, Motorrad oder Flugzeug in kurzer Zeit
an fast jeden anderen geographischen (oder gar per Rakete an
einen anderen planetarischen) Ort zu gelangen.
So können Professoren am Wochenende in Paris wohnen und wirken,
unter der Woche in Frankfurt oder München lehren und in der
Schweiz konzertieren;
so können Politiker aus Berlin am Morgen noch in Berlin einen
Termin wahrnehmen, mittags in Paris oder London konferieren und
am Abend eine wichtige Rede in Stockholm halten;
so können die Philharmonischen Orchester in Berlin und Wien, in
Dresden und Toulouse, den gleichen Chefdirigenten haben.
'Der Mensch
ist das einzige Lebewesen,
das noch in 10.000 m Höhe fliegend
eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann.'
(Loriot)
Europäische Musikverleger lassen längst die Notensätze für ihre neuen Produkte in Korea oder Indien oder in osteuropäischen Ländern oder in China herstellen, um sie anschließend dann auch in den diesen Ländern drucken zu lassen, bevor die neuen Editionen dann in Deutschland verkauft werden. Auch das hat Teilfolgen für die Arbeitslosigkeit in unserem Lande.
Diese Mobilität hat aber auch
andere globale Folgen:
Auch Massenvernichtungswaffen und Informationen sind
höchst mobil geworden. Sie erreichen heute in kürzester
Zeit jede Stadt, jedes Dorf, jede auch noch so kleine Insel
dieser Erde.
Begrenzten sich Menschen feindliche oder Menschen verachtende
Verhaltensweisen in den vergangenen Jahrhunderten auf regional
eindeutig abgrenzte Aktionsfelder, so wirkt dieses Konfliktpotential
heute weltweit als globales Phänomen:
Heute wird z. B. auf dem gesamten europäischen Territorium das
türkische Kurdenproblem, das Nordirlandproblem, das
Palestinänserproblem, die Probleme mittel- und
südamerikanischer sowie asiatischer Staaten und Revolutionäre,
das russische Mafia-Problem, das Irak-Iran-Problem oder Probleme
des Islams global thematisiert und in die jeweilige Landespolitik
eingebracht.
Ungefragt, denn keinem
europäischen Bürger wurde je eine realistische Chance
eingeräumt, mitzubestimmen, ob und in welches globale Problem
sie/er sich als emanzipierter Konfliktpartner involvieren lassen
will.
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Zeugen
einer postindustriellen Morgendämmerung
Seit wenigen Jahren werden wir aber
auch zunehmend Zeugen
- einer postindustriellen Morgendämmerung in der
Transplantations- bzw. Implantationsmedizin
....(der sterbende Mensch - demnächst ein
biochemisches Ersatzteillager?),
- des Anbruchs einer Epoche der Datenautobahnen und
der zunehmenden Globalisierung,
- des Eindringens der Computer in nahezu alle
Lebensbereiche des Menschen,
- des fast unbegrenzten Informationsaustausches, des
Informationsflusses und der fast perfekten Datenüberwachung,
- der Geburt der Gen- und Biotechnologie
- und nicht zuletzt der revolutionären
Veränderungen der menschlichen, sozietären Beziehungen
... in Ehe, (Groß-) Familie und Gesellschaft.
Träume
& Motivationen
Nicht
zuletzt waren es
- der Ersatz von
menschlicher und/oder tierischer Körperkraft durch scheinbar
grenzenlose
.. Maschinenkraft oder gar
Atomenergie,
- der Schein-Ersatz des
menschlichen Gehirns und Verstandes durch Computer und
Großrechner,
- die immer intensiver
werdende Perfektionierung des Zahn-, Gliedmaßen- und
Teilgliedmaßen-Ersatzes,
.. der die Menschen seit
Beginn des Industriezeitalters beflügelt hat,
generationsübergreifend den Versuch zu unternehmen,
- die große Verheißung
unbegrenzten Fortschritts und die Hoffnung auf materiellen
Überfluss und grenzenlose Freiheit,
- die Hoffnung auf die
Quasi-Allmacht des Menschen, bereichert z. B. um das Wissen aus der
Neurobiologie,
- den
Traum vom persönlichen Glück allein durch technischen und
naturwissenschaftlichen Fortschritt,
- die Hoffnung auf
unbegrenzte Produktionsmöglichkeiten unabhängig vom Ort der
Vermarktung,
.. auf weltweite
Absatzmärkte und nie enden wollende Konsumbefriedigung sowie
letztlich die Hoffnung
.. auf absolute
Unterwerfung der Natur,
die
unser Leben zur neuen (Schein-)Wirklichkeit werden zu lassen.

Alt
und Jung, Männer und Frauen, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber,
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, waren durch das
Industriezeitalter auf ein völlig neues Freiheitsgefühl und
uneingeschränktes Glück orientiert. Fortschritt und Wachstum wurden dann mangels
anderer Alternativen aus Religion & Gesellschaft schnell zur
allein selig machenden Fortschrittsreligion und neuen
"Heilslehre", Wachstum zum vielversprechenden
Wachstumsglauben.
Doch die
Fragestellung und Sehnsucht um das menschliche Glück
sowie um den Sinn menschlichen Lebens haben sich über die
Jahrhunderte bis zum heutigen Tage anscheinend nicht verändert.

Zeugnisse
der Antike
Bereits den Schriften der
griechischen Antike können wir lange vor dem Entstehen der
jüdischen und christlichen Heilslehre entnehmen, wie sehr die
Menschen aller Jahrhunderte ihr Denken und Tun, ihr ganzes
Handeln und ihre Lebensgestaltung auf die Suche nach Glück
und nach dem die Menschen versöhnenden Frieden
ausrichteten und bis zum heutigen Tage ausrichten.
Während wir Menschen das Glück um seiner selbst und um des
Friedens Willen suchen, dienen uns all unsere anderen Lebensziele
wie Gesundheit, Schönheit, wirtschaftlicher Erfolg oder Kraft
allein dem Unterwegs zum großen Glück nur als Zwischenziele.
Der höchst grundlegende Unterschied
zwischen der "alten Heilslehre der Antike" sowie des
Juden- und Christentums einerseits und der "neuen Heilslehre
der Post-Industriegesellschaft" andererseits scheint zu
sein:
Die alte
Heilslehre der Antike definierte Glück als materiellen Verzicht
und Selbstbeherrschung, sie
mahnte deshalb auf dem Weg zum Glück z. B. unabdingbar Askese,
Schuldbekenntnis und Vergebung an.
Die neue
Heilslehre dagegen setzte nunmehr ganz oppositionell auf das
Gegenteil der "alten Heilslehre",
auf uneingeschränkte, grenzenlose Freiheit
und Besitz ohne alle Schuldgefühle, ohne jede Askese oder
Verzicht.
Dem Denken Erich Fromms
entsprechend kann man sagen: Die "alte Heilslehre" lehrte den
Weg zum Glück durch das Sein, die "neue Heilslehre"
den durch das möglichst uneingschränkte Haben. - Und nun steht ein jeder von uns in der
unabdingbaren, absolut eigenverantwortlichen Einzelentscheidung
für sich selbst im
HABEN oder im SEIN (Erich Fromm) zu suchen. Doch niemand kann sich
vor dieser unabdingbaren Entscheidung drücken; vielleicht kann
er sie allenfalls ein wenig hinauszögern.
Aber
diese schon hundert Jahre alten Verheißungen
der Industriegesellschaft sind bis heute nicht eingetreten.
Wir müssen uns jetzt
schweren Herzens der Erkenntnis stellen:
Die
Träume der Industriegesellschaft nach einem Glück durch
ungehinderte Lusterfüllung, durch materiellen Überfluss und
durch größtmögliche Sozialstaatlichkeit haben sich nicht
erfüllt. Mehr und mehr Menschen spüren, dass sich diese Träume
auch in der Zukunft auf den Wegen der Industriegesellschaft nicht
erfüllen lassen werden:
# Eine totale,
erlebnisorientierte Befriedigung der materiellen und
immateriellen Bedürfnisse führt nicht zwangsläufig zum
ersehnten, totalen Glück.
# Statt
Herr der Technik, der Natur und Wissenschaft zu werden,
wurde der Mensch der Post-Industriegesellschaft immer mehr zum
Mitwirkenden eines nur verwaltenden und verwalteten Räderwerk
der Bürokratie, des Marketings und des Apparatismus, das mittels
Marketing und staatlicher Überregulierung bereits immer mehr in
die individuellen Lebensabläufe eingreift und z. B. auch unseren
Geschmack und unser Modedesign wesenhaft fremd- und mitbestimmt.
# Die Kluft
zwischen arm und reich wurde und wird in unserem Lande wie
weltweit immer größer;
man spricht auch in unserem Land nicht mehr nur von der Armut in
den Drittstaaten sondern bereits von der Neuen Armut unter uns,
nicht mehr nur von den Reichen sondern auch von den Neureichen.
#
Man
problematisiert schnell und intensiv unbedeutende und
unbedeutendste Ereignisse,
um sich selbst über die eigentlichen Probleme in Staat und
Gesellschaft sowie in sich selbst hinwegzutäuschen.
#
Die
christlichen Kirchen mahnen fast hilf- und erfolglos anmutend im
wahrsten Sinne des Wortes "unerhört" bzw. ungehört
immer wieder die (Be-)Wahrung der Schöpfung an.
