Kreiere den Musikerzieher in Dir
Heute Unterricht - morgen Coaching?

 


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Manager wie Instrumentallehrer haben heute, im postindustriellen Zeitalter, eines gemeinsam: Beide können heute nicht mehr Boss oder Oberlehrer sein oder kraft ihrer Funktion einfach Aufsicht ausüben oder Befehle und Anweisungen von oben nach unten an die Menschen in ihrer Obhut erteilen.

Nach den Vorstellungen des US Covey Leadership Centers in Provo/Utah würden im übertragenen Sinne folgende Anforderungen an eine (Musik-)Lehrkraft gestellt werden:

- zuerst ein geklärtes, stressfreies häusliches Umfeld herstellen und pflegen,
- ein Leben in geordneten wirtschaftlichen und menschlichen Verhältnissen leben,
- ein Bemühen um eine geistige und geistliche Lebensorientierung,
- keine Kompromisse mit der Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit,
- die zweifache Zeit des eigenen Redens in das Zuhören investieren,
- die Einbezogenen und Betroffenen nicht vergessen, z. B. Schüler, Eltern, Kollegen und (politische) Öffentlichkeit,
- stets beide Seiten hören, bevor man seine Entscheidung trifft,
- den Rat, die Meinung anderer annehmen und bedenken,
- Abwesende stets verteidigen statt über sie zu reden,
- in allen Entscheidungen sicher und zugleich entschlossen sein,
- in jedem Jahr mindestens ein neues Projekt begründen oder eine neue Unterrichtsmethode kennenlernen, erproben, entwickeln,
- schon heute die Arbeit von morgen und übermorgen planen/vorbereiten,
- sich in Gedanken schon einen Weg bahnen, während man noch wartet oder warten muss,
- stets eine positive Einstellung haben,
- stets in der Freude mit einem Quäntchen Humor leben: innerlich bescheiden bleibend schmunzeln,
- sich selbst nicht vor Fehlern fürchten, nur seine eigene mangelnde Kreativität und Konstruktivität sowie die Nicht-Auswertung begangener Fehler fürchten,
- Einbringen aller persönlichen Kräfte, Fähigkeiten und Fertigkeiten in die gestellten Aufgaben, sich für die gegenwärtige Aufgabe engagieren, ohne schon heute an Aufgaben oder an Pläne von morgen zu denken.

 


Sicher sind diese Postulate auch wichtige Kriterien eines erfolgreichen (musik-)pädagogischen Berufslebens; zweifellos würden sich viele tausend Unterrichtsstunden in europäischen Schulen und Musikschulen wesenhaft verändern, wenn alle Beteiligten diese Kriterien stets zur Gänze erfüllen würden.
Doch das Erfüllen dieser Postulate allein reicht
den Unterricht des beginnenden 21. Jahrhunderts nicht mehr aus.

Im Folgenden wird oft die Rede vom pzU oder von der pzU-Lehrkraft sein. Mit pzU ist der personenzentrierte Unterricht und mit pzU-Lehrkraft ist jene (Musik-)Lehrkraft gemeint, die personenzenrierten Unterricht erteilt.

 

Das Bild der pzU-Lehrkraft wendet sich aber ebenso an alle Funktionsträger einer Musikschule: Möge der gute Musikschulleiter, der gute Fachbereichsleiter, der gute Bezirksleiter so mit seinen Kolleginnen und Kollegen umgehen, wie es von der pzU-Lehrkraft erwartet wird.

 


 

Musikerzieher, das Design einer Vision - ein erster Schritt?
Vom Unterricht zum Coaching?
Die beiden amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Warren Bennis und Burt Nanus haben hunderte von kleinen und großen Firmen und Dienstleistungsgesellschaften, aber auch Vereinigungen aus den Bereichen Erziehung, Kultur und Sport untersucht.
Am Ende ihrer Erhebungen kamen sie zu der einhelligen Auffassung, dass stets das Design der Visionen jener Menschen, die in diesen Einrichtungen wirkten und dort Verantwortung trugen, den Erfolg ausmachte.

Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt und mit ihr auch das Berufsbild des Instrumentallehrers, ohne dass die Berufsausbildung an den Musikhochschulen nachgezogen hat:
Wir müssen die Erfahrung machen, dass die pzU-Lehrkraft heute an den Hochschulen nur unvollständig ausgebildet wird. Design-Hinweise oder Design-Anregungen finden noch nicht überall statt. Nicht wenigen Lehrkräften fällt es deshalb sehr schwer, mit diesen dramatischen Veränderungen in ihrem beruflichen Leben so umzugehen,
- dass der Schüler zum Partner der Lehrkraft, die Lehrkraft zum Partner des Schülers wird,
- dass der Schüler an der Unterrichtsplanung der Lehrkraft mitgestaltend teilnimmt und gemeinsam mit ihm "ent-scheidet", welche Literatur erarbeitet, welche Übe-Methodik in dieser oder jener Situation aus diesem oder jenem Grund eingesetzt werden soll,
- dass Lehrkraft und Schüler gemeinsam projektartige und methodisch vielfältige Unterrichtssequenzen mit inhaltlichen Schwerpunkten kreieren, Arbeitsziele gemeinsam festlegen.


Die pzU-Lehrkraft wird mehr und mehr zum Coach und Supervisor seines Schülers, den er in die Mit-Verantwortung des Unterrichtserfolges einbezieht.

Die pzU-Lehrkraft von morgen erteilt dem Schüler keine Weisungen mehr, sie setzt stattdessen auf die partnerschaftliche Kooperationsbereitschaft seines Schülers. Der Schüler ist nicht länger Weisungsempfänger, Befehlsempfänger sondern "Mitwirkender", "Mitbestimmender" und "Mitverantwortlicher".

Beide, pzU-Lehrkraft und Schüler, bringen so ihre ureigenen Komponenten und Kompetenzen in die unterrichtliche Verhandlung ein, durch welche der Schüler von der Lehrkraft, die Lehrkraft vom Schüler lernt: Synergien erwachsen aus dem Unterricht zum Nutzen und Wohlbefinden beider.

 


Nicht selten aber sind Lehrkräfte, die den Weg des partnerschaftlichen, personenzentrierten Unterrichtes gehen wollen, frustriert, weil die erhofften Ergebnisse nicht eintrafen oder weil sie sich vom Schüler missverstanden fühlten.

Oft haben Schüler (und ihre Eltern!) - wie auch Lehrkräfte - eine durch ihre bisherige Erfahrung vorgeprägte Erwartungshaltung an Unterricht und seine Abläufe. Deshalb müssen Schüler wie Eltern und Lehrkräfte schrittweise Wandlungsprozesse vollziehen:
Lehrkräfte, Eltern, Schüler und Musikschulleiter müssen innerlich die überkommenen Unterrichtsgestaltungen überwinden, um dem Unterricht eine neue Gestalt geben zu können.

Eine erste Grundregel könnte in der Abwandlung eines alten Sprichwortes so lauten: "Unterrichte Deinen Schüler so, wie Du selbst unterrichtet werden möchtest."

Manche Lehrkräfte werden von ihren guten Erfahrungen berichten, die sie dadurch machten, dass sie ihre Schüler dem Leistungsdruck aussetzten. Das mag vorübergehend anscheinend zum Erfolg führen, doch die so agierende Lehrkraft wird langfristig keine erfolgreichen Schüler haben können. Gerade die besten werden zukünftig ihre Lehrkraft verlassen und zu einem anderen Lehrkraft wechseln wollen, sobald sich die Gelegenheit hierfür anbietet:
Dauerhafte, zuverlässliche Leistung erwächst aus Leistungsbereitschaft,
niemals aus Leistungsdruck oder aus Leistungszwang.

 


 

Die pzU-Lehrkraft wird ihren Schülerinnen und Schülern ganzheitlich und personenzentriert zu helfen versuchen, das zu verwirklichen, was ihre eigentlichen Sehnsüchte sind und wozu sie befähigt sind. Sie wird ebenso versuchen, auch nach im Schüler Verborgenem Ausschau zu halten, um das Verborgene in seine eigenen unterrichtlichen Interaktion einfühlsam einzubeziehen.
Sie wird diesen Schüler ermutigen, ihn coachen und bestrebt sein, mit ihm bewusst eine Sozietät eingehen wollen:
Die qualitative Gestaltung der mitmenschlichen Bindungen und Verbindungen zwischen Schüler und Lehrer wirken tiefst greifend am Erfolg des Unterrichtes mit.

Deshalb ist eine pzU-Lehrkraft wie ein Magnet, der andere anzieht.
PzU-Lehrkräfte sind groß(artig)e Denker: Dinge zu sehen, die andere, Eltern, Schüler wie Kollegen, nicht sehen oder nicht sofort erkennen, liegt im Design eines großen Denkers, einer guten Lehrkraft.

