Sei stets für jeden Wandel offen, heiße ihn willkommen, mache ihm den Hof.
Du kannst nur weiterkommen, wenn Du Deine Meinungen, Ideen, Standpunkte überprüfst
- wieder und wieder.

(Dale Carnegie)

Die Klavier-Lehrkraft - eine Dienstleistende?

(Gedanken und Anregungen rund um den Klavierunterricht)

 

Ein auch heute immer noch unmöglicher, wirklichkeitsferner Gedanke?
Oder doch eine selbstverständliche Wirklichkeit?
Oder sollte man das Wort '
Dienstleistung'
doch besser als '
Dienst-Leistung' schreiben?
Die Musiklehrkraft, die Musikschullehrkraft als eine '
Dienstleistende'
oder doch eher als eine '
Dienst-Leistende'?

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Das einundzwanzigste Jahrhundert ...

... hat in unseren Kalendern längst begonnen. Doch hat es auch in den Herzen und Seelen der Menschen, in den Herzen der Pädagoginnen und Pädagogen begonnen? Schauen wir zum Fenster hinaus:
Unsere Welt erfährt seit Jahrzehnten enorme Veränderungen und Reformen; längst hat ein Prozess der großen Umwälzungen begonnen, der uns auch im Hinblick auf das ständig ansteigende, durchschnittliche Lebensalter in allen Bereichen menschlichen Lebens zugleich neue Möglichkeiten der Gestaltung eröffnet. Bedenken wir: In den letzten hundert Jahren hat das durchschnittliche Lebensalter um 35 Jahre zugenommen.

Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg ist längst ausgeschöpft. Wer spricht heute noch darüber?

Die Menschen entwickel(t)en sich immer mehr von den damaligen Dorfbewohnern über "Menschen aus der Provinz" und Großstädter hin zu Weltbürgern.
Die Qualität von Produkten und Dienstleistungen gewinnt für den einzelnen immer mehr an Bedeutung; ganze Industriezweige sind neu entstanden, andere sind wegen mangelnder oder mangelhafter Innovation oder auch durch Managementfehler längst vom Erdboden verschwunden. Es entstanden neue Berufe, und manche alten Berufe kennen wir nur noch aus den Romanen und Museen.

Globalisierung, Effektivität, Effizienz, Kreativität, Aktivität und Mobilität sind zu den neuen Grundwörtern unserer Sprachlichkeit und Kommunikation geworden.

Heute muss jede und jeder Berufstätige immer öfter mit einem (mehrfachen?) Berufs-, Einkommens- und nationalen oder internationalen Wohnortwechsel im Laufe ihres und seines Arbeitslebens rechnen. Ebenso muss jede und jeder Berufstätige damit rechnen, dass ihr/ihm zur Erfüllung ihrer/seiner Aufgaben oder ihrer/seiner persönlichen beruflichen Ziele nicht mehr nur eine einzige Ausbildung genügen kann sondern, dass sie und er im Lauf seines beruflichen Lebens mehrere Berufsausbildungen durchlaufen müssen, wenn sie und er die Arbeitslosigkeit halbwegs umgehen wollen. Diese Entwicklung macht auch vor der Pädagogik, vor Universitäten, Schulen und Musikschulen nicht halt.

Ist eine Musikpädagogin, ein Musikpädagoge ohne Internet, ohne eigene Webpräsenz und ohne Handy heute wirklich noch denkbar?
Ist das Internet nicht auch für Musikpädagogik mittlerweile zu einer unverzichtbaren Informationsquelle geworden?

Eine Unterrichtsverlegung oder eine Unterrichtsabsage per SMS oder Email, ist das etwa heute noch undenkbar?

Gleichzeitig hat unsere Mobilität insgesamt in den letzten Jahrzehnten atemberaubend zugenommen;
sie wird immer mehr zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Lebensbiographie:
Heute kann sich fast jeder, fast unabhängig von Alter und Gesundheitszustand, mit hohen und höchsten Geschwindigkeiten fortbewegen, um per Auto, Motorrad oder Flugzeug in kurzer Zeit an fast jeden anderen geographischen (oder gar per Rakete an einen anderen planetarischen) Ort zu gelangen.
So können Professoren am Wochenende in Paris wohnen und wirken, unter der Woche in Frankfurt oder München lehren und in der Schweiz konzertieren;
so können Politiker aus Berlin am Morgen noch in Berlin einen Termin wahrnehmen, mittags in Paris oder London konferieren und am Abend eine wichtige Rede in Stockholm halten;
so können die Philharmonischen Orchester in Berlin und Wien, in Dresden und Toulouse, den gleichen Chefdirigenten haben.

'Der Mensch ist das einzige Lebewesen,
das noch in 10.000 m Höhe fliegend
eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann.'

(Loriot)

Europäische Musikverleger lassen längst die Notensätze für ihre neuen Produkte in Korea oder Indien oder in osteuropäischen Ländern oder in China herstellen, um sie anschließend dann auch in den diesen Ländern drucken zu lassen, bevor die neuen Editionen dann in Deutschland verkauft werden. Auch das hat Teilfolgen für die Arbeitslosigkeit in unserem Lande.

Diese Mobilität hat aber auch andere globale Folgen:
Auch Massenvernichtungswaffen und Informationen sind höchst mobil geworden. Sie erreichen heute in kürzester Zeit jede Stadt, jedes Dorf, jede auch noch so kleine Insel dieser Erde.
Begrenzten sich Menschen feindliche oder Menschen verachtende Verhaltensweisen in den vergangenen Jahrhunderten auf regional eindeutig abgrenzte Aktionsfelder, so wirkt dieses Konfliktpotential heute weltweit als globales Phänomen:
Heute wird z. B. auf dem gesamten europäischen Territorium das türkische Kurdenproblem, das Nordirlandproblem, das Palestinänserproblem, die Probleme mittel- und südamerikanischer sowie asiatischer Staaten und Revolutionäre, das russische Mafia-Problem, das Irak-Iran-Problem oder Probleme des Islams global thematisiert und in die jeweilige Landespolitik eingebracht.

Ungefragt, denn keinem europäischen Bürger wurde je eine realistische Chance eingeräumt, mitzubestimmen, ob und in welches globale Problem sie/er sich als emanzipierter Konfliktpartner involvieren lassen will.

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Zeugen einer postindustriellen Morgendämmerung

Seit wenigen Jahren werden wir aber auch zunehmend Zeugen
- einer postindustriellen Morgendämmerung in der Transplantations- bzw. Implantationsmedizin
....(der sterbende Mensch - demnächst ein biochemisches Ersatzteillager?),
- des Anbruchs einer Epoche der Datenautobahnen und der zunehmenden Globalisierung,
- des Eindringens der Computer in nahezu alle Lebensbereiche des Menschen,
- des fast unbegrenzten Informationsaustausches, des Informationsflusses und der fast perfekten Datenüberwachung,
- der Geburt der Gen- und Biotechnologie
- und nicht zuletzt der revolutionären Veränderungen der menschlichen, sozietären Beziehungen
... in Ehe, (Groß-) Familie und Gesellschaft.

Träume & Motivationen

Nicht zuletzt waren es
- der Ersatz von menschlicher und/oder tierischer Körperkraft durch scheinbar grenzenlose
.. Maschinenkraft oder gar Atomenergie,
- der Schein-Ersatz des menschlichen Gehirns und Verstandes durch Computer und Großrechner,
- die immer intensiver werdende Perfektionierung des Zahn-, Gliedmaßen- und Teilgliedmaßen-Ersatzes,
.. der die Menschen seit Beginn des Industriezeitalters beflügelt hat, generationsübergreifend den Versuch zu unternehmen,
- die große Verheißung unbegrenzten Fortschritts und die Hoffnung auf materiellen Überfluss und grenzenlose Freiheit,
- die Hoffnung auf die Quasi-Allmacht des Menschen, bereichert z. B. um das Wissen aus der Neurobiologie,
-
den Traum vom persönlichen Glück allein durch technischen und naturwissenschaftlichen Fortschritt,
- die Hoffnung auf unbegrenzte Produktionsmöglichkeiten unabhängig vom Ort der Vermarktung,
.. auf weltweite Absatzmärkte und nie enden wollende Konsumbefriedigung sowie letztlich die Hoffnung
.. auf absolute Unterwerfung der Natur,
die unser Leben zur neuen (Schein-)Wirklichkeit werden zu lassen.


 

Alt und Jung, Männer und Frauen, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, waren durch das Industriezeitalter auf ein völlig neues Freiheitsgefühl und uneingeschränktes Glück orientiert. Fortschritt und Wachstum wurden dann mangels anderer Alternativen aus Religion & Gesellschaft schnell zur allein selig machenden Fortschrittsreligion und neuen "Heilslehre", Wachstum zum vielversprechenden Wachstumsglauben.
Doch die Fragestellung und Sehnsucht um das menschliche Glück sowie um den Sinn menschlichen Lebens haben sich über die Jahrhunderte bis zum heutigen Tage anscheinend nicht verändert.




Zeugnisse der Antike

Bereits den Schriften der griechischen Antike können wir lange vor dem Entstehen der jüdischen und christlichen Heilslehre entnehmen, wie sehr die Menschen aller Jahrhunderte ihr Denken und Tun, ihr ganzes Handeln und ihre Lebensgestaltung auf die Suche nach Glück und nach dem die Menschen versöhnenden Frieden ausrichteten und bis zum heutigen Tage ausrichten.
Während wir Menschen das Glück um seiner selbst und um des Friedens Willen suchen, dienen uns all unsere anderen Lebensziele wie Gesundheit, Schönheit, wirtschaftlicher Erfolg oder Kraft allein dem Unterwegs zum großen Glück nur als Zwischenziele.