#
Ökologische Gefahren und
Schäden durch chemische Überlastung der Umwelt werden im
Verbund mit den unbewältigten Sicherheitsrisiken der
Kernkraftwerke und den atomaren Folgen eines nuklearen Krieges zu
emanzipierten Spätfolgen des industriellen Fortschritts.
Glücklichsein
kann
man nicht haben oder besitzen; das macht allein schon die
Sprachgestalt dieses Wortes deutlich.
Glücklichsein kann weder erkauft oder
gekauft werden noch mit Gewalt, Raffinesse oder durch
gesellschaftliche Steuerungsmodelle herbeigeredet, herbeigebetet
oder herbeigezwungen werden.
Glücklichsein
kann
man nicht erreichen, indem man es bewusst sucht.
Es hängt auch nicht von äußerlichen Ereignissen ab - aber
vielleicht doch von der Art und Weise,
wie wir leben, wie wir diesen äußerlichen Ereignissen
alltäglich begegnen, mit ihnen operativ umgehen.
Glücklichsein
ist
eine Lebensart, die man in sich und nur in sich nicht nur
(auf-)bereiten und kultivieren kann sondern in sich
(auf-)bereiten und kultivieren muss,
eine Lebensart, auf die man ganzheitlich hinarbeiten, auf die man
sich ebenso ganzheitlich vorbereiten muss und die ein jeder in
seinem tiefsten Inneren installieren, pflegen und verteidigen
kann.
Glücklichsein "kostet" uns
(in des Wortes mehrfacher und vielseitiger Bedeutung) unsere
Energie, unsere Konzentration, unsere Spiritualität, unsere
materiellen (Sehn-)Süchte, ja unsere ganze Angst und
Unsicherheit.
Albert
Schweitzer, der nicht nur Arzt und
Entwicklungshelfer sondern auch Theologe und hochbegabter Musiker
war, schien schon vor 50 Jahren eine Vorahnung auf die Ereignisse
des beginnenden 21. Jahrhundert hin gehabt zu haben, als er schon
1954, also vor fast einem halben Jahrhundert, bei Entgegennahme
des Friedensnobelpreises in Oslo sagte:
"Wagen
wir die Dinge zu sehen wie sie sind. Es hat sich ereignet, dass
der Mensch ein Übermensch geworden ist.
Doch er bringt nicht die übermenschliche Vernünftigkeit auf,
die dem Besitz übermenschlicher Macht entsprechen sollte.
Damit wird nun vollends offenbar, dass der Übermensch mit dem
Zunehmen seiner Macht zugleich immer mehr zum armseligen Menschen
wird. Was uns aber eigentlich zu Bewusstsein kommen sollte, ist
dies, dass wir als Übermenschen zu Unmenschen geworden
sind."
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Die
Frage und die Sehnsucht nach menschlichem Glück
sowie die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens ist den
Menschen nicht nur geblieben.
Nein, diese Fragestellung ist für sehr viele Menschen bis zum
heutigen Tag auch immer noch unbeantwortet geblieben.
Nicht
wenige sondern zunehmend mehr Menschen stellen nach dem Scheitern
des Industriezeitalter immer häufiger und immer intensiver die
Frage nach dem Sinn des Lebens und empfinden heute am Ende ihres
Lebens,
- dass ihr zurückliegendes
Leben trotz allen Veränderungen und allen Luxus letztlich
nutzlos oder gar vergeblich war,
- dass ihr Leben keineswegs
mit Glück sondern stattdessen mit Sorgen,
.. mit Angst und Langeweile
angereichert war.
In den Jahren der Hochblühte der westlichen Industriegesellschaft blieb es ihren meisten 'Teilnehmerinnen' und 'Teilnehmern' verborgen, dass sie durch die ihnen aufgezwungene Rolle eigentlich bereits zu Opfern bzw. zu zwingenden Ergebnissen dieser Industriegesellschaft geworden waren: Sie waren durch die Ausgestaltung der Industriegesellschaft und durch in ihr wirkenden Kräfte der vielfältigen, überwiegend ego-zentrierten Interessen-Verbänden stattdessen als Bürger auf die Rolle eines Konsumenten reduziert worden.
Die
Erfolgsmethodik der Interessen-Verbände ist ganz offensichtlich
und leicht durchschaubar:
Nach Vorbild und Art der Kobolde in der Geschichte der Swabedoodaahs versuchen Interessen-Verbände die
Bürgerinnen und Bürger aus der Rolle der 'kleinen Leute von
Swabedoo' durch Verunsicherung herauszulocken, um misstrauisch zu
werden.
Und den so misstrauisch gewordenen Bürgerinnen und Bürger
bieten dann die Vertreterinnen und Vertreter bzw. die
Funktionärinnen und Funktionäre dieser Interessen-Verbände
ihre Problem-Lösungen an. - Nur die wenigsten Bürgerinnen und
Bürger schaffen es in diesem Kräfte-Parallelogramm noch
originäre Swabedoodaahs zu bleiben oder - nach viel
Enttäuschungen - Swabedoodaahs wieder zu werden.
Viele Bürger sind bereits im Aufbruch.
Mit dem
Jahrzehnte langen Ausbleiben der versprochenen Früchte aus der
Industriegesellschaft wenden sich die Bürgerinnen und Bürger
nun immer mehr von den überkommenen Heilslehren enttäuscht ab:
Sie
entdecken ihr eigenes Selbstbewusstsein als Bürger und ihr
Selbstwertgefühl neu
und begeben sich wieder und weiterhin auf die Suche nach ihrem
Lebensglück.
Sie stellen
hohe und höchste Qualitätsanforderungen an das Angebotene
und werden zunehmend kritischer gegenüber den Versprechungen
gewisser Institutionen und des Marketings.
Und
aus der ehemaligen Industriegesellschaft
stieg in den vergangenen 35 Jahren
langsam und stetig - von vielen fast unbemerkt
eine heutige postindustrielle Informations- und
Erlebnisgesellschaft
empor - gleichsam wie Phönix aus der Asche.
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Die Folgen dieser
Wandlungen bleiben auch vor den Toren der Musikschulen und des
Instrumentalunterrichtes nicht stehen:
Die Zeiten sind vorbei, in denen die Konsumentinnen und
Konsumenten, die Verbraucherinnen und Verbraucher, die
Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer für die
Hersteller, Händler, Politiker oder auch für die
Musikschulleitungen und Musikschullehrkräfte, für die vielen
selbstständigen, im Wettbewerb mit den Musikschulen stehende
Lehrkräfte bequeme Zeitgenossen waren.
Gertrud
Höhler beschreibt
in ihren Schriften und Büchern ganz spannend, wie die 'Kunden'
des 21. Jahrhunderts gewissermaßen zu 'Partisanen der Märkte
und Dienstleistungsanbieter' werden, indem sie wechselweise die
Rollen der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren, der
Abenteurerinnen und Abenteurer, der Entdeckerinnen und Entdecker
sowie der Identitätssucherinnen und Identitätssucher annehmen
und die Dienstleistungsgeberinnen und Dienstleistungsanbieter zur
höllischen Wachsamkeit herausfordern.
Und sind
nicht auch die Musikschülerinnen und Musikschüler hier und da
bereits zu 'schüchternen Partisanen' in den Musikschulen und im
Musikunterricht geworden?
Und wie ist das mit jenen, die sich in den Musikschulen
klammheimlich und in aller Stille abmelden oder schon abgemeldet
haben, um sich die für sie optimale Lehrkraft außerhalb der
Musikschulen zu suchen.
-
Die
Kundin, der Kunde wurden für seine Anbieter zur Lehrmeisterin,
zum Lehrmeister der Kommunikation,
-
und die Musikschullehrerin, der Musikschullehrer für die
Musikschulleiterin, den Musikschulleiter,
- die Schülerin, der Schüler für die Instrumentallehrerin, den
Instrumentallehrer.
-
In
Verkaufsverhandlungen übertrifft die Kundin, der Kunde sehr oft
die Anbieterinnen und Anbieter an Kreativität,
und in der
Unterrichtskommunikation nicht weniger oft die
Musikschullehrerin, der Musikschullehrer die Musikschulleiterin,
den Musikschulleiter,
die Schülerin, der Schüler die Instrumentallehrerin, die
Instrumentallehrer.
- auch Schülerinnen und Schüler sind als Entdeckerinnen und Entdecker, sind als Abenteurerinnen und Abenteurer unterwegs, und sie treffen nun und im wahrsten Sinne des Wortes "arrogant" souverän ihre Wahl.

Und
deshalb bedürfen die Musikschulen der zeitnahen
Managementverfahren,
um mit den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen umgehen zu
können.
Und
das Management tut nichts anderes als dass es beobachtet,
wahrnimmt, analysiert
und dann versucht aus diesen Erfahrungen die Quintessenz
herauszufinden.
__________________________________________
Gib
dem Hungrigen einen Fisch,
und Du machst ihn für einen Tag satt.
Lehre ihn zu angeln,
und Du machst ihn für ein ganzes Leben satt.