Große Denker sind immer auch großartige Pragmatiker und Visonäre zugleich. Diese Doppeleigenschaft ist vielleicht ein Stück Begabung des einzelnen. Sie ist aber auch eine Frage der Grundeinstellung einer Lehrkraft zum Lehrberuf, zum Menschen und zum Leben.

Visionäre Fähigkeiten machen den eigentlichen, dauerhaften Unterschied aus zu einer noch historisch denkenden und agierenden Lehrkraft, zu einem noch historisch denkenden und handelnden Musikschulleiter, zu einem noch historisch denkenden und handelnden Arzt, zu einem noch historisch denkenden und handelnden Politiker, eben zum noch historisch Denkenden und Handelnden.
Aber ohne zukunftsorientierte Denker(innen), ohne zukunftsorientierte Visionäre/Visionärinnen hätte es keine bedeutsamen Entwicklungen, keine bedeutsamen Fortschritte in der Menschen-Geschichte geben:
Ohne den zukunftsorientierten, visionären Lehrertypus machen auch Schüler keine bedeutsamen Entwicklungen oder Fortschritte, ohne die/den zukunftsorientierten, visionäre(n) Musikschulleiter hat Musikschule keine Chance für die Zukunft.

Dabei treffen jede Lehrkraft, jeder Musikschulleiter die Entscheidung eigenverantwortlich und einsam mit sich selbst, ob sie/er im historischen Denkenden und Handelnden verbleiben wird, oder ob sie/er zu denen gehört, die mit ihren zukunftsorientierten Visionen Menschenleben mitgestalten.

 


 

Um eine pzU-Lehrkraft zu sein, der andere fasziniert und anzieht, steht an erster Stelle die grundlegende Entscheidung, sich wirklich von (allen) anderen unterscheiden zu wollen; aus dieser Grundentscheidung erwächst die Bereitschaft und bleibende Sehnsucht zur Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und Phantasie, um konkrete Ideen und Handlungswege zu großartigen Ergebnissen zu wandeln.
Albert Einstein gestand einmal seinen Studenten:
"
Ich denke, und ich denke monatelang, jahrelang. Neunundneunzigmal ist das Ergebnis meines Denkens falsch oder unbrauchbar; aber ich gebe niemals auf, denn der hundertste Versuch gibt mir dann doch recht."

Eine Vision, das ist die hohe Kunst, selbst Grenzen überschreiten zu wollen. Eine Vision, das ist die Fähigkeit, scheinbar unsichtbare Dinge ans Tageslicht zu bringen und sehbar zu machen, scheinbar unmögliche Dinge möglich zu machen. Visionäre haben keinen kindischen, aber einen tiefen, kindhaften Glauben an sich selbst und an andere.

Der Visionär, die pzU-Lehrkraft, weiß auch, dass niemand Verlierer sein will und deshalb niemand im Unterricht bzw. im Coaching zum Verlierer werden darf. So werden sie dem Schüler oder dessen Eltern, ihren Kolleginnen und Kollegen oder gar ihren Schulleitern niemals Schuld zuweisen und - frei von allen Eitelkeiten - sich stets zurücknehmen, wenn es um Klärungsprozesse oder Entscheidungen geht. Er wird stets den innigen Wunsch haben, nach außen die Botschaft zu tragen, dass nicht er selbst gute Arbeit macht, Erfolg hat, sondern dass allein die Schülerin, der Schüler erfolgreich agieren.

 


 

Durch ihren Glauben an die Erfolge ihrer Schüler wird die pzU-Lehrkraft zu einem Katalysator des Schülers, um mutig zu werden, Selbstvertrauen zu entwickeln, Risiken auf sich zu nehmen:
Visionäre Politiker in Ost und West haben die Welt dauerhaft verändert, haben Friedensprozesse auf den Weg gebracht, haben Auswege in scheinbar ausweglosen Situationen gefunden - (nur) visionäre pzU-Lehrkräfte können ihre Schüler, (nur) visionäre pzU-Musikschulleiter ihre Musikschulen, (nur) visionäre Vorstände ihre Interessenverbände dauerhaft verändern.