Der höchst grundlegende Unterschied zwischen der "alten Heilslehre der Antike" sowie des Juden- und Christentums einerseits und der "neuen Heilslehre der Post-Industriegesellschaft" andererseits scheint zu sein:
Die alte Heilslehre der Antike definierte Glück als materiellen Verzicht und Selbstbeherrschung, sie mahnte deshalb auf dem Weg zum Glück z. B. unabdingbar Askese, Schuldbekenntnis und Vergebung an.
Die neue Heilslehre dagegen setzte nunmehr ganz oppositionell auf das Gegenteil der "alten Heilslehre",
auf uneingeschränkte, grenzenlose Freiheit und Besitz ohne alle Schuldgefühle, ohne jede Askese oder Verzicht.


Dem Denken Erich Fromms entsprechend kann man sagen: Die "alte Heilslehre" lehrte den Weg zum Glück durch das Sein, die "neue Heilslehre" den durch das möglichst uneingschränkte Haben. - Und nun steht ein jeder von uns in der unabdingbaren, absolut eigenverantwortlichen Einzelentscheidung für sich selbst im HABEN oder im SEIN (Erich Fromm) zu suchen. Doch niemand kann sich vor dieser unabdingbaren Entscheidung drücken; vielleicht kann er sie allenfalls ein wenig hinauszögern.

Aber diese schon hundert Jahre alten Verheißungen
der Industriegesellschaft sind bis heute nicht eingetreten.

Wir müssen uns jetzt schweren Herzens der Erkenntnis stellen:
Die Träume der Industriegesellschaft nach einem Glück durch ungehinderte Lusterfüllung, durch materiellen Überfluss und durch größtmögliche Sozialstaatlichkeit haben sich nicht erfüllt. Mehr und mehr Menschen spüren, dass sich diese Träume auch in der Zukunft auf den Wegen der Industriegesellschaft nicht erfüllen lassen werden:
# Eine totale, erlebnisorientierte Befriedigung der materiellen und immateriellen Bedürfnisse führt nicht zwangsläufig zum ersehnten, totalen Glück.
# Statt Herr der Technik, der Natur und Wissenschaft zu werden,
wurde der Mensch der Post-Industriegesellschaft immer mehr zum Mitwirkenden eines nur verwaltenden und verwalteten Räderwerk der Bürokratie, des Marketings und des Apparatismus, das mittels Marketing und staatlicher Überregulierung bereits immer mehr in die individuellen Lebensabläufe eingreift und z. B. auch unseren Geschmack und unser Modedesign wesenhaft fremd- und mitbestimmt.

# Die Kluft zwischen arm und reich wurde und wird in unserem Lande wie weltweit immer größer;
man spricht auch in unserem Land nicht mehr nur von der Armut in den Drittstaaten sondern bereits von der Neuen Armut unter uns, nicht mehr nur von den Reichen sondern auch von den Neureichen
.
# Man problematisiert schnell und intensiv unbedeutende und unbedeutendste Ereignisse,
um sich selbst über die eigentlichen Probleme in Staat und Gesellschaft sowie in sich selbst hinwegzutäuschen.

# Die christlichen Kirchen mahnen fast hilf- und erfolglos anmutend im wahrsten Sinne des Wortes "unerhört" bzw. ungehört immer wieder die (Be-)Wahrung der Schöpfung an.
# Ökologische Gefahren und Schäden durch chemische Überlastung der Umwelt werden im Verbund mit den unbewältigten Sicherheitsrisiken der Kernkraftwerke und den atomaren Folgen eines nuklearen Krieges zu emanzipierten Spätfolgen des industriellen Fortschritts.



Glücklichsein kann man nicht haben oder besitzen; das macht allein schon die Sprachgestalt dieses Wortes deutlich.

Glücklichsein kann weder erkauft oder gekauft werden noch mit Gewalt, Raffinesse oder durch gesellschaftliche Steuerungsmodelle herbeigeredet, herbeigebetet oder herbeigezwungen werden.

Glücklichsein kann man nicht erreichen, indem man es bewusst sucht.
Es hängt auch nicht von äußerlichen Ereignissen ab - aber vielleicht doch von der Art und Weise,
wie wir leben, wie wir diesen äußerlichen Ereignissen alltäglich begegnen, mit ihnen operativ umgehen.


Glücklichsein ist eine Lebensart, die man in sich und nur in sich nicht nur (auf-)bereiten und kultivieren kann sondern in sich (auf-)bereiten und kultivieren muss,
eine Lebensart, auf die man ganzheitlich hinarbeiten, auf die man sich ebenso ganzheitlich vorbereiten muss und die ein jeder in seinem tiefsten Inneren installieren, pflegen und verteidigen kann.

Glücklichsein "kostet" uns (in des Wortes mehrfacher und vielseitiger Bedeutung) unsere Energie, unsere Konzentration, unsere Spiritualität, unsere materiellen (Sehn-)Süchte, ja unsere ganze Angst und Unsicherheit.

Albert Schweitzer, der nicht nur Arzt und Entwicklungshelfer sondern auch Theologe und hochbegabter Musiker war, schien schon vor 50 Jahren eine Vorahnung auf die Ereignisse des beginnenden 21. Jahrhundert hin gehabt zu haben, als er schon 1954, also vor fast einem halben Jahrhundert, bei Entgegennahme des Friedensnobelpreises in Oslo sagte:
"Wagen wir die Dinge zu sehen wie sie sind. Es hat sich ereignet, dass der Mensch ein Übermensch geworden ist.
Doch er bringt nicht die übermenschliche Vernünftigkeit auf, die dem Besitz übermenschlicher Macht entsprechen sollte.
Damit wird nun vollends offenbar, dass der Übermensch mit dem Zunehmen seiner Macht zugleich immer mehr zum armseligen Menschen wird. Was uns aber eigentlich zu Bewusstsein kommen sollte, ist dies, dass wir als Übermenschen zu Unmenschen geworden sind."


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Die Frage und die Sehnsucht nach menschlichem Glück
sowie die Frage nach dem Sinn menschlichen Lebens ist den Menschen nicht nur geblieben.
Nein, diese Fragestellung ist für sehr viele Menschen bis zum heutigen Tag auch immer noch unbeantwortet geblieben.

Nicht wenige sondern zunehmend mehr Menschen stellen nach dem Scheitern des Industriezeitalter immer häufiger und immer intensiver die Frage nach dem Sinn des Lebens und empfinden heute am Ende ihres Lebens,
- dass ihr zurückliegendes Leben trotz allen Veränderungen und allen Luxus letztlich nutzlos oder gar vergeblich war,
- dass ihr Leben keineswegs mit Glück sondern stattdessen mit Sorgen,
.. mit Angst und Langeweile angereichert war.

In den Jahren der Hochblühte der westlichen Industriegesellschaft blieb es ihren meisten 'Teilnehmerinnen' und 'Teilnehmern' verborgen, dass sie durch die ihnen aufgezwungene Rolle eigentlich bereits zu Opfern bzw. zu zwingenden Ergebnissen dieser Industriegesellschaft geworden waren: Sie waren durch die Ausgestaltung der Industriegesellschaft und durch in ihr wirkenden Kräfte der vielfältigen, überwiegend ego-zentrierten Interessen-Verbänden stattdessen als Bürger auf die Rolle eines Konsumenten reduziert worden.

Die Erfolgsmethodik der Interessen-Verbände ist ganz offensichtlich und leicht durchschaubar:
Nach Vorbild und Art der Kobolde in der
Geschichte der Swabedoodaahs versuchen Interessen-Verbände die Bürgerinnen und Bürger aus der Rolle der 'kleinen Leute von Swabedoo' durch Verunsicherung herauszulocken, um misstrauisch zu werden.
Und den so misstrauisch gewordenen Bürgerinnen und Bürger bieten dann die Vertreterinnen und Vertreter bzw. die Funktionärinnen und Funktionäre dieser Interessen-Verbände ihre Problem-Lösungen an. - Nur die wenigsten Bürgerinnen und Bürger schaffen es in diesem Kräfte-Parallelogramm noch originäre Swabedoodaahs zu bleiben oder - nach viel Enttäuschungen - Swabedoodaahs wieder zu werden.

 

Viele Bürger sind bereits im Aufbruch.

Mit dem Jahrzehnte langen Ausbleiben der versprochenen Früchte aus der Industriegesellschaft wenden sich die Bürgerinnen und Bürger nun immer mehr von den überkommenen Heilslehren enttäuscht ab:

Sie entdecken ihr eigenes Selbstbewusstsein als Bürger und ihr Selbstwertgefühl neu
und begeben sich wieder und weiterhin auf die Suche nach ihrem Lebensglück.

Sie stellen hohe und höchste Qualitätsanforderungen an das Angebotene
und werden zunehmend kritischer gegenüber den Versprechungen gewisser Institutionen und des Marketings.

Und aus der ehemaligen Industriegesellschaft
stieg in den vergangenen 35 Jahren
langsam und stetig - von vielen fast unbemerkt
eine heutige postindustrielle Informations- und Erlebnisgesellschaft
empor - gleichsam wie Phönix aus der Asche.