Dieser in amerikanischen Management-Seminaren gern verwendete Ausspruch, der an Lortzings Singspiel "Zar und Zimmermann" erinnert, lässt ein wenig erahnen, welches die Absicht und Instrumente des Managements sind:
Das Management will und kann keine
Probleme durch starre Rezepte lösen;
das Management will gewissermaßen nur Wege als
Werkzeuge aufzeigen, die man versuchsweise einsetzen
könnte, um Probleme zu lösen.
Diese Wege basieren nicht auf wissenschaftlichen
Untersuchungen und Beweise sondern auf den Erfahrungen
einzelner Manager, Managertrainer oder Unternehmensberater, die
durch die konsequente und mehrfache Anwendung dieser Erfahrungen
zu respektablen Erfolgen kamen.
Wissenschaftlichkeit, wissenschaftsnahe Begründungen, warum dieses oder jenes so oder so ist, oder empirische Untersuchungen mit wissenschaftlicher Begleitung sind dem Management fremd und fern: Es geht allein um Ergebnisse: It works, or it does not work.
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Im
Management nichts Neues
Aber Sie werden enttäuscht sein und
im Management nichts Neues erfahren, was Sie nicht bereits
schon seit geraumer Zeit kennen.
Und viele seiner Grundsätze könnten sogar so alt wie die Bibel
sein.
Doch
des Menschen Problem ist und bleibt:
Viele
Dinge weiß er seit vielen Jahrhunderten,
von der Richtigkeit vieler Dinge ist er seit vielen Jahrhunderten
überzeugt,
und dennoch hält sich der Mensch nach vielen Jahrhunderten
immer noch nicht konsequent an seine eigenen Erkenntnisse.
Ein Beispiel:
John Covey, Bruder des berühmten Management- und
Leadership-Trainers Stephen Covey, sagt,
dass Effektivität auf folgenden acht Wegen erreicht wird:
1.
Zweifle niemals an Dir selbst.
2. Agiere und warte nicht mit Deinem Handeln, bis Dich die
anderen nur noch re-agieren lassen.
3. Mache nicht die anderen zu den Ursachen und Verursachern
Deiner eigenen Fehler und Niederlagen.
4. Erledige wichtige Dinge nicht sofort, denn 'gut Ding braucht
Weile'.
5. Arbeite und handle stets nur mit klaren Zielen vor Augen,
damit Dein Handeln nicht
... zu einem reinen
Aktionismus wird.
6. Denke nicht in den Kategorien Gewinnen/Verlieren/Rechthaben,
wenn Du mit anderen verhandelst.
7. Strebe nicht danach, von den anderen verstanden zu werden,
.. sondern strebe
stets zuerst danach, dass Dich die anderen verstehen.
8. Sei offen für jede neue Idee und setze Verbesserungen
möglichst umgehend in die Tat um.
Kommen
uns nicht die meisten dieser Worte Coveys längst bekannt vor?
Sind diese Wege zur Effektivität für Sie, für mich, für uns
stimmig?
Und wenn
JA: Wandeln wir stets auf genau diesen Wegen?
Handeln wir immer ziel- oder ergebnisorientiert?
Passiert es
uns nicht allen häufig, dass wir mit unserem Handeln zunächst
warten,
um abzuwarten, und geben uns die anderen dann nur noch die Chance
zum re-agieren?

Und
worin bestehen z. B. die wesentlichen Unterschiede
zwischen agieren und re-agieren, zwischen aktiv und re-aktiv,
zwischen Verbesserungen realisieren und Verbesserungen
aufschieben?
Der Unterschied besteht darin,
dass der agierende, handelnde, der aktive, der Verbesserungen
realisierende und Veränderungen herbeiführende, der pro-aktive
Mensch sich verantwortet weiß und Verantwortung
übernimmt,
während der
re-aktive, der nur re-agierende, der Verbesserungen aufschiebende
und Veränderungen vermeidende Mensch jeder eigenen
Verantwortung aus dem Wege geht.
Und dies könnte schon gleich der erste vom Management den Musikschulen empfohlene Weg sein:
Verantwortung
übernehmen, Verantwortung suchen,
der Verantwortung entgegengehen statt ihr aus dem Wege zu gehen,
denn letztlich sind es immer wir, die in hohem Maße in der Verantwortung oder in der Mitverantwortung stehen.
Doch es genügt im Management
nicht, und es wäre auch zu einfach,
wenn wir uns in unseren Überlegungen auf das Schlagwort
"Verantwortung übernehmen" reduzieren.
Das Management stellt zunehmend auch die Frage(n)
- nach dem Unterbau
dieser Wege der Verantwortungsziele,
- nach
der "Landschaft" und ihrer Topographie,
die diese Wege durchschreiten.
Management
und Marketing stellen zunehmend den Menschen
mit seinen tiefen Sehnsüchten, breitgefächerten
Fähigkeiten
aber auch mit seinen Schwächen
gewissermaßen "personenzentriert"
in den Mittelpunkt der Grundsätze und Überlegungen.
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Gib
den Hungrigen einen Fisch,
und Du machst ihn satt,
lehre ihn zu angeln,
und er wird für den Rest des Lebens satt sein.
________________________________________________________________
Und der zweite vom Management empfohlene Weg:
Eine Musikschule, jede Musikschule und jeder Pädagoge bedürfen eine Vision, gewissermaßen eine Verfassung, ein Grundgesetz, ihr Grundgesetz, das aus dem grundlegenden Konsens zwischen Musikschulträger/Zuwendungsgeber, Musikschulleitung, Lehrerkollegium, Schülerinnen, Schüler und Eltern bestehen muss.
Diese gemeinsame
Musikschulvision, diese gemeinsame Musikschulverfassung darf sich
nicht in zeitnahen Zielen erschöpfen,
denn das mannigfaltige, überwiegend brach liegende Potential
einer Musikschule wird erst dann freigesetzt,
wenn der Schwerpunkt dieser Verfassung, dieser Vision nicht auf
dem Tun, nicht auf dem Haben liegt sondern auf dem Sein.
Eine Verfassung sollte nicht per
Zufall passieren; sie sollte unter Beteiligung aller bewusst
erarbeitet,
schriftlich niedergelegt und vielleicht sogar feierlich
verabschiedet werden.
Denn dies sagt das Management:
Eine Musikschule wird dauerhaft nicht durch die
Direktion - kollegial oder despotisch - geleitet sondern durch
einen möglichst breiten Konsens geführt, und der
Musikschulleiter hat die Aufgabe, diesen Konsens ständig
herzustellen und täglich zu erneuern.
Erfolge im Unterricht entstehen nicht
durch Dissens sondern allein durch Konsens zwischen Schüler und
Lehrer,
und die Musikschullehrerin, der Musikschullehrer hat die
Aufgabe, diesen Konsens ständig herzustellen und zu erneuern.
Dieser breite, allumfassende Konsens
hat zugleich einen intensiven Rationalisierungseffekt:
Die Arbeit der Musikschule ist nicht länger Selbstzweck; sie
wird nun zielgerichtet,
und man verschwendet nicht länger Zeit, Kraft und Mühen für
unwichtige Dinge und Nebensächlichkeiten.
Ein Management aber, das sich im
Netz der Eitelkeiten, der Tagesarbeit und in den akuten
Problemen verfängt,
verkommt zum Angst- und Krisenmanagement.
Verbitterung und Resignation machen sich breit, denn plötzlich
scheint die Musikschule nur noch aus einem einzigen riesigen
Problem zu bestehen.
Langfristige Erfolge, langfristig
positive Ergebnisse werden erst möglich, wenn sich alle mit
dieser Verfassung und damit mit dieser Musikschule identifieren
und ihr Handeln darauf abstimmen.
Gemeinsame Ziele, Worte und Visionen durchdringen eine
Musikschule und lassen deshalb wirkliche Krisen leichter
meistern.
Will man den Instrumentalunterricht
dauerhaft erfolgreich reformieren, dann müssen an die Stelle
von ad-hoc-Lösungen und Belohnungsstrategien breiter Konsens und
gegenseitiges Wohlwollen
treten.
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Ein ganz
anderer Aspekt der Betrachtungsmöglichkeit:
Während man in
Nordamerika und in den anderen westlichen Industrie-Staaten die
Nachkriegsfrüchte des zweiten Weltkrieges eifrig genoss und ein
zeitliches Ende dieses "Genusses" für die meisten
Unternehmerinnen und Unternehmer und für die Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer schon fast unvorstellbar war, dachte man in
Japan und in den anderen ostasiatischen Ländern bereits intensiv
über die Zukunft nach und entwickelte für die eigene
Volkswirtschaften neue, wirklichkeitsnahe Visionen.
Die
verantwortlichen Regierungsbeauftragten Japans schwärmten in
alle Welt aus,
um die weltweit besten Berater für ihre japanische Nation zu
verpflichten.
Unter ihnen waren zwei Männer,
welche für die Zukunft Japans von aller größter Bedeutung
werden sollte:
Einer der beiden Männer war der US-Ingenieur rumänischer
Abstammung,
Joseph Moses Juran, der sich mit 80/20-Prinzip des italienischen
Wirtschaftswissenschaftler Vilfredo Pareto auseinandersetzte und
Paretos These weiterentwickelte.
Bereits einhundert Jahren zuvor hatte Pareto die 80/20-These
aufgestellt, dass sich in 20% der Zeit 80 % aller wichtigen
Handlungen vollziehen. Juran war von diesem Gedanken Paretos so
fasziniert, dass er dieses 80/20-Prinzip weiter untersuchte und
z. B. feststellte:
- 80 % aller
Umsätze einer Firma werden von 20 % ihrer Kunden,
- 80
% aller kriminellen Handlungen von 20 % aller Kriminellen
getätigt.