An vielen Erfahrungen lässt sich ablesen, dass auch die pzU-Lehrkraft ihre Vision unbedingt bewusst "designen" muss, die Vision über sich selbst, über das Leben, das Sein, über die verschiedenen Bindungen und Einbindungen, aber auch ihre Vision über die Musik, über seine Arbeit und über jeden einzelnen seiner Schüler haben muss. -
Nein, keine stimmungsabhängige, täglich wechselnde, sondern eine klare, dauerhafte gleichsam "witterungsbeständige" und "erdbebensichere" Vision,
- die Teil der persönlichen Identifikation und "Selbst-Anerkennung" ist,
- welche die persönliche "Corporate Identity" mit den verschiedenen persönlichen und beruflichen Lebensbereichen und Lebenszielen, z. B. mit "ihrer" Musikschule einschließt, - eine Vision also, die einen Ausblick auf eine realistische, attraktive und glaubwürdige Zukunft gibt.

Ohne gegen sich selbst arrogant sein zu wollen, wird eine pzU-Lerhkraft ihren Beruf in ihrer Vision nicht zuletzt auch als ihre persönliche Berufung verstehen und täglich wiedererkennen, um erfolgreich zu sein und zu bleiben.
Wer den Beruf, die Arbeit nur als knechtliche oder knechtende Arbeit oder gar als 'Maloche' (F.v.Cube) definiert, der wird mit sich und der Welt täglich immer unzufriedener werden und zunehmend weniger Erfolge für sich verbuchen können. - und er wird seine persönliche Disposition - ob Maloche oder Berufung - in jedem Falle auf seine(n) Schüler transformieren.

 


 

Zum Design der Vision(en) einer pzU-Lehrkraft gehören auch sich selbst gebende Antworten auf Fragen wie z. B.:
- Wer bin ich als Person wirklich?

- Bin ich eitel? Und wie gehe ich mit meinen Eitelkeiten um?
- Verletze ich durch mein (eitles?) Handeln in "Gedanken, Worten und Werken" leicht oder schnell andere, bin ich selbst (leicht?) verletzbar?
- Bin ich wirklich mein selbstbewusstes, selbstvertrautes Selbst oder gleichsam nur die Fotographie einer anderen Person, die ich sein möchte?
- Wer und was möchte ich zukünftig sein?
- Was ist Arbeit für mich, welchen Stellenwert, welchen Wert ansich nimmt Arbeit in mir an, warum arbeite ich?
- Warum habe ich gerade diesen Beruf für mich ausgewählt, war es eine Berufungsentscheidung oder wollte ich eigentlich etwas ganz anderes werden?
- Was ist das Eigentliche an mir und in mir, was unterscheidet mich von anderen, von Freunden, Kollegen, Schülern oder Vorgesetzten?
- Was unterscheidet meine Schülerinnen und Schüler von den Schülerinnen und Schülern anderer Lehrkräfte?
- Was soll meine Schülerinnen und Schüler ausmachen und von anderen unterscheiden?
- Bin ich von meiner Arbeit, von meinen Schülerinnen und Schülernen, von meinen vielfältigen sozialen Einbindungen ("social and economical life") "betroffen" (=> im Sinne der pädagogischen Terminologie!)?
- Welche gesellschafts- und kulturpolitische Bedeutung (nicht parteipolitische!) hat meine Arbeit und die meiner Kolleginnen und Kollegen?
- Wie kann ich - gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen - der Gesellschaft, in der ich lebe, bzw. meinen Schülern dienlich, nützlich sein und und gemeinsam mit ihnen diese Gesellschaft mitgestalten?
- Wie kann ich die inhaltliche und organisatorische Qualität meiner Arbeit ständig weiterentwickeln oder verbessern?
- Welche Bedeutung hat ein Schüler für mich?
- Welche Bedeutung meiner Person erstrebe ich für meine Schülerinnen und Schüler insgesamt und dann auch konkret für diese einzelne Schülerin oder für diesen einzelnen Schüler?
- Vor welchen Aufgaben stehe ich, welchen Aufgaben stelle ich mich gern und vor welchen versuche ich mich zu drücken?
- Vor welche Aufgaben stellen mich die anderen, meine Schüler bzw. deren Eltern und Erzieher, mein Arbeitgeber, die Gesellschaft?

Ein leporelloartiger Fragenkatalog - hier noch sehr unvollständig - blättert sich individuell für jeden einzelnen auf, ein Fragenkatalog, der von jedem einzelnen in Stille, Muße und Gelassenheit reflektiert werden will.

Die Wirkung und Notwendigkeit einer solchen klaren, persönlichkeitsgebundenen Vision wird mancherorts gelegentlich verhängnisvoll unterschätzt. Aber nur die eindeutige, nach vorn gerichtete und an der Wirklichkeit orientierte Vision vermag die innere Kraft zu verleihen, nicht nur die Höhen des Lebens zu genießen sondern auch die persönlichen und beruflichen Tiefen zu meistern.