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Die Folgen dieser Wandlungen bleiben auch vor den Toren der Musikschulen und des Instrumentalunterrichtes nicht stehen:
Die Zeiten sind vorbei, in denen die Konsumentinnen und Konsumenten, die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer für die Hersteller, Händler, Politiker oder auch für die Musikschulleitungen und Musikschullehrkräfte, für die vielen selbstständigen, im Wettbewerb mit den Musikschulen stehende Lehrkräfte bequeme Zeitgenossen waren.

Gertrud Höhler beschreibt in ihren Schriften und Büchern ganz spannend, wie die 'Kunden' des 21. Jahrhunderts gewissermaßen zu 'Partisanen der Märkte und Dienstleistungsanbieter' werden, indem sie wechselweise die Rollen der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren, der Abenteurerinnen und Abenteurer, der Entdeckerinnen und Entdecker sowie der Identitätssucherinnen und Identitätssucher annehmen und die Dienstleistungsgeberinnen und Dienstleistungsanbieter zur höllischen Wachsamkeit herausfordern.

Und sind nicht auch die Musikschülerinnen und Musikschüler hier und da bereits zu 'schüchternen Partisanen' in den Musikschulen und im Musikunterricht geworden?
Und wie ist das mit jenen, die sich in den Musikschulen klammheimlich und in aller Stille abmelden oder schon abgemeldet haben, um sich die für sie optimale Lehrkraft außerhalb der Musikschulen zu suchen.

- Die Kundin, der Kunde wurden für seine Anbieter zur Lehrmeisterin, zum Lehrmeister der Kommunikation,
- und die Musikschullehrerin, der Musikschullehrer für die Musikschulleiterin, den Musikschulleiter,
- die Schülerin, der Schüler für die Instrumentallehrerin, den Instrumentallehrer.

- In Verkaufsverhandlungen übertrifft die Kundin, der Kunde sehr oft die Anbieterinnen und Anbieter an Kreativität,
und in der Unterrichtskommunikation nicht weniger oft die Musikschullehrerin, der Musikschullehrer die Musikschulleiterin, den Musikschulleiter,
die Schülerin, der Schüler die Instrumentallehrerin, die Instrumentallehrer.

- auch Schülerinnen und Schüler sind als Entdeckerinnen und Entdecker, sind als Abenteurerinnen und Abenteurer unterwegs, und sie treffen nun und im wahrsten Sinne des Wortes "arrogant" souverän ihre Wahl.




Und deshalb bedürfen die Musikschulen der zeitnahen Managementverfahren,
um mit den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen umgehen zu können.

Und das Management tut nichts anderes als dass es beobachtet, wahrnimmt, analysiert
und dann versucht aus diesen Erfahrungen die Quintessenz herauszufinden.

 

__________________________________________

 

Gib dem Hungrigen einen Fisch,
und Du machst ihn für einen Tag satt.
Lehre ihn zu angeln,
und Du machst ihn für ein ganzes Leben satt.

Dieser in amerikanischen Management-Seminaren gern verwendete Ausspruch, der an Lortzings Singspiel "Zar und Zimmermann" erinnert, lässt ein wenig erahnen, welches die Absicht und Instrumente des Managements sind:

Das Management will und kann keine Probleme durch starre Rezepte lösen;
das Management will gewissermaßen nur Wege als Werkzeuge aufzeigen, die man versuchsweise einsetzen könnte, um Probleme zu lösen.
Diese Wege basieren nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen und Beweise sondern auf den Erfahrungen einzelner Manager, Managertrainer oder Unternehmensberater, die durch die konsequente und mehrfache Anwendung dieser Erfahrungen zu respektablen Erfolgen kamen.

Wissenschaftlichkeit, wissenschaftsnahe Begründungen, warum dieses oder jenes so oder so ist, oder empirische Untersuchungen mit wissenschaftlicher Begleitung sind dem Management fremd und fern: Es geht allein um Ergebnisse: It works, or it does not work.

 

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Im Management nichts Neues

Aber Sie werden enttäuscht sein und im Management nichts Neues erfahren, was Sie nicht bereits schon seit geraumer Zeit kennen.
Und viele seiner Grundsätze könnten sogar so alt wie die Bibel sein.

 

Doch des Menschen Problem ist und bleibt:

Viele Dinge weiß er seit vielen Jahrhunderten,
von der Richtigkeit vieler Dinge ist er seit vielen Jahrhunderten überzeugt,
und dennoch hält sich der Mensch nach vielen Jahrhunderten
immer noch nicht konsequent an seine eigenen Erkenntnisse.

 

Ein Beispiel:
John Covey, Bruder des berühmten Management- und Leadership-Trainers Stephen Covey, sagt,
dass Effektivität auf folgenden acht Wegen erreicht wird:

1. Zweifle niemals an Dir selbst.
2. Agiere und warte nicht mit Deinem Handeln, bis Dich die anderen nur noch re-agieren lassen.
3. Mache nicht die anderen zu den Ursachen und Verursachern Deiner eigenen Fehler und Niederlagen.
4. Erledige wichtige Dinge nicht sofort, denn 'gut Ding braucht Weile'.
5. Arbeite und handle stets nur mit klaren Zielen vor Augen, damit Dein Handeln nicht
... zu einem reinen Aktionismus wird.
6. Denke nicht in den Kategorien Gewinnen/Verlieren/Rechthaben, wenn Du mit anderen verhandelst.
7. Strebe nicht danach, von den anderen verstanden zu werden,
.. sondern strebe stets zuerst danach, dass Dich die anderen verstehen.
8. Sei offen für jede neue Idee und setze Verbesserungen möglichst umgehend in die Tat um.

 

Kommen uns nicht die meisten dieser Worte Coveys längst bekannt vor?
Sind diese Wege zur Effektivität für Sie, für mich, für uns stimmig?

Und wenn JA: Wandeln wir stets auf genau diesen Wegen?
Handeln wir immer ziel- oder ergebnisorientiert?

Passiert es uns nicht allen häufig, dass wir mit unserem Handeln zunächst warten,
um abzuwarten, und geben uns die anderen dann nur noch die Chance zum re-agieren?




Und worin bestehen z. B. die wesentlichen Unterschiede
zwischen agieren und re-agieren, zwischen aktiv und re-aktiv,
zwischen Verbesserungen realisieren und Verbesserungen aufschieben?

Der Unterschied besteht darin,
dass der agierende, handelnde, der aktive, der Verbesserungen realisierende und Veränderungen herbeiführende, der pro-aktive Mensch
sich verantwortet weiß und Verantwortung übernimmt,
während der re-aktive, der nur re-agierende, der Verbesserungen aufschiebende und Veränderungen vermeidende Mensch jeder eigenen Verantwortung aus dem Wege geht.

Und dies könnte schon gleich der erste vom Management den Musikschulen empfohlene Weg sein:

Verantwortung übernehmen, Verantwortung suchen,
der Verantwortung entgegengehen statt ihr aus dem Wege zu gehen,

denn letztlich sind es immer wir, die in hohem Maße in der Verantwortung oder in der Mitverantwortung stehen.

Doch es genügt im Management nicht, und es wäre auch zu einfach,
wenn wir uns in unseren Überlegungen auf das Schlagwort "Verantwortung übernehmen" reduzieren.


Das Management stellt zunehmend auch die Frage(n)
- nach dem Unterbau dieser Wege der Verantwortungsziele,
-
nach der "Landschaft" und ihrer Topographie,
die diese Wege durchschreiten.

 

Management und Marketing stellen zunehmend den Menschen
mit seinen tiefen Sehnsüchten, breitgefächerten Fähigkeiten
aber auch mit seinen Schwächen
gewissermaßen "personenzentriert"
in den
Mittelpunkt der Grundsätze und Überlegungen.

 

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Gib den Hungrigen einen Fisch,
und Du machst ihn satt,
lehre ihn zu angeln,
und er wird für den Rest des Lebens satt sein.

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Und der zweite vom Management empfohlene Weg:

Eine Musikschule, jede Musikschule und jeder Pädagoge bedürfen eine Vision, gewissermaßen eine Verfassung, ein Grundgesetz, ihr Grundgesetz, das aus dem grundlegenden Konsens zwischen Musikschulträger/Zuwendungsgeber, Musikschulleitung, Lehrerkollegium, Schülerinnen, Schüler und Eltern bestehen muss.

Diese gemeinsame Musikschulvision, diese gemeinsame Musikschulverfassung darf sich nicht in zeitnahen Zielen erschöpfen,
denn das mannigfaltige, überwiegend brach liegende Potential einer Musikschule wird erst dann freigesetzt,
wenn der Schwerpunkt dieser Verfassung, dieser Vision nicht auf dem Tun, nicht auf dem Haben liegt sondern auf dem Sein.

Eine Verfassung sollte nicht per Zufall passieren; sie sollte unter Beteiligung aller bewusst erarbeitet,
schriftlich niedergelegt und vielleicht sogar feierlich verabschiedet werden.

Denn dies sagt das Management:
Eine Musikschule wird dauerhaft nicht durch die Direktion - kollegial oder despotisch - geleitet sondern durch einen möglichst breiten Konsens geführt, und der Musikschulleiter hat die Aufgabe, diesen Konsens ständig herzustellen und täglich zu erneuern.

Erfolge im Unterricht entstehen nicht durch Dissens sondern allein durch Konsens zwischen Schüler und Lehrer,
und die Musikschullehrerin, der Musikschullehrer hat die Aufgabe, diesen Konsens ständig herzustellen und zu erneuern.

Dieser breite, allumfassende Konsens hat zugleich einen intensiven Rationalisierungseffekt:
Die Arbeit der Musikschule ist nicht länger Selbstzweck; sie wird nun zielgerichtet,
und man verschwendet nicht länger Zeit, Kraft und Mühen für unwichtige Dinge und Nebensächlichkeiten.