-
80
% aller Verkehrsunfälle werden von 20 aller motorisierten
Verkehrsteilnehmer verursacht.
-
Menschen
in den westlichen Industriestaaten tragen in 80 % ihrer Wachzeit
nur 20 % ihrer Kleidung.
(Nicht auszudenken, welche Bedeutung schon diese Feststellungen
auf den Instrumenalunterricht an Musikschulen haben könnte.)
Mit diesen Erkenntnissen Paretos
entwickelte Joseph Moses Juran zu Beginn der 50er Jahre
ein bahnbrechendes, zukunftsweisendes Controlling
System für die amerikanische Wirtschaft,
doch die US-Industriellen waren in den 50er und 60er Jahren zu
sehr mit ihren Nachkriegserfolgen beschäftigt
und interessierten sich nicht für Jurans Theorien.
Japan dagegen nahm Jurans Dienste gern an: Joseph Moses Juran
lehrte fortan sein 80/20-Prinzip an Japans Universitäten und
bildete Japans Manager in diesem Prinzip fort.
Der andere war Dr. W.
Edward Deming, ein bis dahin unbekannter
amerikanischer Statistiker,
der während des Zweiten Weltkrieges als Logistikberater der
US-Regierung und der US-Generalität
mit der Organisation des Europa-Nachschubs für die
US Army und für die anderen Alliierten Streitkräfte
beschäftigt war.
Demings Botschaft an Japan und an die Japaner lautete:
Versucht
nie, das bestehende, euro-amerikanische System zu kopieren,
sondern sucht nach euren eigenen Wegen
und bezieht eure Beschäftigten in alle anstehenden
Entscheidungen mit ein.
Transfer
für den Instrumentalunterricht:
versucht niemals, bestehende Unterrichtsmethoden und
Unterrichtsdidaktiken zu kopieren,
sondern sucht nach euren eigenen Wegen
und bezieht eure Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern
und Erziehungsberechtigten
in alle anstehenden Entscheidungen mit ein.
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Auf dieser Grundlage entwickelte Deming
zusammen mit Juran und den anderen internationalen Beratern
den neuen, japanischen Firmentypus, der
- die Firmenbelegschaft
durch (Mit-)Beteiligung und (Mit-)Verantwortung
an wichtigen unternehmerischen Entscheidungsprozessen in das
Unternehmen einbindet,
-
hohe
Qualitätsanforderungen
an das Gesamtdesign, an die Fertigung stellt
-
und
einen optimalen Kundenservice anbietet.
Transfer
auf den Instrumentalunterricht:
Die Musikschulleitungen beziehen alle Lehrkräfte in alle
wichtigen Entscheidungen und Entscheidungsprozesse ein, und die
Lehrkräfte beziehen alle Schülerinnen und Schüler sowie deren
Eltern und Erziehungsbrechtigte in alle wichtigen Entscheidungen
sowie in alle Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse
mitgestaltend ein.
Musikschulleitungen und Lehrkräfte stellen sich gemeinsam den
hohen Qualitätsanforderungen an den Unterricht,
sie bieten ihren Schülerinnen und Schülern gemeinsam einen
optimalen Unterrichtsservice und missbrauchen ihr Wissen nicht
zur eigenen Vorteilsnahme.
Oberstes Management-Ziel war es
schon damals und ist es in Japan auch heute,
nämlich dass sich alle Beschäftigten einer Firma unbedingt mit
den Firmen-Zielen identifizieren
und so eine möglichst intensive Sozietät mit allen
Beschäftigten der Firma bilden.
Transfer:
Identifizieren sich alle Lehrkräfte mit den Unterrichtszielen
sowie mit den Schülerinnen und Schülern, und bilden sie mit
ihnen eine jederzeit belastbare Sozietät.
Aber erst zwei Jahrzehnte später wird dieses Ziel auch für das Management westlicher Unternehmen als "Corporate Identity" formuliert und gefordert: Japans Management bekam Jahrzehnte später endlich Konkurrenz.
Wären das alles nicht auch
lohnende Ziele für die Musikschulen?
Doch in vielen Lexika des vergangenen zwanzigsten Jahrhunderts
wird man noch vergeblich nach diesem Begriff suchen.
Anders also in Japan:
Gemeinsam wurden dort neue Firmenstrukturen wie "Joint
Ventures" oder "Franchise",
neue Kommunikationsfelder, neue Leitsysteme und neue
Firmenlogistiken und Firmenstrategien entwickelt, eine neue
weltweite "Just-in-time"-Steuerung der
japanischen Frachtschifffahrt für die europäischen und
amerikanischen Märkte kreiert, erprobt und laufend optimiert, um
die Kosten möglichst gering zu halten und um möglichst wenig
Kapital zu binden.
Transfer: Könnten nicht auch Musikschulen mit
anderen Musikschulen, Lehrkräfte mit anderen Lehrkräften
"Joint Ventures" begründen? Könnten nicht
Musikschulen für private Instrumentallehrkräfte oder für
große Musikschulen für kleine private Musikschulen zu
Franchise-Gebern werden?
Diese so definierten und gesetzten Ziele
konnten in Japan nicht über Nacht erreicht werden,
aber nach und nach konnte die japanische Wirtschaft - von den
Amerikaner und Europäern noch fast unbemerkt - ihren Zielen
näher kommen und weltweit wieder Fuß fassen:
Japan
hatte seine nationale Vision gefunden, die in
Erfüllung zu gehen schien; während man sich in Deutschland noch
fast seiner Nationalität schämen musste.
Und schon bald wurde Japan zum weltweiten Marktführer
für neue Technologien, Warenqualität und hochrangigen
Dienstleistungen. Corporate Identity, Franchise, Controlling,
Job-Sharing, Time-Sharing, Just-In-Time-Logistik, sie alle sind
heute selbstverständliche Management-Techniken japanischen
Ursprungs, die erst viele Jahre später in die westlichen
Industriestaaten importiert wurden.
In den 80er Jahren exportierte das Rohstoff-Importland Japan
nicht nur seine hochwertigen Industrieprodukte in alle Welt
sondern ebenso Technologien und Dienstleistungen aller Art, ja selbst
das eigene japanische Management.
Die USA
hatten der japanischen und asiatischen Welt-Entwicklung längst
Rechnung getragen: Man verließ die amerikanische Ostküste und
wandte sich von Europa ab.
Die Europa zugewandte amerikanische Ostküste wurde - von New
York einmal abgesehen - immer mehr zur verlassenen
Industrielandschaft, während sich die Japan und Korea zugewandte
Westküste von der kalifornischen Ferienidylle zur
High-Tec-Landschaft entwickelte:
Man
will Japan, Korea und China nahe sein - Silicon-Valley.
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Japans schleichende Expansion auf den Weltmärkten blieb von allen westeuropäischen Industriestaaten, von ihren Politikerinnen und Politikern, von ihren Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftlern, zunächst jahrelang unbemerkt und unreflektiert. Erste behutsame Anzeichen des japanischen Erfolgs wurden zunächst weitgehend ignoriert: In Europa und in Amerika war man bis in die 80er Jahre hinein zu sehr mit sich selbst und mit dem Genuss seines eigenen, scheinbar grenzenlosen Erfolges aus den 50er und 60er Jahren beschäftigt.
Erst in den späten 60er und vor allem in den 70er Jahren wurden die Auswirkungen dieser japanischen Entwicklung in Europa und Nordamerika schmerzhaft spürbar; hinzu kamen die Welt-Ölkrise, der Golfkrieg und die nahezu galoppierende Inflation mit z. T. zweistelligen, jährlichen Steigerungsraten in einzelnen europäischen und nordamerikanischen Ländern sowie mit zeitweise dreistelligen Raten in Afrika und Lateinamerika.
Weltweit entstanden wirtschaftliche und soziale Flächenbrände einhergehend mit einer hohen Arbeitslosigkeit bis zum heutigen Tage; ganze Bankenkonsortien, Branchenzweige und Industriekonzerne brachen zusammen, es kam überall zu Massenentlassungen.
Drei Dinge leiten sich
aus den japanischen Entwicklungen auch für die Musikschulen ab:
1. Entscheidend ist der Konsens der Visionen.
2. Wir sollten auch in den Musikschulen endlich einmal über die
80/20-Thesen Paretos und Jurans in entspannter Atmosphäre
nachdenken und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.
3. Visionen kann man nicht kopieren, deshalb müssen jede
Musikschule und jede Lehrkraft ihre eigenen Vision finden.
Wann
also ziehen alle Musikschulen, alle Instrumentallehrerinnen und
Instrumentallehrer
die Konsequenzen aus den damaligen japanischen Erfolgen!
Zugegeben:
Mittlerweile hatten die westlichen Industiestaaten von den
japanischen 'Wirtschaftspionieren' gelernt.
Zugegeben: Mittlerweile sind westliche und japanische Unternehmen
gleichberechtigte Partner auf den Weltmärkten geworden.
Aber sie haben erst sehr spät erkannt, welche atemberaubende
Entwicklungen sich auch in Korea, China oder Indien vollziehen.