 


Doch es gibt nicht nur die eine Vision für jeden Menschen und für jede Sache.
Ein jeder muss seine eigene Vision "designen", kreieren und ständig fortentwickeln.
Niemand, der erfolgreich sein will, darf sich zur Kopie eines anderen Menschen machen.

Es geht also nicht darum, Visionen erfolgreicher oder erfolgreichster Menschen, z. B. der erfolgreichsten Musiklehrer/Instrumentallehrer herauszufinden und diese für sich "sklavisch" zu modellieren oder zu kopieren. Gerade die weltweit schicksalhafte Wirtschaftsentwicklung in Japan bis ins 21. Jahrhundert hinein wie auch die Erfolge bedeutender, innovativer Wirtschaftsunternehmen dokumentieren den Notwendigkeit der eigenen, autonomen Vision und gleichzeitig die zwingende Erfolglosigkeit aller Kopierversuche.

Fred Ebb, u.a. Komponist der Musicals "Cabaret", "Chicago", "Woman", erzählte gern seinen Kompositionsschülern von der ersten Begegnung zwischen Irving Berlin und George Gershwin. Zu dieser Zeit war Irving Berlin bereits ein in Amerika bedeutsamer Komponist, während George Gershwin noch sein Geld durch Arrangements für Bands und kleine Theater verdienen musste. Tief beeindruckt von Gershwins kompositorischen Talenten soll Irving Berlin etwa folgendes gesagt haben:
"
Ich kann Ihnen einen gutbezahlten Job als mein Assistent anbieten, aber ich rate Ihnen, nehmen Sie diesen Job nicht an. Wenn Sie meinen Rat nicht befolgen, werden Sie sich nur zu einem zweitklassiger Irving Berlin entwickeln; wenn Sie aber darauf beharren Sie selbst zu werden und zu sein, dann werden Sie eines Tages ein erstklassiger George Gershwin werden." - Niemand wird heute bezweifeln, wie recht Irving Berlin damals hatte. Deshalb forderte Fred Ebbs seine Kompositionsschülern immer wieder auf: "Imitieren Sie niemals andere Komponisten, hören Sie niemals auf, Sie selbst zu sein." Dies gilt für Lehrkräfte und Musikschulen ebenso wie für Komponisten. - Eine pzU-Lehrkraft wird deshalb stets ein selbstbewusstes Original ohne Eitelkeiten und keine Kopie einer anderen Persönlichkeit sein.

Wie aber könnte man seine eigene Vision finden, analysieren, entwickeln, kreieren, renovieren, rekonstruieren?

 


 

Die Entwicklung, Renovierung, Rekonstruktion Ihrer Vision könnte damit beginnen, dass Sie diese Wunschvorstellungen der selbstkritischen Bestandsaufnahme Ihrer heutigen, tatsächlichen Situation gegenüberstellen und dass Sie dann festlegen, welche Punkte aus Ihren Wunsch-Vorstellungen für Sie besonders wichtig sind, damit Ihre Wunsch-Vorstellungen Wirklichkeit werden. Indem man alles unterlässt, was diesem persönlichen Kriterienkatalog widerspricht, kann man sich auf den sicheren Weg zu seinen persönlichen Zielen begeben.

Im beruflichen Leben ist es eigentlich nicht schwer, ständig härter und härter zu arbeiten, um die Leiter zum Erfolg immer weiter nach oben zu steigen. Die Frage ist jedoch, ob diese Leiter nicht an der für den betroffenen falschen Mauer steht:
Jede Sproße auf einer Leiter, die nicht an der richtigen Mauer angesetzt ist, bringt uns einen Schritt schneller auf den falschen Weg.

Wir können sehr fleißig und effizient arbeiten. Wie effektiv wir jedoch wirklich sind, das hängt von der Vision eines jeden von uns über sein Ziel, über seinen Bestimmungsort seines Lebensweges und von seinem Weg ab, den man dorthin beschreitet.

 


 

Alle Dinge, alle Handlungen entstehen zweimal:
Zuerst wird eine Idee, ein Plan, ein Projekt in der geistigen Vorstellung geboren, und dann wird diese Idee, dieser Plan, dieses Projekt zur physikalischen Wirklichkeit.
Bei einem Hausbau z. B. wird zuerst überhaupt die Idee zu einem Hausbau, dann ein komplexer Bauplan entwickelt, bevor überhaupt der erste Spatenstich erfolgen kann. Häufig werden nicht nur ein Plan sondern mehrere gemacht und vielfach solange verändert, bis dieser Plan in der geistigen Vorstellung aller Beteiligten seine endgültige Fassung erhalten hat und damit die erste, geistige Entstehungsphase abgeschlossen ist.
- Und dann beginnt die zweite, physikalische Entstehungsphase: das Haus wird tatsächlich gebaut (oder auch nicht!).