Ein Management aber, das sich im Netz der Eitelkeiten, der Tagesarbeit und in den akuten Problemen verfängt,
verkommt zum Angst- und Krisenmanagement.
Verbitterung und Resignation machen sich breit, denn plötzlich scheint die Musikschule nur noch aus einem einzigen riesigen Problem zu bestehen.

Langfristige Erfolge, langfristig positive Ergebnisse werden erst möglich, wenn sich alle mit dieser Verfassung und damit mit dieser Musikschule identifieren und ihr Handeln darauf abstimmen.
Gemeinsame Ziele, Worte und Visionen durchdringen eine Musikschule und lassen deshalb wirkliche Krisen leichter meistern.

Will man den Instrumentalunterricht dauerhaft erfolgreich reformieren, dann müssen an die Stelle von ad-hoc-Lösungen und Belohnungsstrategien breiter Konsens und gegenseitiges Wohlwollen treten.

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Ein ganz anderer Aspekt der Betrachtungsmöglichkeit:

Während man in Nordamerika und in den anderen westlichen Industrie-Staaten die Nachkriegsfrüchte des zweiten Weltkrieges eifrig genoss und ein zeitliches Ende dieses "Genusses" für die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer und für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon fast unvorstellbar war, dachte man in Japan und in den anderen ostasiatischen Ländern bereits intensiv über die Zukunft nach und entwickelte für die eigene Volkswirtschaften neue, wirklichkeitsnahe Visionen.

Die verantwortlichen Regierungsbeauftragten Japans schwärmten in alle Welt aus,
um die weltweit besten Berater für ihre japanische Nation zu verpflichten.

Unter ihnen waren zwei Männer, welche für die Zukunft Japans von aller größter Bedeutung werden sollte:
Einer der beiden Männer war der US-Ingenieur rumänischer Abstammung,
Joseph Moses Juran, der sich mit 80/20-Prinzip des italienischen Wirtschaftswissenschaftler Vilfredo Pareto auseinandersetzte und Paretos These weiterentwickelte.
Bereits einhundert Jahren zuvor hatte Pareto die 80/20-These aufgestellt, dass sich in 20% der Zeit 80 % aller wichtigen Handlungen vollziehen. Juran war von diesem Gedanken Paretos so fasziniert, dass er dieses 80/20-Prinzip weiter untersuchte und z. B. feststellte:

- 80 % aller Umsätze einer Firma werden von 20 % ihrer Kunden,
-
80 % aller kriminellen Handlungen von 20 % aller Kriminellen getätigt.
- 80 % aller Verkehrsunfälle werden von 20 aller motorisierten Verkehrsteilnehmer verursacht.
- Menschen in den westlichen Industriestaaten tragen in 80 % ihrer Wachzeit nur 20 % ihrer Kleidung.
(Nicht auszudenken, welche Bedeutung schon diese Feststellungen auf den Instrumenalunterricht an Musikschulen haben könnte.)

Mit diesen Erkenntnissen Paretos entwickelte Joseph Moses Juran zu Beginn der 50er Jahre
ein bahnbrechendes, zukunftsweisendes
Controlling System für die amerikanische Wirtschaft,
doch die US-Industriellen waren in den 50er und 60er Jahren zu sehr mit ihren Nachkriegserfolgen beschäftigt
und interessierten sich nicht für Jurans Theorien.
Japan dagegen nahm Jurans Dienste gern an: Joseph Moses Juran lehrte fortan sein 80/20-Prinzip an Japans Universitäten und bildete Japans Manager in diesem Prinzip fort.

Der andere war Dr. W. Edward Deming, ein bis dahin unbekannter amerikanischer Statistiker,
der während des Zweiten Weltkrieges als Logistikberater der US-Regierung und der US-Generalität
mit der Organisation des Europa-Nachschubs für die US Army und für die anderen Alliierten Streitkräfte beschäftigt war.
Demings Botschaft an Japan und an die Japaner lautete:

Versucht nie, das bestehende, euro-amerikanische System zu kopieren,
sondern sucht nach euren eigenen Wegen
und bezieht eure Beschäftigten in alle anstehenden Entscheidungen mit ein.

Transfer für den Instrumentalunterricht:
versucht niemals, bestehende Unterrichtsmethoden und Unterrichtsdidaktiken zu kopieren,
sondern sucht nach euren eigenen Wegen
und bezieht eure Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern und Erziehungsberechtigten
in alle anstehenden Entscheidungen mit ein.

 

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Auf dieser Grundlage entwickelte Deming zusammen mit Juran und den anderen internationalen Beratern
den neuen, japanischen Firmentypus, der
- die Firmenbelegschaft durch (Mit-)Beteiligung und (Mit-)Verantwortung
an wichtigen unternehmerischen Entscheidungsprozessen in das Unternehmen einbindet,
- hohe Qualitätsanforderungen an das Gesamtdesign, an die Fertigung stellt
- und einen optimalen Kundenservice anbietet.

Transfer auf den Instrumentalunterricht:
Die Musikschulleitungen beziehen alle Lehrkräfte in alle wichtigen Entscheidungen und Entscheidungsprozesse ein, und die Lehrkräfte beziehen alle Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern und Erziehungsbrechtigte in alle wichtigen Entscheidungen sowie in alle Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse mitgestaltend ein.
Musikschulleitungen und Lehrkräfte stellen sich gemeinsam den hohen Qualitätsanforderungen an den Unterricht,
sie bieten ihren Schülerinnen und Schülern gemeinsam einen optimalen Unterrichtsservice und missbrauchen ihr Wissen nicht zur eigenen Vorteilsnahme.

 

Oberstes Management-Ziel war es schon damals und ist es in Japan auch heute,
nämlich dass sich alle Beschäftigten einer Firma unbedingt mit den Firmen-Zielen identifizieren
und so eine möglichst intensive Sozietät mit allen Beschäftigten der Firma bilden.
Transfer: Identifizieren sich alle Lehrkräfte mit den Unterrichtszielen sowie mit den Schülerinnen und Schülern, und bilden sie mit ihnen eine jederzeit belastbare Sozietät.

Aber erst zwei Jahrzehnte später wird dieses Ziel auch für das Management westlicher Unternehmen als "Corporate Identity" formuliert und gefordert: Japans Management bekam Jahrzehnte später endlich Konkurrenz.

Wären das alles nicht auch lohnende Ziele für die Musikschulen?
Doch in vielen Lexika des vergangenen zwanzigsten Jahrhunderts wird man noch vergeblich nach diesem Begriff suchen.

 

 

Anders also in Japan: Gemeinsam wurden dort neue Firmenstrukturen wie "Joint Ventures" oder "Franchise", neue Kommunikationsfelder, neue Leitsysteme und neue Firmenlogistiken und Firmenstrategien entwickelt, eine neue weltweite "Just-in-time"-Steuerung der japanischen Frachtschifffahrt für die europäischen und amerikanischen Märkte kreiert, erprobt und laufend optimiert, um die Kosten möglichst gering zu halten und um möglichst wenig Kapital zu binden.

Transfer: Könnten nicht auch Musikschulen mit anderen Musikschulen, Lehrkräfte mit anderen Lehrkräften "Joint Ventures" begründen? Könnten nicht Musikschulen für private Instrumentallehrkräfte oder für große Musikschulen für kleine private Musikschulen zu Franchise-Gebern werden?

Diese so definierten und gesetzten Ziele konnten in Japan nicht über Nacht erreicht werden,
aber nach und nach konnte die japanische Wirtschaft - von den Amerikaner und Europäern noch fast unbemerkt - ihren Zielen näher kommen und weltweit wieder Fuß fassen:

Japan hatte seine nationale Vision gefunden, die in Erfüllung zu gehen schien; während man sich in Deutschland noch fast seiner Nationalität schämen musste.
Und schon bald wurde Japan zum weltweiten Marktführer für neue Technologien, Warenqualität und hochrangigen Dienstleistungen. Corporate Identity, Franchise, Controlling, Job-Sharing, Time-Sharing, Just-In-Time-Logistik, sie alle sind heute selbstverständliche Management-Techniken japanischen Ursprungs, die erst viele Jahre später in die westlichen Industriestaaten importiert wurden.

In den 80er Jahren exportierte das Rohstoff-Importland Japan nicht nur seine hochwertigen Industrieprodukte in alle Welt sondern ebenso Technologien und Dienstleistungen aller Art, ja selbst das eigene japanische Management.

Die USA hatten der japanischen und asiatischen Welt-Entwicklung längst Rechnung getragen: Man verließ die amerikanische Ostküste und wandte sich von Europa ab.
Die Europa zugewandte amerikanische Ostküste wurde - von New York einmal abgesehen - immer mehr zur verlassenen Industrielandschaft, während sich die Japan und Korea zugewandte Westküste von der kalifornischen Ferienidylle zur High-Tec-Landschaft entwickelte:
Man will Japan, Korea und China nahe sein - Silicon-Valley.

 

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Japans schleichende Expansion auf den Weltmärkten blieb von allen westeuropäischen Industriestaaten, von ihren Politikerinnen und Politikern, von ihren Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftlern, zunächst jahrelang unbemerkt und unreflektiert. Erste behutsame Anzeichen des japanischen Erfolgs wurden zunächst weitgehend ignoriert: In Europa und in Amerika war man bis in die 80er Jahre hinein zu sehr mit sich selbst und mit dem Genuss seines eigenen, scheinbar grenzenlosen Erfolges aus den 50er und 60er Jahren beschäftigt.