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Zurück
zur Dienstleistung
An dieser Stelle möchte ich wieder
eine Brücke zurück zur Dienstleistung schaffen.
Spricht man aber das Wort 'Dienstleistung' in den Kollegengesprächen in der Musikschule nur aus oder aus, dann sträuben auch heute noch sich vielen ehrenwerten Kolleginnen und Kollegen, Mitbürgerinnen und Mitbürgern gleich die Haare.
Warum eigentlich! - Dienstleistung ist nicht gleich Dienstmädchen.
Dienstleistung ist das verantwortliche und verantwortete Wirken des Dienstleistenden zu Gunsten und zum Wohl des Dienstnehmers. Dazu gehört zweifelsohne auch, dass der Dienstleistende bei hoher Qualität einen Anspruch auf (s)ein angemessenes Honorar hat.
Nicht nur die Bankangestellten und Versicherungsrepräsentanten, auch die Bundesregierung samt Bundeskanzlerin und Ministern sind Dienstleistende. Die Landesregierungen, die Abgeordneten, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sie alle sind Dienstleistende.
Und auch die Pädagogin, die Musikpädagoge, die Musikschulpädagogin, der Pädagoge, der Musikpädagoge, der Musikschulpädagoge, sie alle sind Dienstleistende - dienstleistend an der Schülerin und am Schüler, an IHREN SCHÜLERN sowie an der Werte suchenden Gesellschaft: Und nur dies begründet und berechtigt einen Anspruch auf Subventionen durch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.
Karriere bewusste Instrumentallehrerinnen und Instrumentallehrer sind leider meistens sehr eitel und kümmern sich folglich vornehmlich nur um die Schülerinnen und Schüler, die diesen Lehrkräften zu Ruhm und Ehre verhelfen. D. h., hier sind nicht die Instrumentallehrerin, der Instrumentallehrer sondern die Muster-Schülerinnen, der Muster-Schüler zugleich Dienstleistende an der Lehrkraft:
Die Schülerin,
der Schüler leistet in desem Fall der Instrumentallehrerin, dem
Instrumentallehrer den Dienst, den Ruf und den Ruhm einer
erfolgreichen Instrumentallehrkraft zu erlangen - und diese
Schülerinnen und Schüler ernähren zu allem Überfluss auch
noch diese Lehrkräfte. Und alle Schülerinnen und Schüler,
welche diese Dienstleistungen an den genannten Lehrkräften nicht
erbringen, werden mit Zuwendungsentzug oder einer
Lehrerwechselempfehlung oder gar mit einer generellen
Abmeldungsempfehlung belegt, "beseitigt" bzw.
"bestraft" (Abmeldung und Lehrerwechsel sind dann in
der Regel die Folgen).
Eigentlich ist dies ja nur folgerichtig, denn man wendet
sich vom Dienstleistenden ab, wenn dieser dem Dienstnehmer seine
Dienstleistung nicht ordnungsgemäß erbringt.
Dieses letztere,
Gott-sei-Dank aber nur selten auftretende Dienstleistungsmuster
funktioniert sehr häufig auch umgekehrt:
Instrumentallehrkräfte, die sich vom Leistungsgedanken abgekehrt
haben und/oder die selbst durch hohe Leistungsanforderungen
innerlich verletzt wurden, werden gewissermaßen zu
Anti-Leistungslehrkräften und argumentieren, dass gerade die
schwache Schülerin, der schwache Schüler ihrer individuellen
Hilfe und Zuwendung bedarf. - Wer wollte da dieser
scheinbar zutreffenden Argumentation widersprechen!!
Dennoch: Auch hier wird - in diesem Fall - der schwache Schüler
zum Dienstleistenden an der beschriebenen Lehrkräfte-Klientel.
Personenzentrierter
Unterricht ist jedoch etwas anderes.

Die wirklich aus sich heraus dienstleistende
Musikschullehrkraft im positiven Sinne
dagegen wird sich jeder Schülerin, jedem Schüler gleichermaßen
zuwenden.
Sie wird - personenzentriert denkend - weder leistungsstarke noch
leistungsschwache Schülerinnen oder Schüler ablehnen.
Die
dienstleistende Musikschullehrkraft ist nicht eitel, sie wird
nicht ihre eigene Karriere, ihren Ruhm, ihren Namen in den
Mittelpunkt des Handelns stellen sondern allein das individuelle
unterrichtliche Wohlergehen jeder einzelnen Schülerinnen und
jedes einzelnen Schülers.
Die
dienstleistende Instrumentallehrkraft wird nicht ständig
Ausschau halten nach der für sie bequemsten Unterrichtsform
sondern schülerzentriert nach der für jede Schülerin und für
jeden Schüler individuell geeignesten und damit besten.
Die
dienstleistende Instrumentallehrkraft wird sich in einem
permanenten Prozess stets neuen Wegen und Methoden öffnen und
sich mit ihnen vorurteilslos auseinandersetzen.
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Der Verband deutscher Musikschulen hat
vor vielen Jahren unter dem Titel: "Neue Wege in der
Musikschularbeit" verschiedenste Unterrichts-
und Veranstaltungsmodelle zusammengetragen, die verschiedene
Musikschulen bundesweit mehr als 100 verschiedene Modelle
erarbeitet hatten. Viele Modelle haben mich begeistert. Sie
spiegeln wider, dass ihre Erfinder sich als Dienstleister
verstehen.
Und sicher werden sich viele dienstleistende
Musikschullehrkräfte neugierig mit diesen neuen Modellen
auseinandersetzen wollen, sie werden dem VdM für die Angabe der
Kontaktadressen dankbar sein, um weitere Informationen über das
eine oder andere Modell zu erhalten.
Doch
was ist mit den vielen anderen der rund 1.000 Musikschulen in
unserem Lande!
Wo ist ihr Dienstleistungsverständnis, wo sind ihre Visionen auf
die Zukunft.
Die im Bewusstsein der Dienstleistung
arbeitende Musikschule, die dienstleistende
Musikschulleiterin, der dienstleistende Musikschulleiter, die
dienstleistende Instrumentallehrerin, der dienstleistende
Instrumentallehrer werden sich nicht mehr auf die reine
Fachkompetenz reduzieren lassen. Sie werden sich vielmehr laufend
für die gesellschaftlichen Veränderungen und für die
Veränderungen in den Lebensfeldern der Schülerinnen und
Schüler interessieren.
Der dienstleistende Mensch
weiß aber auch um die Wichtigkeit der Kommunikation.
Er wird deshalb bemüht sein, seine eigenen
Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und seine
Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern.
Vor allem aber wird sich der Dienstleistende tiefgreifend auch
um seine eigene Person, um seine eigene Persönlichkeit
kümmern, denn er weiß:
Wer nicht in sich selbst
hineinhören kann, der kann auch nicht anderen zuhören.
Wer sich nicht selbst von seinen eigenen Fesseln
befreit hat, der kann nicht in Freiheit eine Dienstleistung an
einem anderen Menschen erbringen.
Wer mit sich selbst nicht im Konsens lebt, der kann auch
keinen Konsens mit anderen herstellen.
Wer mit sich selbst kein Grundgesetz verabredet
hat, wer also für sich selbst keine Vision hat,
der kann auch in Gemeinschaft mit anderen keine Vision kreieren.
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Und hier ist wieder eine der
vielen Querverbindungen zum Management:
Während dies in Deutschland zu mindest offiziell untersagt ist,
ist es in Amerika durchaus üblich,
in einem Bewerbungsgespräch die persönlichen Lebensumstände
eines Bewerbers zu ergründen.
Nach den Vorstellungen des US Leadership
Centers in Provo/Utah müsste - gewissermaßen transponiert
betrachtet - die ideal dienstleistende Musikschullehrkraft
die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
# zuerst ein
eigenes, geklärtes, stressfreies Umfeld und ein Leben in
geordneten wirtschaftlichen und menschlichen Verhältnissen,
#
ein
ständiges Bemühen um eine geistige und geistliche
Lebensorientierung für sich selbst,
# die
zweifache Zeit des eigenen Redens in das Zuhören investieren,
#
bei
allen Planungen und Überlegungen die Einbezogenen und
Betroffenen von Anbeginn an einbeziehen und nicht vergessen,
# stets
alle Seiten hören, bevor man eine Entscheidung trifft (das
wussten schon die alten Römer!),
#
offen
sein für den Rat anderer,
#
Abwesende
stets verteidigen,
# in
jedem Jahr mindestens ein neues Projekt angehen oder eine neue
Unterrichtsmethode kennenlernen, erproben, entwickeln,
#
schon
heute die Arbeit von morgen vorbereiten,
#
stets
eine positive Einstellung haben und mit einem Quentchen Humor
leben,
#
sich
nicht vor den eigenen Fehlern fürchten sondern allein vor der
eigenen mangelnden Kreativität
....
und
vor der Nicht-Auswertung der eigenen Fehler,
#
sich
für die gegenwärtigen Aufgaben engagieren, ohne die Aufgaben
von morgen aus dem Auge zu verlieren.
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Dienstleistung & Fluchtverhalten?
Dienstleistung,
das ist auch das freundliche, dem nächsten zugewandte Gesicht
und die zugewandte Sorgfalt an den Nächsten.