Dieses Beispiel zeigt zugleich, dass allein die erste, geistige Entstehungsphase die wichtigste, die von entscheidender Bedeutung ist, und in der eine Idee, ein Plan, ein Projekt gründlichst konzipiert und immer wieder analysiert werden muss. Fehlplanungen, Fehlentscheidungen führen fast zwangsläufig zumindest zu erhöhten Kosten oder zu erhöhtem Zeitaufwand.

Man kreiert also zuerst in seinem Inneren
- einen Autokauf in allen Details, bevor man den Kaufvertrag unterzeichnet,
- einen Berufswunsch, bevor man mit der Ausbildung beginnt,
- eine Urlaubsfahrt, bevor man ein Ticket bucht und eine Unterkunft anmietet,
- die Lösung eines Problems, bevor man sie in die Tat umsetzt.

So entstehen alle Ereignisse, alle physikalischen Gegebenheiten zweifach, aber nicht je erste Entwicklungsphase hat ein bewusstes oder von uns bewusst und aus unserem freien Willen heraus entwickeltes und gestaltetes Design:
Wenn wir die entscheidende, erste geistige Entwicklungsphase nicht aus unserem eigenen Selbstbewusstsein und aus unserer eigenen Verantwortung heraus
pro-aktiv kreieren, dann erlauben wir anderen Menschen und anderen Ereignisse bzw. anderen Umständen, vieles in unserem Leben re-aktiv mitzuformen und mitzugestalten.
Auf diese Weise prägen diese Menschen, diese Ereignisse und Umstände, durch ihre historischen Handschriften und Gravuren aus Gegenwart und Vergangenheit bereits die erste Entwicklungsphase unseres Tun und Handelns mit.

Gerade für diese erste Entstehungsphase eines Planes oder einer Idee bedürfen wir einer Vision, eines klar umrissenen Zieles und eines genau festgelegten Bestimmungsortes und weniger einer Landkarte.
Nicht selten fehlen uns die Kenntnisse und Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Terrains, das vor uns liegt, oder es fehlen uns die notwendigen "Werkzeuge" zur Problemlösung.

Vieles wird auch von unserem Urteilsvermögen abhängen. Deshalb benötigen wir eine belastbare Vision, eine in die Zukunft blickende Phantasie, und ein Gewissen sowie einen inneren Kompass, der uns Richtung und Grundausrichtung unseres Bestimmungsortes stets zuverlässlich anzeigt.

 


Durch unsere nach vorn gerichtete Phantasie können wir uns die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, die mitten in uns schlummert, vorstellen. In Kontakt mit den Grundsätzen und den Grundgesetzen des Lebens und unseren eigenen, persönlichen Grundsätzen treten wir durch unser Gewissen. So schreiben wir im Verbund von Vision und Gewissen einerseits mit unserer Selbstkritik und unserer Eigenverantwortung andererseits das "Drehbuch" für unsere Lebensgeschichte selbst.

Ein pro-aktives "Drehbuch unseres Lebens" ist niemals eine Abschrift von Drehbüchern anderer, die wir nur etwas (ab-)ändern und unserer Situation anpassen müssen, um dann daraus das eigene Drehbuch unseres Lebens für die erste Entstehungsphase unserer Ideen, Pläne und Projekte autonom zu schreiben bzw. abzuschreiben.

Um ihr Selbstbewusstsein zu entwickeln, verwenden viele uneffektive, tiefsitzende, fest verankerte Gewohnheiten, die völlig wertlos sind, weil sie nicht mit jenen Wertvorstellungen kongruent sind, die wir in unserem Innersten wertschätzen oder weil uns fadenscheinige Dinge in die Enge zu treiben scheinen:

Die pzU-Lehrkraft von morgen analysiert "ihr Drehbuch" sehr genau, um es nicht nur auf seine Widersprüche sondern ebenso seine Kongruenz mit seinen immanenten Lebenszielen zu überprüfen, denn uns Menschen zeichnet aus, dass wir stets ein neues Drehbuch schreiben können, in dem sich unsere Lebensziele, unser sinnlicher und sinnenhafter Bestimmungsort widerspiegeln.