Erst in den späten 60er und vor allem in den 70er Jahren wurden die Auswirkungen dieser japanischen Entwicklung in Europa und Nordamerika schmerzhaft spürbar; hinzu kamen die Welt-Ölkrise, der Golfkrieg und die nahezu galoppierende Inflation mit z. T. zweistelligen, jährlichen Steigerungsraten in einzelnen europäischen und nordamerikanischen Ländern sowie mit zeitweise dreistelligen Raten in Afrika und Lateinamerika.

Weltweit entstanden wirtschaftliche und soziale Flächenbrände einhergehend mit einer hohen Arbeitslosigkeit bis zum heutigen Tage; ganze Bankenkonsortien, Branchenzweige und Industriekonzerne brachen zusammen, es kam überall zu Massenentlassungen.

Drei Dinge leiten sich aus den japanischen Entwicklungen auch für die Musikschulen ab:
1. Entscheidend ist der Konsens der Visionen.
2. Wir sollten auch in den Musikschulen endlich einmal über die 80/20-Thesen Paretos und Jurans in entspannter Atmosphäre nachdenken und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.
3. Visionen kann man nicht kopieren, deshalb müssen jede Musikschule und jede Lehrkraft ihre eigenen Vision finden.

Wann also ziehen alle Musikschulen, alle Instrumentallehrerinnen und Instrumentallehrer
die Konsequenzen aus den damaligen japanischen Erfolgen!

Zugegeben: Mittlerweile hatten die westlichen Industiestaaten von den japanischen 'Wirtschaftspionieren' gelernt.
Zugegeben: Mittlerweile sind westliche und japanische Unternehmen gleichberechtigte Partner auf den Weltmärkten geworden.
Aber sie haben erst sehr spät erkannt, welche atemberaubende Entwicklungen sich auch in Korea, China oder Indien vollziehen.

 

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Zurück zur Dienstleistung
An dieser Stelle möchte ich wieder eine Brücke zurück zur Dienstleistung schaffen.

Spricht man aber das Wort 'Dienstleistung' in den Kollegengesprächen in der Musikschule nur aus oder aus, dann sträuben auch heute noch sich vielen ehrenwerten Kolleginnen und Kollegen, Mitbürgerinnen und Mitbürgern gleich die Haare.

Warum eigentlich! - Dienstleistung ist nicht gleich Dienstmädchen.

Dienstleistung ist das verantwortliche und verantwortete Wirken des Dienstleistenden zu Gunsten und zum Wohl des Dienstnehmers. Dazu gehört zweifelsohne auch, dass der Dienstleistende bei hoher Qualität einen Anspruch auf (s)ein angemessenes Honorar hat.

Nicht nur die Bankangestellten und Versicherungsrepräsentanten, auch die Bundesregierung samt Bundeskanzlerin und Ministern sind Dienstleistende. Die Landesregierungen, die Abgeordneten, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sie alle sind Dienstleistende.

Und auch die Pädagogin, die Musikpädagoge, die Musikschulpädagogin, der Pädagoge, der Musikpädagoge, der Musikschulpädagoge, sie alle sind Dienstleistende - dienstleistend an der Schülerin und am Schüler, an IHREN SCHÜLERN sowie an der Werte suchenden Gesellschaft: Und nur dies begründet und berechtigt einen Anspruch auf Subventionen durch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Karriere bewusste Instrumentallehrerinnen und Instrumentallehrer sind leider meistens sehr eitel und kümmern sich folglich vornehmlich nur um die Schülerinnen und Schüler, die diesen Lehrkräften zu Ruhm und Ehre verhelfen. D. h., hier sind nicht die Instrumentallehrerin, der Instrumentallehrer sondern die Muster-Schülerinnen, der Muster-Schüler zugleich Dienstleistende an der Lehrkraft:

Die Schülerin, der Schüler leistet in desem Fall der Instrumentallehrerin, dem Instrumentallehrer den Dienst, den Ruf und den Ruhm einer erfolgreichen Instrumentallehrkraft zu erlangen - und diese Schülerinnen und Schüler ernähren zu allem Überfluss auch noch diese Lehrkräfte. Und alle Schülerinnen und Schüler, welche diese Dienstleistungen an den genannten Lehrkräften nicht erbringen, werden mit Zuwendungsentzug oder einer Lehrerwechselempfehlung oder gar mit einer generellen Abmeldungsempfehlung belegt, "beseitigt" bzw. "bestraft" (Abmeldung und Lehrerwechsel sind dann in der Regel die Folgen).
Eigentlich ist dies ja nur folgerichtig, denn man wendet sich vom Dienstleistenden ab, wenn dieser dem Dienstnehmer seine Dienstleistung nicht ordnungsgemäß erbringt.

Dieses letztere, Gott-sei-Dank aber nur selten auftretende Dienstleistungsmuster funktioniert sehr häufig auch umgekehrt: Instrumentallehrkräfte, die sich vom Leistungsgedanken abgekehrt haben und/oder die selbst durch hohe Leistungsanforderungen innerlich verletzt wurden, werden gewissermaßen zu Anti-Leistungslehrkräften und argumentieren, dass gerade die schwache Schülerin, der schwache Schüler ihrer individuellen Hilfe und Zuwendung bedarf. - Wer wollte da dieser scheinbar zutreffenden Argumentation widersprechen!!
Dennoch: Auch hier wird - in diesem Fall - der schwache Schüler zum Dienstleistenden an der beschriebenen Lehrkräfte-Klientel.

Personenzentrierter Unterricht ist jedoch etwas anderes.




Die wirklich aus sich heraus dienstleistende Musikschullehrkraft im positiven Sinne
dagegen wird sich jeder Schülerin, jedem Schüler gleichermaßen zuwenden.
Sie wird - personenzentriert denkend - weder leistungsstarke noch leistungsschwache Schülerinnen oder Schüler ablehnen.

 

Die dienstleistende Musikschullehrkraft ist nicht eitel, sie wird nicht ihre eigene Karriere, ihren Ruhm, ihren Namen in den Mittelpunkt des Handelns stellen sondern allein das individuelle unterrichtliche Wohlergehen jeder einzelnen Schülerinnen und jedes einzelnen Schülers.

Die dienstleistende Instrumentallehrkraft wird nicht ständig Ausschau halten nach der für sie bequemsten Unterrichtsform sondern schülerzentriert nach der für jede Schülerin und für jeden Schüler individuell geeignesten und damit besten.

Die dienstleistende Instrumentallehrkraft wird sich in einem permanenten Prozess stets neuen Wegen und Methoden öffnen und sich mit ihnen vorurteilslos auseinandersetzen.

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Der Verband deutscher Musikschulen hat vor vielen Jahren unter dem Titel: "Neue Wege in der Musikschularbeit" verschiedenste Unterrichts- und Veranstaltungsmodelle zusammengetragen, die verschiedene Musikschulen bundesweit mehr als 100 verschiedene Modelle erarbeitet hatten. Viele Modelle haben mich begeistert. Sie spiegeln wider, dass ihre Erfinder sich als Dienstleister verstehen.
Und sicher werden sich viele dienstleistende Musikschullehrkräfte neugierig mit diesen neuen Modellen auseinandersetzen wollen, sie werden dem VdM für die Angabe der Kontaktadressen dankbar sein, um weitere Informationen über das eine oder andere Modell zu erhalten.

Doch was ist mit den vielen anderen der rund 1.000 Musikschulen in unserem Lande!
Wo ist ihr Dienstleistungsverständnis, wo sind ihre Visionen auf die Zukunft.

 

Die im Bewusstsein der Dienstleistung arbeitende Musikschule, die dienstleistende Musikschulleiterin, der dienstleistende Musikschulleiter, die dienstleistende Instrumentallehrerin, der dienstleistende Instrumentallehrer werden sich nicht mehr auf die reine Fachkompetenz reduzieren lassen. Sie werden sich vielmehr laufend für die gesellschaftlichen Veränderungen und für die Veränderungen in den Lebensfeldern der Schülerinnen und Schüler interessieren.

Der dienstleistende Mensch weiß aber auch um die Wichtigkeit der Kommunikation.
Er wird deshalb bemüht sein, seine eigenen Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und seine Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern.
Vor allem aber wird sich der Dienstleistende tiefgreifend auch um seine eigene Person, um seine eigene Persönlichkeit kümmern, denn er weiß:
Wer nicht in sich selbst hineinhören kann, der kann auch nicht anderen zuhören.
Wer sich nicht selbst von seinen eigenen Fesseln befreit hat, der kann nicht in Freiheit eine Dienstleistung an einem anderen Menschen erbringen.
Wer mit sich selbst nicht im Konsens lebt, der kann auch keinen Konsens mit anderen herstellen.
Wer mit sich selbst kein Grundgesetz verabredet hat, wer also für sich selbst keine Vision hat, der kann auch in Gemeinschaft mit anderen keine Vision kreieren.

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Und hier ist wieder eine der vielen Querverbindungen zum Management:
Während dies in Deutschland zu mindest offiziell untersagt ist, ist es in Amerika durchaus üblich,
in einem Bewerbungsgespräch die persönlichen Lebensumstände eines Bewerbers zu ergründen.