Und dies wiederum gelingt uns aber nur, wenn wir die benannten Voraussetzungen erfüllen und wenn wir uns von unserem Riesen-Ego, von unserer Unfähigkeit zur Nächstenliebe, von unseren Eitelkeiten verabschieden.
Dienstleistung
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Musikschule
bedeutet,
allen Menschen, die eine Musikschule betreten, aufmerksam
und freundlich zu begegnen.
Dienstleistung
fordert, das eigene Fluchtverhalten in eine freundliche,
freundschaftliche Begegnung zu wandeln.
Wo
tausende sich täglich einander begegnen,
da schaut man nicht mehr so genau hin, da schaut
man sich nicht mehr an,
da schaut man durch den anderen durch und tut so, als wäre der
andere gar nicht anwesend,
da läuft man mit gesenktem Blick und verschlossenen Mienen an
einander vorbei:
ein Fluchtverhalten.
Es kommt zu einem "Sparprogramm
der Kontakte und Begegnungen", zu einem regelrechten Fluchtverhalten
vor einander.
Man empfindet den anderen, den Nächsten
gewissermaßen als Hindernis und umgeht ihn -
innerlich wie äußerlich.
Es soll dabei nicht verkannt
werden:
Das Spiel der leeren Blicke und des anonymen
"Rühr-mich-nicht-an" oder des "Niemanden kennen,
niemanden sehen, niemanden anfassen"
gehört in der Massenversammlung der Menschen in den
europäischen Ballungsräumen im Grunde zu einer Art
Überlebenstraining.
Die dienstleistende
Musikschullehrkraft weiß aber auch, dass sie in ihrer
Dienstleistung diese Kulturtechnik des Umgangs mit den Massen
überwinden muss.
Für dieses Wechselspiel der
Kommunikation wird von der Lehrkraft höchste
Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt.
Sie muss mit ihrem Verstand, mit ihrem Gefühl, mit ihrer
Intelligenz und ihren Emotionen große Kraftanstrengungen
unternehmen, um aus dem beschriebenen Kontakt-Sparprogramm und
Überlebensmanagement in der Masse auszusteigen, will sie in der
Nähe und im Vertrauen zur Schülerin und zum Schüler den
Konsens herstellen.
Deshalb ist Dienstleistung zugleich eine riesige
Herausforderung und eine riesige Zumutung an
die Musikschule, an die Musikschulleitung und an die
Musikschullehrkraft.
Vom Verstand
her scheint alles klar:
Zur Dienstleistung der
Musikschule und ihrer Handelnden gehört es auch, eine emotionale
Schülerbindung herzustellen.
Aber wie soll das geschehen in einem Lebensumfeld der Massen, der
massenhaften Gleichgültigkeit, wie dem fremden sich immer wieder
als Freund nähern.
Das Verhaltensfeld 'Dienstleistung' muss trainiert werden.
Wir brauchen dringend Trainingsprogramme,
Fortbildungsprogramme, die Lust machen, Dienstleistende zu
sein oder zu werden und zu bleiben. Wir müssen wieder lernen, in
bestimmten Lebensfeldern uns zu outen, unsere
Emotionen öffentlich zu machen.
Wir müssen mit unserer Einsicht unsere Emotionen für unsere
Dienstleistung gewinnen und uns bedingungslos für den Schüler
öffnen.
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Doch wieder
ein Blick in die Zukunft
Dienstleistungsdenken
fällt den bisher nur um die eigene Perfektion bemühten
Musikschullehrkräften besonders schwer.
Wer nicht den Schüler sondern vorrangig die Qualität von
Fingersätzen und Urtext an die erste Stelle seines Handelns
rückt oder gar sein unterrichtliches Handeln darauf reduziert,
der tut sich schwer mit der Qualität menschlicher Begegnungen.
Wer dem IQ (= Intelligent Quality) den EQ (Emotional Quality) und den SQ (Social Quality) hinzufügt - wie es Gertrud Höhler seit geraumer Zeit fordert -, der kann es zulassen, dass sich im seinem Wirkungskreis Berechenbares und Unvorhersehbares fast wie oppositionelle Parteien gegenüber stehen:
Die
Musikschullehrkraft, die sich als Dienstleistende versteht, steht
auf zwei Seiten:
* Sie repräsententiert ihre Musikschule einerseits
und ist andererseits zugleich auch Anwalt ihrer Schülerin, ihres
Schülers gegenüber dem System Musikschule. Nicht wenige
Musikschullehrkräfte aber stellen sich bewusst oder unbewusst
auf nur eine Seite, auf die der Musikschule oder auf die der
Schülerschaft, und vernachlässigen zugleich die andere Seite.
Nicht selten kommt es dadurch zu Konflikt-Situationen mit der
vernachlässigten Seite.
* Die dienstleistende
Musikschullehrkraft gestaltet und verteidigt die Schülernähe
ihrer Musikschule und zugleich die Legitimierung der
Schülerwünsche - auch wenn die Musikschule diese nicht oder
noch nicht oder nicht immer erfüllen kann.
* Geichzeitig kann aber die
dienstleistende Instrumentallehrkraft nicht nur das eigene Know-How
verteidigen, denn sie wird allein daran gemessen, ob und wie sie
ihr Know-How in den Dienst ihrer Schülerinnen und Schüler,
ihres Unterrichtes stellt.
* Mit dem Betreten des
Unterrichtsraumes wird die Schülerin, der Schüler
gewissermaßen vorübergehend zum Bestandteil der Musikschule.
Da Musikschulen und ihre Honorar- bzw. Gehaltsempfänger aber bei rückläufigen Geburtenraten von der möglichst langen Verweildauer ihrer Schüler leben, gehört es zur Marketingstrategie der Musikschullehrkraft dann auch, durch die Qualität der Dienstleistung eine möglichst intensive und dauerhafte Bindung an die Musikschule und eine möglichst intensive Einbindung in die Musikschule und in die Musik zu erreichen.
Dies wird den
Musikschulen und ihren Lehrkräften aber nur gelingen,
wenn sie sich nicht eitel und besserwisserisch von den
Schülerinnen und Schülern und deren Eltern abgrenzen und wenn
sie nicht permanent versuchen, der Schülerinnen und Schüler
Wünsche zu korrigieren sondern wenn sie sich bemühen,
der Schüler direkten und indirekten Wünsche in den Mittelpunkt
ihres unterrichtlichen Handelns und damit in den Mittelpunkt
ihrer Dienstleistung stellen und wenn - natürlich
bezogen auf den Unterricht - in jedem Einzelfall zwischen den
Visionen der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte
Konsens hergestellt wird.
D. h., die Lehrkraft muss sich darauf einlassen, in bezug auf ihre unterrichtliche Dienstleistung nicht nur eine Vision sondern mehrere, nämlich für jede Schülerin und jeden Schüler eine eigene, individuelle Vision zu haben.
* Wer im Unterricht
den Eindruck vermittelt, dass die Schülerin, der Schüler eine
Fremde, eine Belastende, ein Fremder, ein Belastender sind, dass sie
Schülerinnen oder Schüler sind, die zusätzliche Mühen und
Arbeit bereiten, der vertreibt sie alle sowie deren
Freunde/Bekannte aus der Musikschule.
* Wer im Unterricht den Eindruck vermittelt,
dass die Schülerin, der Schüler ja nur geduldet oder nur dann
willkommen sei, wenn sie und er den Leistungsanspruch ihrer und
seiner Lehrkraft oder der Musikschule erfüllt, der vertreibt sie
alle und deren Freunde/Bekannte aus der Musikschule.
In der längeren Perspektive
sind die Schüler die mächtigeren, sitzen sie letztlich doch am
längeren Hebel
- direkt, da sie in nicht unerheblichem Maße
steigende Entgelte entrichten,
- und indirekt; da sie in erheblichem Maße
das Meinungsbild und damit die emotionalen Entscheidungen der
Kommunalpolitiker - also der Geldgeber - mit beeinflussen.
Eine Musikschule,
die nicht personenzentiriert denk und handelt,
die sich nicht als Dienstleistungsunternehmen versteht,
und eine Instrumentallehrkraft, die sich nicht als
Dienstleistende versteht,
darf sich nicht wundern, wenn es eines Tages heißt:
Musikschule, Musikunterricht, Instrumentalunterricht - nein Danke!
oder frei nach
Schweijk:
Stell'
Dir vor, es ist Instrumentalunterricht
und niemand geht hin!
Und
damit meine Schwarzmalerei nicht zur verhängnisvollen
Wirklichkeit wird,
bedarf es
der Fortbildungen, nicht der Fortbildungen über Fingersätze,
über die Flatterzunge auf der Flöte, über den Auf- und
Abstrich bei den Streicher sondern der Weiterbildung
- über die
Grundbedüfnisse des Menschen und über die Selbstfindung,
- über den Grundkonsens
mit sich selbst, damit man ihn auch mit anderen herstellen kann,
- über die Körpersprache
und NLP.
Und in viele dieser Themen müssten auch die Eltern eingebunden werden.
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Wieder
zum Management zurück
Wir
allein haben es und behalten es mit-gestaltend in der Hand, wie
wir mit diesen unabweisbaren und unausweichbaren Einflüssen
umgehen oder wie wir denken.
Und so trotzdem gibt es großartige Augenblicke in unserem Leben,
die sich dauerhaft und unauslöschbar in unseren Erinnerungen
einnisten,
wenn wir unser Leben und Erleben mit kritischem Bewusstsein
gestalten, erleben und durchleben -
Augenblicke
des Glücks und des Glücklichseins.