 


 

Da die pzU-Lehrkarft von morgen zugleich selbstkritisch und selbstbewusst ist und da sie um ihre Phantasie, um ihr Gewissen und um ihre Eigenverantwortlichkeit, aber auch um ihre Eitelkeiten weiß, wird auch sie das "Drehbuch ihres Lebens" stets pro-aktiv und in Harmonie mit ihren eigenen Wertvorstellungen designen.

Die pzU-Lehrkraft wird ihre Zukunft designen anstatt re-aktiv in ihren Erinnerungen leben,
sie wird ihre Kräfte pro-aktiv in die Zukunft und auf die Zukunft ausrichten, anstatt innerlich re-aktiv in der eingeschränkten Vergangenheit zu leben,
sie wird sich von Zeit zu Zeit aus dieser Situation heraus immer wieder ihre innigsten Wünsche immer wieder neu für sich kreieren und formulieren.

Die pzU-Lehrkraft von morgen wird sich zu Beginn eines jeden Tages vor sich selbst zu ihren Wertvorstellungen und Lebenszielen bekennen, um auf alle Wechselfälle und Herausforderungen des Lebens stets gelassen und pro-aktiv zu antworten.

Um ihr Drehbuch effektiv zu schreiben und pro-aktiv auszuführen, stellt die pro-aktive pzU-Lehrkraft allein ihre ureigenen Visionen, ihre Lebensphilosophie in den Brennpunkt ihres Handelns. Nur wenn wir die für uns richtigen Grundsätze in das Zentrum unseres Denkens und Handelns stellen, begründen wir zuverläßliche Entwicklungsmöglichkeiten unseres Lebenserfolges.
Nur das, was wir in das Zentrum unseres Handelns stellen, ist allein für uns die Quelle unserer eigenen Sicherheit, unserer Weisheit, unserer eigenen Grundorientierung und unserer inneren Kraft:

Unsere Sicherheit widerspiegelt unsere Identität, unseren emotionalen Ankerplatz, unsere Selbstachtung, unsere persönlichen Stärken und Schwächen.

Wir sind aber wesentlich davon abhängig, aus welchen Quellen sich widerum unsere Identität unsere Selbstachtung oder unsere Stärken oder Schwächen nähren. Nur wenn wenn diese Quellen nicht auf subjektiven Zufallserfahrungen basieren, werden wir unsere Quellen nicht ständig wechseln müssen:
Eine zuverlässliche, wohl durchdachte Grundhaltung und Grundeinstellung siedelt sich tief und unbeirrbar in Zentrum unseres Inneren an. - Sie
- macht uns frei und unabhängig von den Wirren und Belastungen des Tagesgeschehens,
- "re-agiert" nicht auf jeden kleinsten "Störfall" in laufender Veränderung wie Chamäleon,
- lässt uns nicht körperlich oder geistig vor Problemen wie Diebe in der Nacht davonlaufen,
- pflastert unsere Wege nicht mit "Kurzschlüssen" und "Schnellschüssen",
- macht uns nicht abhängig vom Verhalten anderer, von den emotionalen Wirkungen unseres Umfeldes oder von finanziellen "Wirkungskräften" auf unsere Entscheidungen,
- kann weder durch Feuer, noch durch Erdbeben, Katastrophen oder Diebstahl verändert werden.

Der Grad unserer Sicherheit, unseres Sicherheitsempfindens hängt also von der Zuverlässlichkeit unserer Grundhaltung, unserer Grundeinstellungen, unserer eigenen, durch uns für uns festgelegten Maßstäbe ab, die unanhängig von äußeren Bedingungen und punktuellen Umständen sind. Zuverlässliche Grundeinstellungen und sorgfältig festgelegte Grundwerte helfen uns, unsere eigene Entwicklung zuverstehen.

Unsere Weisheit widerspiegelt unsere Lebensperspektive, unsere Ausgeglichenheit, unseren gesunden Menschenverstand, unsere Urteils- und Kompromissfähigkeit sowie unser Verständnis für uns selbst und andere.

Unsere Grundorientierung widerspiegelt unsere Quelle(n) unseres Bestimmungsortes sowie unsere Rahmenbedingungen, wie wir die Ereignisse um uns interpretieren.
Unsere Weisheit und Kompass ähnliche Grundorientierung befähigt uns klar zu sehen, wohin wie gehen wollen und wie wir dorthin gelangen können.