Nach den Vorstellungen des US Leadership Centers in Provo/Utah müsste - gewissermaßen transponiert betrachtet - die ideal dienstleistende Musikschullehrkraft die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
# zuerst ein eigenes, geklärtes, stressfreies Umfeld und ein Leben in geordneten wirtschaftlichen und menschlichen Verhältnissen,
# ein ständiges Bemühen um eine geistige und geistliche Lebensorientierung für sich selbst,
#
die zweifache Zeit des eigenen Redens in das Zuhören investieren,
# bei allen Planungen und Überlegungen die Einbezogenen und Betroffenen von Anbeginn an einbeziehen und nicht vergessen,
#
stets alle Seiten hören, bevor man eine Entscheidung trifft (das wussten schon die alten Römer!),
# offen sein für den Rat anderer,
# Abwesende stets verteidigen,
#
in jedem Jahr mindestens ein neues Projekt angehen oder eine neue Unterrichtsmethode kennenlernen, erproben, entwickeln,
# schon heute die Arbeit von morgen vorbereiten,
# stets eine positive Einstellung haben und mit einem Quentchen Humor leben,
# sich nicht vor den eigenen Fehlern fürchten sondern allein vor der eigenen mangelnden Kreativität
.... und vor der Nicht-Auswertung der eigenen Fehler,
# sich für die gegenwärtigen Aufgaben engagieren, ohne die Aufgaben von morgen aus dem Auge zu verlieren.

 

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Dienstleistung & Fluchtverhalten?

Dienstleistung,
das ist auch das freundliche, dem nächsten zugewandte Gesicht
und die zugewandte Sorgfalt an den Nächsten.

Und dies wiederum gelingt uns aber nur, wenn wir die benannten Voraussetzungen erfüllen und wenn wir uns von unserem Riesen-Ego, von unserer Unfähigkeit zur Nächstenliebe, von unseren Eitelkeiten verabschieden.

Dienstleistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Musikschule bedeutet,
allen Menschen, die eine Musikschule betreten, aufmerksam und freundlich zu begegnen.

Dienstleistung fordert, das eigene Fluchtverhalten in eine freundliche, freundschaftliche Begegnung zu wandeln.

 

Wo tausende sich täglich einander begegnen,
da schaut man nicht mehr so genau hin, da schaut man sich nicht mehr an,
da schaut man durch den anderen durch und tut so, als wäre der andere gar nicht anwesend,
da läuft man mit gesenktem Blick und verschlossenen Mienen an einander vorbei:
ein Fluchtverhalten.

Es kommt zu einem "Sparprogramm der Kontakte und Begegnungen", zu einem regelrechten Fluchtverhalten vor einander.
Man empfindet den anderen, den Nächsten gewissermaßen als Hindernis und umgeht ihn - innerlich wie äußerlich.

Es soll dabei nicht verkannt werden:
Das Spiel der leeren Blicke und des anonymen "Rühr-mich-nicht-an" oder des "Niemanden kennen, niemanden sehen, niemanden anfassen"
gehört in der Massenversammlung der Menschen in den europäischen Ballungsräumen im Grunde zu einer Art Überlebenstraining.

Die dienstleistende Musikschullehrkraft weiß aber auch, dass sie in ihrer Dienstleistung diese Kulturtechnik des Umgangs mit den Massen überwinden muss.

Für dieses Wechselspiel der Kommunikation wird von der Lehrkraft höchste Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt.
Sie muss mit ihrem Verstand, mit ihrem Gefühl, mit ihrer Intelligenz und ihren Emotionen große Kraftanstrengungen unternehmen, um aus dem beschriebenen Kontakt-Sparprogramm und Überlebensmanagement in der Masse auszusteigen, will sie in der Nähe und im Vertrauen zur Schülerin und zum Schüler den Konsens herstellen.
Deshalb ist Dienstleistung zugleich eine riesige Herausforderung und eine riesige Zumutung an die Musikschule, an die Musikschulleitung und an die Musikschullehrkraft.

Vom Verstand her scheint alles klar:
Zur Dienstleistung der Musikschule und ihrer Handelnden gehört es auch, eine emotionale Schülerbindung herzustellen.
Aber wie soll das geschehen in einem Lebensumfeld der Massen, der massenhaften Gleichgültigkeit, wie dem fremden sich immer wieder als Freund nähern.

Das Verhaltensfeld 'Dienstleistung' muss trainiert werden.

Wir brauchen dringend Trainingsprogramme, Fortbildungsprogramme, die Lust machen, Dienstleistende zu sein oder zu werden und zu bleiben. Wir müssen wieder lernen, in bestimmten Lebensfeldern uns zu outen, unsere Emotionen öffentlich zu machen.
Wir müssen mit unserer Einsicht unsere Emotionen für unsere Dienstleistung gewinnen und uns bedingungslos für den Schüler öffnen.

 

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Doch wieder ein Blick in die Zukunft
Dienstleistungsdenken fällt den bisher nur um die eigene Perfektion bemühten Musikschullehrkräften besonders schwer.
Wer nicht den Schüler sondern vorrangig die Qualität von Fingersätzen und Urtext an die erste Stelle seines Handelns rückt oder gar sein unterrichtliches Handeln darauf reduziert, der tut sich schwer mit der Qualität menschlicher Begegnungen.

Wer dem IQ (= Intelligent Quality) den EQ (Emotional Quality) und den SQ (Social Quality) hinzufügt - wie es Gertrud Höhler seit geraumer Zeit fordert -, der kann es zulassen, dass sich im seinem Wirkungskreis Berechenbares und Unvorhersehbares fast wie oppositionelle Parteien gegenüber stehen:

Die Musikschullehrkraft, die sich als Dienstleistende versteht, steht auf zwei Seiten:
*
Sie repräsententiert ihre Musikschule einerseits und ist andererseits zugleich auch Anwalt ihrer Schülerin, ihres Schülers gegenüber dem System Musikschule. Nicht wenige Musikschullehrkräfte aber stellen sich bewusst oder unbewusst auf nur eine Seite, auf die der Musikschule oder auf die der Schülerschaft, und vernachlässigen zugleich die andere Seite. Nicht selten kommt es dadurch zu Konflikt-Situationen mit der vernachlässigten Seite.
* Die dienstleistende Musikschullehrkraft gestaltet und verteidigt die Schülernähe ihrer Musikschule und zugleich die Legitimierung der Schülerwünsche - auch wenn die Musikschule diese nicht oder noch nicht oder nicht immer erfüllen kann.
* Geichzeitig kann aber die dienstleistende Instrumentallehrkraft nicht nur das eigene Know-How verteidigen, denn sie wird allein daran gemessen, ob und wie sie ihr Know-How in den Dienst ihrer Schülerinnen und Schüler, ihres Unterrichtes stellt.
* Mit dem Betreten des Unterrichtsraumes wird die Schülerin, der Schüler gewissermaßen vorübergehend zum Bestandteil der Musikschule.

Da Musikschulen und ihre Honorar- bzw. Gehaltsempfänger aber bei rückläufigen Geburtenraten von der möglichst langen Verweildauer ihrer Schüler leben, gehört es zur Marketingstrategie der Musikschullehrkraft dann auch, durch die Qualität der Dienstleistung eine möglichst intensive und dauerhafte Bindung an die Musikschule und eine möglichst intensive Einbindung in die Musikschule und in die Musik zu erreichen.

Dies wird den Musikschulen und ihren Lehrkräften aber nur gelingen,
wenn sie sich nicht eitel und besserwisserisch von den Schülerinnen und Schülern und deren Eltern abgrenzen und wenn sie nicht permanent versuchen, der Schülerinnen und Schüler Wünsche zu korrigieren sondern wenn sie sich bemühen, der Schüler direkten und indirekten Wünsche in den Mittelpunkt ihres unterrichtlichen Handelns und damit in den Mittelpunkt ihrer Dienstleistung stellen und wenn - natürlich bezogen auf den Unterricht - in jedem Einzelfall zwischen den Visionen der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte Konsens hergestellt wird.

D. h., die Lehrkraft muss sich darauf einlassen, in bezug auf ihre unterrichtliche Dienstleistung nicht nur eine Vision sondern mehrere, nämlich für jede Schülerin und jeden Schüler eine eigene, individuelle Vision zu haben.

* Wer im Unterricht den Eindruck vermittelt, dass die Schülerin, der Schüler eine Fremde, eine Belastende, ein Fremder, ein Belastender sind, dass sie Schülerinnen oder Schüler sind, die zusätzliche Mühen und Arbeit bereiten, der vertreibt sie alle sowie deren Freunde/Bekannte aus der Musikschule.
*
Wer im Unterricht den Eindruck vermittelt, dass die Schülerin, der Schüler ja nur geduldet oder nur dann willkommen sei, wenn sie und er den Leistungsanspruch ihrer und seiner Lehrkraft oder der Musikschule erfüllt, der vertreibt sie alle und deren Freunde/Bekannte aus der Musikschule.

In der längeren Perspektive sind die Schüler die mächtigeren, sitzen sie letztlich doch am längeren Hebel
- direkt, da sie in nicht unerheblichem Maße steigende Entgelte entrichten,
- und indirekt; da sie in erheblichem Maße das Meinungsbild und damit die emotionalen Entscheidungen der Kommunalpolitiker - also der Geldgeber - mit beeinflussen.

Eine Musikschule,
die nicht personenzentiriert denk und handelt,
die sich nicht als Dienstleistungsunternehmen versteht,
und eine Instrumentallehrkraft, die sich nicht als Dienstleistende versteht,
darf sich nicht wundern, wenn es eines Tages heißt:

Musikschule, Musikunterricht, Instrumentalunterricht - nein Danke!

oder frei nach Schweijk:
Stell' Dir vor, es ist Instrumentalunterricht
und niemand geht hin!