Aber
diese vermeintliche Freude entsteht an dieser Stelle nicht aus
dem körperlichen Zustand des Ausspannens
sondern aus der mentalen Reflexion der getanen, harten Arbeit
während
des
körperlichen Ausspannens.
Nein,
die größten Augenblicke in
unserem Leben waren,
sind und bleiben
stets die,
in denen wir selbst
selbstbewusst "das Gesetz des Handelns" an uns gezogen
und so mit großen oder allergrößten Kraftanstrengungen dazu
aktiv, entschlossen, risikobereit
und unerschrocken beigetragen haben, dass etwas Großartiges
geschah oder geschehen konnte.
Und
diese Augenblicke waren letztlich die Augenblicke unseres
anhaltenden 'Glücklich-Seins'.
Permanentes
Ausruhen und Entspannen
besorgt dagegen nur Resignation und Langeweile
gepaart mit der Angst um den Verlust des Besitzens.
Deshalb:
Wer passiv verweilt, der verpasst zwangsläufig sein
Lebensglück.

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Conductio:
Zum ersten Mal in der
langen Menschengeschichte sind wir von der schwierigen Aufgabe
herausgefordert, die komplizierten und zugleich radikalen,
weltweitenVeränderungen unserer beruflichen, politischen und
privaten Lebenswelt nicht nur zu akzeptieren sondern sie ebenso
zielorientiert herbeizuführen.
Nur in der Kunst und in
der Musik können wir uns scheinbar noch den Freuden und
Wohltaten nach den Vorstellungen der vergangenen Jahrhunderte
hingeben. In bezug auf die gesellschaftliche
Entwicklungen bleibt uns jedoch keine Wahl:
Wir müssen unsere Energien und spirituellen Ressourcen
kompromißlos und tiefgreifend auf die Erneuerung unserer
Arbeits- und Lebenswelt, unserer Gesellschaft, konzentrieren,
denn die SQ, die Spiritual Quality, kommt zu den drei
schon benannten Qs hinzu.
Die kritische Betrachtung öffentlicher Meinungsäußerungen gewisser gesellschaftlicher Gruppen und Einzelpersonen belegt, dass die Gesellschaft in ihrer Mehrheit wie eh und je immer noch und unvermindert auf das überkommene "Klassenziel" der längst überkommenen Industriegesellschaft setzt, um den vermeintlichen "Klassenfeind" ausmachen und jagen zu können.
Das Morgen
des Instrumentalunterrichtes
Dieser
Versuch eines kurzen Anrisses von Entwicklungen in den westlichen
und vor allem in den westeuropäischen Industriestaaten vermag
vielleicht auch anzudeuten,
+ wie intensiv wir uns
-
in einem
internationalen Evolutions- und Revolutionsprozess der Kultur und
der Pädagogik,
- in einem internationalen
Evolutions- und Revolutionsprozess der Wirtschafts- und der
Arbeitswelt befinden,
der von uns Zeitgenossen in allen Bereichen völlig neue
Visionen, völlig neue Fragen, völlig neue Antworten, völlig
neue Lösungsmodelle abverlangt;
+ wie sehr wir unbewusst schon heute
in einer Quasi-Kulturrevolution leben,
+ die notwendigerweise
neue Marketing- und Managementstrategien in der Kultur und in der
Pädagogik
- sowie neue Steuerungssysteme und Strategien, neue soziale
Sicherungssysteme
- sowie neue Organisationsmodelle für die biologische und
psychologische Überlebenszukunft
des Menschen schicksalhaft erzwingt,
+
die in Folge neue
Dienstleistungen sowie neue Qualitäten und Modalitäten der
Dienstleistung(en) notwendig macht sowie neue Ansprüche an den
einzelnen Menschen und an die Gesellschaft kreieren lässt,
+ und die deshalb nicht
zuletzt auch neue virtuellen, multimediale Unterrichtssysteme,
- neue vernetzte Unterrichtsorganisationen und neue
Unterrichtsinhalte,
- neue Unterrichtsverfahren,
- ein neues Unterrichtsmarketing sowie neue Erprobungs- und
Erfahrungsmodelle
in den allgemeinbildenden Schulen, Volkshochschulen wie in den
Musikschulen zwingend bedingen.
Doch
die dreitausendjährige Menschengeschichte lässt ebenso keinen
Zweifel daran,
dass diese unabwendbaren Wandlungsprozesse der Gesellschaft mit
gigantischen Ausmaßen
nicht auf revolutionären sondern allein auf evolutionären
Wegen, nicht per Weisung oder Gesetz
"von oben nach unten" sondern nur durch Wandlung
"von unten nach oben" gelingen können.
.
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Ein neues Kapitel der Menschengeschichte hat längst begonnen.

Auch zukünftig muss es
in aller Wissenschaft und Forschung stets personenzentriert
um den ganzheitlichen Menschen gehen; aber es darf nicht
allein nur um den Menschen gehen.
Die Befreiung des Menschen durch die Wissenschaft, seine
Annäherung an Grenzbereiche der Biologie, hat ihn nicht aus
seiner Verantwortung für die Wissenschaft entlassen. Im Hinblick
auf die Ausdehnung der menschlichen Macht im göttlichen
Schöpfungsplan übernimmt der Mensch zunehmend zentrale
Verantwortung für die Bewahrung der ganzen Schöpfung.
Die Kirchen und die alternativen
Geisteswissenschaften können sich nicht länger vor ihrer
eigentlichen Verantwortung drücken, auch sie müssen nicht als
geistliche Würdenträger aber als geistige Gesellschaftspräger
sich der Mitverantwortung für das ganze Weltall stellen.
In diesem Sinne muss jeder Pfarrer und jede Bischöfin, jeder
Diakon und jede Predigerin, aber auch jeder Philosoph, jeder
Athetist, jeder Nihilist und jeder Freidenker sehr genau
überlegen, welches die Botschaft und Predigt von morgen sein
wird. Eines steht jedenfalls fest, die Predigten für morgen
dürfen nicht länger von etwas christlich oder wie auch immer
bepudertem Sozialismus geprägt sein.
Nein, sie müssen die
Spiritualität der Antike, der Bibel, der Urchristen und der
humanistischen Philosophen wieder aufgreifen, sie müssen den
Menschen wieder Mut und Zuversicht vermitteln, für die Visionen
über die Zukunft innerlich frei zu sein. Nicht länger dürfen
die Menschen Schutz vor den Menschen suchen müssen.
Die
Verknüpfung von IQ, EQ und 2xSQ steht heute mehr denn je auf der
Tagesordnung.
Viele Menschen lehnen das
unbekannte Neue und verkennen so diese einmalige Chance und üben
sich lieber in der Abwehr des Unbekannten und aller Neuerungen.
Sie spüren vermutlich unbewusst, dass der Ausstieg aus der
Industriegesellschaft nur gelingen kann, wenn die
gesellschaftlichen Werte neu definiert werden.
Die Grundwerte-Diskussionen und ihre Ergebnisse dürfen nicht auf
den Speichermedien der Archive verschwinden: Das Software-Design
verändert sich laufend, und morgen werden die Speichermedien von
heute schon nicht mehr lesbar sein.
Aber einige wenige sagen
bereits schon heute JA zu dieser stillen Revolution und
üben sich in Toleranz für die Welt von morgen.
Sie kehren sich ab vom Überfluss, wenden sich z. B. wieder dem
Fahrradfahren zu und öffnen sich dem Wesentlichen:
Sie übernehmen selbstbewusst Verantwortung und erkennen, dass
gigantische Lernprozesse auf uns zukommen und dass man einmal
erworbenen Besitz, einmal erworbenes Wissen, nicht ein Leben lang
als einen Besitz für sich verbuchen kann.
Die alten genussvollen Konsumangebote der Industriegesellschaft
werden von neuen, einfachen, von Geistigkeit, Geistlichkeit und
körperlichen Anstrengungen geprägten Lebensformen abgelöst.
Sie spüren, dass ihr Ausstieg aus der Industriegesellschaft als Einstieg in die Zukunft nur gelingen kann, wenn wir gleichzeitig und ganzheitlich neue Werte, neue Wertvorstellungen kreieren und wenn wir den Mut haben, eine radikale Veränderung unserer Arbeits- und Lebenswelt mit allen unseren Energien anzugehen.
Im Bereich des instrumentalen Musikunterrichtes hat es in den letzten beiden Jahrzehnten bereits neue, hoffnungsvoll stimmende Ansätze in der instrumentalen Fachmethodik und Fachdidaktik gegeben. Den bestehenden innervierten instrumentalpädagogischen Schriften müssen keine neuen methodischen Wege hinzufügen werden.
Und
trotzdem erfordert der instrumentale Musikunterricht
eine neue Originalität und neue Innovationskräfte für das
Morgen
außerhalb der eigentlichen musik-immanenten Fachdisziplinen.
An den
Instrumentalunterricht und seine Mittler wie Vermittler richten
sich unausweichlich die gleichen harten Anforderungen des
Produktmanagements. Instrumentaler
Musikunterricht dient nicht länger dem schönsten Hobby der
Welt.
Personenzentrierter,
instrumentaler Musikunterricht ist kreative Dienstleistung am
ganzen Menschen und seiner Bildung.