So können wir auf der Grundlage zuverlässlicher Daten zielsicher unsere Entscheidungen treffen. Wir trennen unsere Grundorientierung einerseits von punktuellen Lebenssituationen, Gefühlen und Umständen andererseits ab.
Unsere Grundorientierung eröffnet uns den Blick für das ausgewogene Ganze. In unsere Entscheidungen beziehen wir Überflegungen und Absichten ein. So können wir jederzeit bewusst und pro-aktiv unsere optimale Entscheidung festlegen.

Wenn wir Entscheidungen treffen, müssen wir auch ihre langzeitlichen Auswirkungen einbeziehen. Unsere Weisheit/Klugheit lässt uns die Dinge fern ab von der re-aktiven Welt betrachten. Pro-aktiv sehen wir die Welt in sehr unterschiedlichen Perspektiven.

Unsere innere Kraft widerspiegelt unsere Handlungsfähigkeit und unseren Willen, unsere vitatale Engerie zur Entscheidung. Unsere innere Kraft ist die Kraft unseres Selbstbewusstseins und unserer Erkenntnisse. Wir sind frei, unser Handeln selbst zu bestimmen, aber wir sind nicht frei, auch die Auswirkungen unserer Entscheidungen zu bestimmen.
Unsere innere Kraft wird durch unser eigenes Verstehen und unsere Erfahrungen mitgestaltet. Finanzielle Einwirkungen oder punktuelle Umstände können unser Handeln und unsere Entscheidungen nicht beeinflussen.

Alle vier Faktoren aber sind miteinander und ineinander verwoben, von einander abhängig: Unsere Sicherheit und unsere klar definierte Grundorientierung kreieren im Verbund mit unserer Weisheit unsere zuverlässige Klugheit mit. Unsere katalysierende Klugheit aber lenkt unsere inneren Kräfte.

So wird auch die pzU-Lerhkraft von morgen selbstbewusst, eigenverantwortlich und mit allergrößter Sorgfalt in einer ersten Entstehungsphase ihre berufliche Vision, ihr Unterrichtskonzept bzw. ihr Coaching-Konzept kreieren, bevor sie sich den fach- und berufsspezifischen Problemen zuwendet und bevor sie ihre Vision und ihr Unterrichtskonzept gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern in der zweiten Entwicklungsphase Wirklichkeit werden läßt.

Ausdauer, Beharrlichkeit, Aufrichtigkeit, ein gegen Verlockungen aller Art gefeiter, kritischer Verstand, eine positive Grundeinstellung zum eigenen Leben und zum Leben in der Gesellschaft, eine großartige Phantasie und Vorstellungskraft und ein klarer Sinn für ethische Werte könnten zu Grundparametern einer Vision werden.

 


 

Die pzU-Lehrkraft von morgen wird selbstbewusst, eigenverantwortlich und frei von Eitelkeiten
- sich als in einem Prozess des Änderns und Veränderns befindlich verstehen und dabei auf ihren inneren Kompass achten,
- nicht ihren eigenen Erfolg zur Befriedigung der eigenen Eitelkeiten sondern den Erfolg ihrer Schülerinnen und Schüler im permanenten Fokus haben,
- ständig die Veränderungen und Entwicklungen in ihrer Umgebung und in der Gesellschaft verantwortungsvoll und selbstbewusst beobachten,
- den scheinbar abgenutzten Terminus "Motivation" neu durchdenken und mit neuem Leben erfüllen,
- Leistungsdruck niemals als pädagogisches Instrumentarium einsetzen,
- ihre Vision und ihre Unterrichtsgestaltung bereits in der ersten Entstehungsphase selbst-bewusst und eigenverantwortlich kreieren,
- auf einen personenzentrierten, partnerschaftlichen Unterricht setzen, der alle Chancen eines synergetischen, interaktiven Zusammenwirkens nutzt, statt in überkommenen Modellen hilf- und ratlos zu verharrenm
- ihrem Schüler Möglichkeiten eröffnen, seine besonderen Erfahrungen, Fähigkeiten und Talente im Unterricht voll zu enthalten,
- sich nicht als Oberlehrer sondern als Coach und Supervisor verstehen,
- über seine eigenen Erfahrungen als Schüler nachdenken und daraus Konsequenzen ableiten.

Also: Unterrichten war gestern - ab heute ist Coaching angesagt.

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Meine neue Internetpräsenz ist nun fertiggestellt.
Man findet sie unter:
http://www.Guenter-Kaluza.de
Wegen der sehr hohen Besucherzahlen auf diesen Seiten
wird diese Präsenz jedoch vorerst bestehen bleiben.

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