Und damit meine Schwarzmalerei nicht zur verhängnisvollen Wirklichkeit wird,
bedarf es der Fortbildungen, nicht der Fortbildungen über Fingersätze, über die Flatterzunge auf der Flöte, über den Auf- und Abstrich bei den Streicher sondern der Weiterbildung
- über die Grundbedüfnisse des Menschen und über die Selbstfindung,
- über den Grundkonsens mit sich selbst, damit man ihn auch mit anderen herstellen kann,
- über die Körpersprache und NLP.

Und in viele dieser Themen müssten auch die Eltern eingebunden werden.

 

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Wieder zum Management zurück

Wir allein haben es und behalten es mit-gestaltend in der Hand, wie wir mit diesen unabweisbaren und unausweichbaren Einflüssen umgehen oder wie wir denken.
Und so trotzdem gibt es großartige Augenblicke in unserem Leben, die sich dauerhaft und unauslöschbar in unseren Erinnerungen einnisten,
wenn wir unser Leben und Erleben mit kritischem Bewusstsein gestalten, erleben und durchleben -
Augenblicke des Glücks und des Glücklichseins.

Aber diese vermeintliche Freude entsteht an dieser Stelle nicht aus dem körperlichen Zustand des Ausspannens
sondern aus der mentalen Reflexion der getanen, harten Arbeit
während des körperlichen Ausspannens.

Nein, die größten Augenblicke in unserem Leben waren, sind und bleiben stets die,
in denen wir selbst selbstbewusst "das Gesetz des Handelns" an uns gezogen
und so mit großen oder allergrößten Kraftanstrengungen dazu aktiv, entschlossen, risikobereit
und unerschrocken beigetragen haben, dass etwas Großartiges geschah oder geschehen konnte.

Und diese Augenblicke waren letztlich die Augenblicke unseres anhaltenden 'Glücklich-Seins'.

 

Permanentes Ausruhen und Entspannen
besorgt dagegen nur Resignation und Langeweile
gepaart mit der Angst um den Verlust des Besitzens.

Deshalb:
Wer passiv verweilt, der verpasst zwangsläufig sein Lebensglück.

 


 

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Conductio:
Zum ersten Mal in der langen Menschengeschichte sind wir von der schwierigen Aufgabe herausgefordert, die komplizierten und zugleich radikalen, weltweitenVeränderungen unserer beruflichen, politischen und privaten Lebenswelt nicht nur zu akzeptieren sondern sie ebenso zielorientiert herbeizuführen.

Nur in der Kunst und in der Musik können wir uns scheinbar noch den Freuden und Wohltaten nach den Vorstellungen der vergangenen Jahrhunderte hingeben. In bezug auf die gesellschaftliche Entwicklungen bleibt uns jedoch keine Wahl:
Wir müssen unsere Energien und spirituellen Ressourcen kompromißlos und tiefgreifend auf die Erneuerung unserer Arbeits- und Lebenswelt, unserer Gesellschaft, konzentrieren, denn die
SQ, die Spiritual Quality, kommt zu den drei schon benannten Qs hinzu.

Die kritische Betrachtung öffentlicher Meinungsäußerungen gewisser gesellschaftlicher Gruppen und Einzelpersonen belegt, dass die Gesellschaft in ihrer Mehrheit wie eh und je immer noch und unvermindert auf das überkommene "Klassenziel" der längst überkommenen Industriegesellschaft setzt, um den vermeintlichen "Klassenfeind" ausmachen und jagen zu können.

Das Morgen des Instrumentalunterrichtes

Dieser Versuch eines kurzen Anrisses von Entwicklungen in den westlichen und vor allem in den westeuropäischen Industriestaaten vermag vielleicht auch anzudeuten,
+ wie intensiv wir uns
- in einem internationalen Evolutions- und Revolutionsprozess der Kultur und der Pädagogik,
- in einem internationalen Evolutions- und Revolutionsprozess der Wirtschafts- und der Arbeitswelt befinden,
der von uns Zeitgenossen in allen Bereichen völlig neue Visionen, völlig neue Fragen, völlig neue Antworten, völlig neue Lösungsmodelle abverlangt;

+ wie sehr wir unbewusst schon heute in einer Quasi-Kulturrevolution leben,
+ die notwendigerweise neue Marketing- und Managementstrategien in der Kultur und in der Pädagogik
- sowie neue Steuerungssysteme und Strategien, neue soziale Sicherungssysteme
- sowie neue Organisationsmodelle für die biologische und psychologische Überlebenszukunft
des Menschen schicksalhaft erzwingt,
+ die in Folge neue Dienstleistungen sowie neue Qualitäten und Modalitäten der Dienstleistung(en) notwendig macht sowie neue Ansprüche an den einzelnen Menschen und an die Gesellschaft kreieren lässt,
+ und die deshalb nicht zuletzt auch neue virtuellen, multimediale Unterrichtssysteme,
- neue vernetzte Unterrichtsorganisationen und neue Unterrichtsinhalte,
- neue Unterrichtsverfahren,
- ein neues Unterrichtsmarketing sowie neue Erprobungs- und Erfahrungsmodelle
in den allgemeinbildenden Schulen, Volkshochschulen wie in den Musikschulen zwingend bedingen.

Doch die dreitausendjährige Menschengeschichte lässt ebenso keinen Zweifel daran,
dass diese unabwendbaren Wandlungsprozesse der Gesellschaft mit gigantischen Ausmaßen
nicht auf revolutionären sondern allein auf evolutionären Wegen, nicht per Weisung oder Gesetz
"von oben nach unten" sondern nur durch Wandlung "von unten nach oben" gelingen können.

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Ein neues Kapitel der Menschengeschichte hat längst begonnen.

 


 

Auch zukünftig muss es in aller Wissenschaft und Forschung stets personenzentriert um den ganzheitlichen Menschen gehen; aber es darf nicht allein nur um den Menschen gehen.
Die Befreiung des Menschen durch die Wissenschaft, seine Annäherung an Grenzbereiche der Biologie, hat ihn nicht aus seiner Verantwortung für die Wissenschaft entlassen. Im Hinblick auf die Ausdehnung der menschlichen Macht im göttlichen Schöpfungsplan übernimmt der Mensch zunehmend zentrale Verantwortung für die Bewahrung der ganzen Schöpfung.

Die Kirchen und die alternativen Geisteswissenschaften können sich nicht länger vor ihrer eigentlichen Verantwortung drücken, auch sie müssen nicht als geistliche Würdenträger aber als geistige Gesellschaftspräger sich der Mitverantwortung für das ganze Weltall stellen.
In diesem Sinne muss jeder Pfarrer und jede Bischöfin, jeder Diakon und jede Predigerin, aber auch jeder Philosoph, jeder Athetist, jeder Nihilist und jeder Freidenker sehr genau überlegen, welches die Botschaft und Predigt von morgen sein wird. Eines steht jedenfalls fest, die Predigten für morgen dürfen nicht länger von etwas christlich oder wie auch immer bepudertem Sozialismus geprägt sein.

Nein, sie müssen die Spiritualität der Antike, der Bibel, der Urchristen und der humanistischen Philosophen wieder aufgreifen, sie müssen den Menschen wieder Mut und Zuversicht vermitteln, für die Visionen über die Zukunft innerlich frei zu sein. Nicht länger dürfen die Menschen Schutz vor den Menschen suchen müssen.
Die Verknüpfung von IQ, EQ und 2xSQ steht heute mehr denn je auf der Tagesordnung.

Viele Menschen lehnen das unbekannte Neue und verkennen so diese einmalige Chance und üben sich lieber in der Abwehr des Unbekannten und aller Neuerungen. Sie spüren vermutlich unbewusst, dass der Ausstieg aus der Industriegesellschaft nur gelingen kann, wenn die gesellschaftlichen Werte neu definiert werden.
Die Grundwerte-Diskussionen und ihre Ergebnisse dürfen nicht auf den Speichermedien der Archive verschwinden: Das Software-Design verändert sich laufend, und morgen werden die Speichermedien von heute schon nicht mehr lesbar sein.

Aber einige wenige sagen bereits schon heute JA zu dieser stillen Revolution und üben sich in Toleranz für die Welt von morgen.
Sie kehren sich ab vom Überfluss, wenden sich z. B. wieder dem Fahrradfahren zu und öffnen sich dem Wesentlichen:
Sie übernehmen selbstbewusst Verantwortung und erkennen, dass gigantische Lernprozesse auf uns zukommen und dass man einmal erworbenen Besitz, einmal erworbenes Wissen, nicht ein Leben lang als einen Besitz für sich verbuchen kann.
Die alten genussvollen Konsumangebote der Industriegesellschaft werden von neuen, einfachen, von Geistigkeit, Geistlichkeit und körperlichen Anstrengungen geprägten Lebensformen abgelöst.

Sie spüren, dass ihr Ausstieg aus der Industriegesellschaft als Einstieg in die Zukunft nur gelingen kann, wenn wir gleichzeitig und ganzheitlich neue Werte, neue Wertvorstellungen kreieren und wenn wir den Mut haben, eine radikale Veränderung unserer Arbeits- und Lebenswelt mit allen unseren Energien anzugehen.

Im Bereich des instrumentalen Musikunterrichtes hat es in den letzten beiden Jahrzehnten bereits neue, hoffnungsvoll stimmende Ansätze in der instrumentalen Fachmethodik und Fachdidaktik gegeben. Den bestehenden innervierten instrumentalpädagogischen Schriften müssen keine neuen methodischen Wege hinzufügen werden.

Und trotzdem erfordert der instrumentale Musikunterricht
eine neue Originalität und neue Innovationskräfte für das Morgen
außerhalb der eigentlichen musik-immanenten Fachdisziplinen.