Die kreative Gestaltung der Musik bleibt nicht länger der
Künstlerin, dem Künstler vorbehalten.
In der Gesellschaft der Zukunft befruchtet die Musik als ein Teilbereich der Kultur ebenso die Wirtschaft, die Wissenschaft, das soziale Leben und nicht zuletzt die Politik.
All
so kommt der Musikschullehrerin, dem Instrumentallehrer von
morgen
eine sehr hohe, gesellschaftsgestaltende Mit-Verantwortung zu.

Dieses neue, gewissermaßen "unmusikalische" oder außermusikalische Design des instrumentalen Musikunterrichtes wie des Instrumentallehrers gewinnt zunehmend an Bedeutung, dieses Design wird aller überkommenen Didaktik und Methodik zunehmend den ersten Rang ablaufen:
Die Kultur im Allgemeinen und die Musik im Besonderen dürfen nicht länger als elitärer geistig-emotionaler Rohstoff in Universitätsbibliotheken und Archiven brach liegen.
Die Kultur und die Musik müssen in diesen Jahren der gesellschaftlichen Veränderung und des Übergangs zur neuen Dienstleistung am Menschen und seinen sozialen Entwicklungs- bzw. Entfaltungsprozessen gewissermaßen recyclet werden.
Das künstlerische, das pädagogische und das außermusikalische Design der Musik müssen in dieser veränderten Welt unabdingbar zu einer Symbiose zusammenwachsen und gemeinsam wirken, um die Spielräume des Menschen für neue eigene Ideen, für Neugierde und Pioniergeist mitzuentwickeln.
Die Musikpädagogik und ganz besonders die Instrumentalpädagogik wurden in der Vergangenheit von den erziehungswissenschaftlichen Disziplinen höchst stiefmütterlich behandelt und ggf. "klinisch rein", ohne jede historische oder gesellschaftliche Einbindung gerade mal als Nebenfach geduldet oder abgehandelt; schließlich will man ja angeblich nur das Klavierspiel, das Violinspiel auf direktem Wege und ohne jeden Umweg erlernen.
Dabei scheinen viele zu vergessen, dass bereits Sigmund Freud die Bedeutung der Kunst und den Künstler für die Phantasie und für die Kreativität immer wieder herausgestellt hat, wobei man den alten Freudschen Begriff "Phantasie" vermutlich durch den neuen Begriff "Vision" ersetzen könnte.
Um zu überleben, werden wir uns
als post-industrielle Zeitgenossen in Wirtschaft, Politik und
Bildung zwangsläufig grundlegenden kulturellen und
arbeitspolitischen Veränderungen unterziehen müssen.
Wir müssen uns eingestehen, dass aus der Industrie- und
Konsumgesellschaft eine Informations-, Wissens- und
Erlebnisgesellschaft geworden ist.
Aus diesen Überlegungen heraus wird hier nun der Versuch unternommen, erprobte Ansicht und Absichten, Meinungen und Empfehlungen nicht aus den Quellen der Musikpädagogik oder der Erziehungswissenschaft sondern aus den Quellen des modernen internationalen Managements und Marketings heraus zu Anstößen an den Musik- und Instrumentalunterricht zu transfomieren, zu transponieren, zu adaptieren, zu arrangieren oder zu transkribieren.
Wir
alle müssen
schneller und komplexer denken und handeln,
klüger und geschickter,
personenzentriert arbeiten,
leidenschaftlicher und risikofreudiger Visionen über die Zukunft
erträumen,
diese Träume Wirklichkeit werden lassen wollen
sowie auf sehr unterschiedlichen, neuen Wegen miteinander in
Verbindung treten,
neue Formen menschlichen Miteinanders erdenken und erproben,
um die bedrückenden Spätfolgen des industriellen Zeitalters
möglichst gering zu halten
und möglichst schnell aufzuarbeiten
- auch in der instrumentalen, vokalen oder schulischen
Musikpädagogik,
im
Privatunterricht wie in den Musikschulen.

Und - wir müssen
kreativ werden, um die vorhandene, immer weniger Arbeit neu zu
verteilen,
damit nicht auf Dauer die einen die Arbeitbesitzenden und die
anderen die Arbeitslosen sind.
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Gleichzeitig
heißt es Abschied nehmen
von
Überkommendem, vom Zeitgeist unserer Vorfahren,
vom Zeitgeist und von der Ideologie der Industriegeschaft,
von den bisher eingeübten Zeitvorstellungen und Hierarchien.
Es
heißt Abschied nehmen
von liebgewordenen Gewohnheiten, von Freundeskreisen,
territorialen Lebensräumen und Lebensumständen.
Es
heißt Abschied nehmen von bisherigen Erfahrungen,
die neuem, immer komplexer werdenden Wissen weichen müssen.
Es
heißt Abschied nehmen von der Vorstellung,
dass sich eine Revolution nur lauthals,
gewaltig und gewaltorientiert vollziehen kann.
Ein jeder von uns, ganz besonders
ein jeder Pädagoge muss ein Leben lang immer schnelleres JA
sagen zum Lernen, Umlernen, Weiterlernen, zum Vergessen von alten
Erfahrungen,
um neuem Wissen Platz zu machen, zur permanenten
Revolution und Evolution sowie zum Wandel
der privaten und gesellschaftlichen Ordnungssysteme.
Die
Zukunft hat schon begonnen,
eine Zukunft der stillen, gewaltfreien Revolution,
eine Zukunft, die sich durch Erfahrungsverluste
immer unsicherer zu gestalten scheint.
Die
Ansprüche an die Arbeitsplätze steigen,
die Ansprüche an den Instrumentalunterricht steigen.
Nicht mehr der Arbeitszeit, nicht mehr der Unterrichtszeit
sondern dem personenzentrierten Arbeitsergebnis,
dem personenzentrierten Arbeitserlebnis,
dem lustbetonten Unterrichtserlebnis, und den mitmenschlichen
Qualitäten
kommt eine immer höhere Bedeutung zu.
Der
einzelne will sich im Unterricht wie am Arbeitsplatz
unverwechselbar verwirklichen können,
er will in seiner Individualität im Instrumentalunterricht und
durch ihn herausgefordert werden.
Leistungsbegriffe und Leistungsziele müssen in Schule und
Musikschule neu und immer wieder neu definiert werden.
Und
die Lehrkraft steht vor der Wahl: als Dienstleistende
personenzentriert an diesem Prozess teilzuhaben
oder dauerhaft außen vorzubleiben.
Dieser existentiell notwendige Wandel in der Gesellschaft stellt deshalb an die Managerin und an den Manager wie an die Medizinerin und an Mediziner, an die Theologin und den Theologen wie an die Futurologin und den Futurologen oder an die Atheistin und an den Atheisten oder an die Nihilistin und den Nihlisten, an die Pädagogin und den Pädagogen wie an die Handwerkerin und an Handwerker wie an die Gewerkschaftlerin und an den Gewerkschaftler - und natürlich ganz besonders an die Musikpädagogin und an den Musikpädagogen - ganz neue Anforderungen.
Die Zeit der Oberlehrerpädagogik oder der Leitung eines Unternehmens nach Gutsherrenart, die Zeit der Bußpredigt von der Kanzel oder des Besitzstandsdenkens ist längst vorbei.
Die Bäckerin, der Bäcker von morgen, die Instrumentallehrerin, der Instrumentallehrer von morgen, die Schulleiterin, der Schulleiter von morgen, die Sozialarbeiterin, der Sozialarbeiter von morgen, die Wissenschaftlerin, der Wissenschaftler von morgen, die Ärztin, der Arzt von morgen, die Politikerin, der Politiker von morgen, sie alle sind Produktmanagerinnen und Produktmanager oder Dienstleistungsmanagerinnen Dienstleistungsmanager von morgen und müssen einen Sinn und eine Vision für das Morgen, in das Morgen und für ihre Arbeit im Morgen entwickeln und sich mit ihr wesenhaft identifizieren.
Nicht
an ihre Methodik- und Didaktik-Kenntnisse,
aber an die Effizienz ihrer Kreativität,
an die Aktivität und Produktivität,
an die Effizienz ihrer Kommunikations- und
Motivationsfähigkeiten
werden allerhöchste Ansprüche gestellt
- und ohne (die) Kultur
werden diese zukunftsweisenden Aufgaben nicht gelingen.

Der
dienstleistende Instrumentallehrkraft von Morgen wird deshalb
keine Gelegenheit auslassen dürfen,
quasi jegliches Gramm an Talent und Kreativität in ihrem
Schüler und mit ihrem Schüler zu erspüren,
zu entdecken, zu wecken und weiterzuentwickeln, gleichsam wie die
Winzerin oder der Winzer den kostbaren Wein
geduldig und jede Veränderung wahrnehmend auszubauen. -
Gorbatschows um die Welt gegangenen
und seitdem häufig strapazierte Worte von 1989: "Wer zu
spät kommt, den bestraft das Leben"
beschreibt diesen zwingenden Wandlungsprozess auch heute
zutreffend, leidenschaftslos und überzeugend.
Kreativität
ist nicht mehr länger
nur den Künstlerinnen und Künstlern,
den Musikerinnen und Musikern vorbehalten.
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wird diese Präsenz weiterhin bestehen bleiben.
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