An den Instrumentalunterricht und seine Mittler wie Vermittler richten sich unausweichlich die gleichen harten Anforderungen des Produktmanagements. Instrumentaler Musikunterricht dient nicht länger dem schönsten Hobby der Welt.
Personenzentrierter, instrumentaler Musikunterricht ist kreative Dienstleistung am ganzen Menschen und seiner Bildung.
Die kreative Gestaltung der Musik bleibt nicht länger der Künstlerin, dem Künstler vorbehalten.

In der Gesellschaft der Zukunft befruchtet die Musik als ein Teilbereich der Kultur ebenso die Wirtschaft, die Wissenschaft, das soziale Leben und nicht zuletzt die Politik.


All so kommt der Musikschullehrerin, dem Instrumentallehrer von morgen
eine sehr hohe, gesellschaftsgestaltende Mit-Verantwortung zu.


 

Dieses neue, gewissermaßen "unmusikalische" oder außermusikalische Design des instrumentalen Musikunterrichtes wie des Instrumentallehrers gewinnt zunehmend an Bedeutung, dieses Design wird aller überkommenen Didaktik und Methodik zunehmend den ersten Rang ablaufen:

Die Kultur im Allgemeinen und die Musik im Besonderen dürfen nicht länger als elitärer geistig-emotionaler Rohstoff in Universitätsbibliotheken und Archiven brach liegen.

Die Kultur und die Musik müssen in diesen Jahren der gesellschaftlichen Veränderung und des Übergangs zur neuen Dienstleistung am Menschen und seinen sozialen Entwicklungs- bzw. Entfaltungsprozessen gewissermaßen recyclet werden.

Das künstlerische, das pädagogische und das außermusikalische Design der Musik müssen in dieser veränderten Welt unabdingbar zu einer Symbiose zusammenwachsen und gemeinsam wirken, um die Spielräume des Menschen für neue eigene Ideen, für Neugierde und Pioniergeist mitzuentwickeln.

Die Musikpädagogik und ganz besonders die Instrumentalpädagogik wurden in der Vergangenheit von den erziehungswissenschaftlichen Disziplinen höchst stiefmütterlich behandelt und ggf. "klinisch rein", ohne jede historische oder gesellschaftliche Einbindung gerade mal als Nebenfach geduldet oder abgehandelt; schließlich will man ja angeblich nur das Klavierspiel, das Violinspiel auf direktem Wege und ohne jeden Umweg erlernen.

Dabei scheinen viele zu vergessen, dass bereits Sigmund Freud die Bedeutung der Kunst und den Künstler für die Phantasie und für die Kreativität immer wieder herausgestellt hat, wobei man den alten Freudschen Begriff "Phantasie" vermutlich durch den neuen Begriff "Vision" ersetzen könnte.

Um zu überleben, werden wir uns als post-industrielle Zeitgenossen in Wirtschaft, Politik und Bildung zwangsläufig grundlegenden kulturellen und arbeitspolitischen Veränderungen unterziehen müssen.
Wir müssen uns eingestehen, dass aus der Industrie- und Konsumgesellschaft eine Informations-, Wissens- und Erlebnisgesellschaft geworden ist.

Aus diesen Überlegungen heraus wird hier nun der Versuch unternommen, erprobte Ansicht und Absichten, Meinungen und Empfehlungen nicht aus den Quellen der Musikpädagogik oder der Erziehungswissenschaft sondern aus den Quellen des modernen internationalen Managements und Marketings heraus zu Anstößen an den Musik- und Instrumentalunterricht zu transfomieren, zu transponieren, zu adaptieren, zu arrangieren oder zu transkribieren.

 

Wir alle müssen
schneller und komplexer denken und handeln,
klüger und geschickter,
personenzentriert arbeiten,
leidenschaftlicher und risikofreudiger Visionen über die Zukunft erträumen,
diese Träume Wirklichkeit werden lassen wollen
sowie auf sehr unterschiedlichen, neuen Wegen miteinander in Verbindung treten,
neue Formen menschlichen Miteinanders erdenken und erproben,
um die bedrückenden Spätfolgen des industriellen Zeitalters möglichst gering zu halten
und möglichst schnell aufzuarbeiten
- auch in der instrumentalen, vokalen oder schulischen Musikpädagogik,

im Privatunterricht wie in den Musikschulen.

 


 

Und - wir müssen kreativ werden, um die vorhandene, immer weniger Arbeit neu zu verteilen,
damit nicht auf Dauer die einen die Arbeitbesitzenden und die anderen die Arbeitslosen sind.

 

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Gleichzeitig heißt es Abschied nehmen
von Überkommendem, vom Zeitgeist unserer Vorfahren,
vom Zeitgeist und von der Ideologie der Industriegeschaft,
von den bisher eingeübten Zeitvorstellungen und Hierarchien.

Es heißt Abschied nehmen
von liebgewordenen Gewohnheiten, von Freundeskreisen,
territorialen Lebensräumen und Lebensumständen.

Es heißt Abschied nehmen von bisherigen Erfahrungen,
die neuem, immer komplexer werdenden Wissen weichen müssen.

Es heißt Abschied nehmen von der Vorstellung,
dass sich eine Revolution nur lauthals,
gewaltig und gewaltorientiert vollziehen kann.

Ein jeder von uns, ganz besonders ein jeder Pädagoge muss ein Leben lang immer schnelleres JA
sagen zum Lernen, Umlernen, Weiterlernen, zum Vergessen von alten Erfahrungen,

um neuem Wissen Platz zu machen, zur permanenten Revolution und Evolution sowie zum Wandel
der privaten und gesellschaftlichen Ordnungssysteme.

 

Die Zukunft hat schon begonnen,
eine Zukunft der stillen, gewaltfreien Revolution,
eine Zukunft, die sich durch Erfahrungsverluste
immer unsicherer zu gestalten scheint.

 

Die Ansprüche an die Arbeitsplätze steigen,
die Ansprüche an den Instrumentalunterricht steigen.
Nicht mehr der Arbeitszeit, nicht mehr der Unterrichtszeit
sondern dem personenzentrierten Arbeitsergebnis,
dem personenzentrierten Arbeitserlebnis,
dem lustbetonten Unterrichtserlebnis, und den mitmenschlichen Qualitäten
kommt eine immer höhere Bedeutung zu.

Der einzelne will sich im Unterricht wie am Arbeitsplatz unverwechselbar verwirklichen können,
er will in seiner Individualität im Instrumentalunterricht und durch ihn herausgefordert werden.
Leistungsbegriffe und Leistungsziele müssen in Schule und Musikschule neu und immer wieder neu definiert werden.
Und die Lehrkraft steht vor der Wahl: als Dienstleistende personenzentriert an diesem Prozess teilzuhaben
oder dauerhaft außen vorzubleiben.

Dieser existentiell notwendige Wandel in der Gesellschaft stellt deshalb an die Managerin und an den Manager wie an die Medizinerin und an Mediziner, an die Theologin und den Theologen wie an die Futurologin und den Futurologen oder an die Atheistin und an den Atheisten oder an die Nihilistin und den Nihlisten, an die Pädagogin und den Pädagogen wie an die Handwerkerin und an Handwerker wie an die Gewerkschaftlerin und an den Gewerkschaftler - und natürlich ganz besonders an die Musikpädagogin und an den Musikpädagogen - ganz neue Anforderungen.

Die Zeit der Oberlehrerpädagogik oder der Leitung eines Unternehmens nach Gutsherrenart, die Zeit der Bußpredigt von der Kanzel oder des Besitzstandsdenkens ist längst vorbei.

Die Bäckerin, der Bäcker von morgen, die Instrumentallehrerin, der Instrumentallehrer von morgen, die Schulleiterin, der Schulleiter von morgen, die Sozialarbeiterin, der Sozialarbeiter von morgen, die Wissenschaftlerin, der Wissenschaftler von morgen, die Ärztin, der Arzt von morgen, die Politikerin, der Politiker von morgen, sie alle sind Produktmanagerinnen und Produktmanager oder Dienstleistungsmanagerinnen Dienstleistungsmanager von morgen und müssen einen Sinn und eine Vision für das Morgen, in das Morgen und für ihre Arbeit im Morgen entwickeln und sich mit ihr wesenhaft identifizieren.

 

Nicht an ihre Methodik- und Didaktik-Kenntnisse,
aber an die Effizienz ihrer Kreativität,
an die Aktivität und Produktivität,
an die Effizienz ihrer Kommunikations- und Motivationsfähigkeiten
werden allerhöchste Ansprüche gestellt
- und ohne (die) Kultur
werden diese zukunftsweisenden Aufgaben nicht gelingen.

 


 

Der dienstleistende Instrumentallehrkraft von Morgen wird deshalb keine Gelegenheit auslassen dürfen,
quasi jegliches Gramm an Talent und Kreativität in ihrem Schüler und mit ihrem Schüler zu erspüren,
zu entdecken, zu wecken und weiterzuentwickeln, gleichsam wie die Winzerin oder der Winzer den kostbaren Wein
geduldig und jede Veränderung wahrnehmend auszubauen. - Gorbatschows um die Welt gegangenen
und seitdem häufig strapazierte Worte von 1989: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"
beschreibt diesen zwingenden Wandlungsprozess auch heute zutreffend, leidenschaftslos und überzeugend.

 

 

Kreativität ist nicht mehr länger
nur den Künstlerinnen und Künstlern,
den Musikerinnen und Musikern vorbehalten.

 

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