Ich muss unterrichten
- und dabei soll ich auch noch zuhören?

Das Redenkönnen, das Zuhörenkönnen gehört nicht nur zu den menschlichen Kulturtechniken - gerade das Reden, unser eigenes Reden, unser eigenes Sprechen mit anderen ist ein ganz wesentlicher Teil unserer Selbstverwirklichung und damit ebenso ein wesentlicher Teil unserer Grundbedürfnisse.
Wer also redet, der gestaltet in diesem Augenblick auch ein Stück seine eigene Selbstverwirklichung. Und wer anderen zuhört, der beteiligt sich als Zuhörender aktiv am Selbstverwirklichungsprozess des Redenden. Durch die Art und Weise des Zuhörens kann so der Zuhörende den Selbstverwirklichungsprozess des Redenden aktiv unterstützen.
D.h., auch die Unterrichtende, der Unterrichtende beteiligt sich während des Unterrichtens stets an der Selbstverwirklichung der Schülerin, des Schülers. Damit hat jede Lehrkraft neben der Vermittlung der eigentlichen fachlichen Unterrichtsinhalte auch den Erziehungsauftrag, die Schülerin, den Schüler zum Reden und zugleich zum Zuhören anzuleiten.
Das Thema 'Reden & Zuhören'
hat das auslaufende 20. Jahrhundert bzw. das beginnende 21.
Jahrhundert nicht neu erfunden. Viele Aussagen der Alten
Griechen, z. B. des alten Sokrates zeigen uns die Verfahren
erfolgreicher Dialoge auf. So soll Sokrates einmal gesagt haben: 'Dies
ist ungefähr deine Meinung. Ich wiederhole sie, damit uns nichts
entgeht und damit du Fehlendes ergänzen oder anderes
zurücknehmen kannst.'
Auch in der Bibel, im Alten wie im Neuen Testament, spielt die
Kommunikation und ihre Ausgestaltung eine ganz wesentliche Rolle.

Unterrichten beginnt mit dem
Zuhören der Unterrichtenden, des Unterrichtenden, also der
Lehrkraft.
Unterrichten beginnt also beim Du, bei der Schülerin, beim
Schüler und nicht mit dem eigenen Reden, also nicht bei meinem
ICH, nicht bei der Lehrkraft: Nur die Schülerin, nur der
Schüler stehen im Mittelpunkt des Interesses.
Das 'Zuhören-Können', genauer: das eher effiziente als
effektive Zuhören, die KUNST DES ZUHÖRENS,
sie sind die sehr wichtige, oft entscheidende
Kommunikationstechnik, die an unseren Schulen und Hochschulen am
wenigsten gelehrt wird. - Oder konnten Sie in Ihrerer
langjährigen Berufsausbildung, in Ihrem langjährigen Studium
das Fach 'Zuhören' belegen?
Nach amerikanischen Auffassungen
wird im Berufsleben des Managements in den kommunikativen
Prozessen
- das Schreiben zu nur 10% benötigt, doch in den Schulen am
häufigsten und am umfangreichsten gelehrt,
- das Lesen zu nur 15% benötigt, doch in den Schulen am
zweithäufigsten und zweitumfangreichsten gelehrt,
- das Reden zu 30% benötigt, doch in den Schulen am nur
dritthäufigsten und am nur drittumfangreichsten gelehrt,
- das Zuhören zu 45% benötigt, doch in den Schulen am nur viert
häufigsten und am nur viert umfangreichsten gelehrt.
Nachdenklich stimmende Zahlen oder?

Und gerade jede Lehrkraft muss
ausgezeichnet zuhören können. Zuhören ist dabei keineswegs
eine passive Tätigkeit sondern eine besonders wichtige
Aktivität. Zuhören setzt ebenso die Fähigkeit voraus, sich dem
anderen, dem Redenden, dem Sprechenden ganz zuzuwenden und ganz
hinzuwenden.
Amerikanische
Untersuchungen zur Folge kommunizieren wir im Durchschnitt
zwischen 53% und 78% unserer gesamten Wachzeit. Und davon widmen
wir wiederum im Durchschnitt aber nur 40% dem Zuhören, während
wir in der restlichen Zeit selbst reden. Geschulte
Geschäftsleute wie etwa Verkäuferinnen und Verkäufer oder
geschulte Managerinnen und Manager sollen übrigens
durchschnittlich 60% der Kommunikationszeit mit den Kunden dem
Zuhören widmen.
Weitere Untersuchungen zum Schulunterricht haben zudem ergeben,
dass Schülerinnen und Schüler dort von etwa 60% bis hin zu 70%
mit dem Zuhören verbringen.
Die Wirtschaftsunternehmen haben
ihre Konsequenzen daraus gezogen: Das Thema KOMMUNIKATION ist
zentrales Thema vieler betrieblicher Weiterbildungen. Und das
'Zuhören-Können' ist das wichtigste Kennzeichen einer jeden
guten Verkäuferin und eines jeden guten Verkäufers.
Amerikanische
Untersuchungen in Schulen sollen ergeben haben, dass die Schüler
nach einem 15-minütigen Unterrichtsvortrag einer Lehrkraft
unmittelbar nach diesem Unterricht
- durchschnittlich nur etwa 50% der vermittelten
Unterrichtsinhalte
- und nach zwei Tagen durchschnittlich nur noch 25% des
verhandelten Unterrichtsstoffes
wiedergeben können.
Und man hat noch eine andere Beobachtung gemacht: Menschen mit
einer grundlegend negativen oder pessimistischen
Lebenseinstellung nehmen beim Zuhören deutlich weniger
Informationen auf als Menschen mit einer grundlegend positiven
Lebenseinstellung.
D.h.,
unsere Schülerinnen und Schüler, vermutlich also auch unsere
Musikschülerinnen und Musikschüler, behalten über die Woche in
der Regel maximal nur etwa 25% oder weniger des verhandelten
Unterrichtsstoffes. - Muss uns das nicht nachdenklich stimmen?
Muss das nicht Folgen für unsere bisher gewohnten
Unterrichtsformen, für unsere bisher gewohnte
Unterrichtsplanung, für unsere bisher gewohnte
Unterrichtsgestaltung haben?

In-effizientes Zuhören in unseren
Schulen und Musikschulen, in unserem privaten
Instrumentalunterricht, im beruflichen und gesellschaftlichen
Leben kommt uns teuer zu stehen:
-
Zahllose
Unterrichtsstunden sind vermutlich gewissermaßen "für die
Katz' '' (= blöde Redensart, oder?).
-
Zahllose Konferenzen
und Besprechungen sind vermutlich von enttäuschenden Ergebnissen
geprägt.
-
Zahllose Konflikte
zwischen Schülerinnen und Schülern einerseits und Lehrkräften
andererseits, zwischen Eltern und Lehrkräften, zwischen
Musikschulleitungen und Lehrkräften wären in der Tat vermeidbar
- würde man einander zuhören.
-
Zahllose Wählerinnen
und Wähler wären 12 Monate nach den Wahlen nicht von den von
ihnen Gewählten ent-täuscht, wenn sie schon vor den Wahlen und
vor ihrer Wahl-Entscheidung wirklich zugehört hätten, was die
oder der von ihnen Gewählte vorher wirklich gesagt hat.
-
Zahllose
Ent-Täuschungen in Familien, Partnerschaften und Freundschaften
wären vermeidbar und garnicht entstanden, wenn man einander
stets zugehört hätte.
Der Amerikaner
J. Paul Lyet soll einmal gesagt haben: "In unserem Lande
gibt es ein Problem, das unserer Volkswirtschaft alljährlich
Milliarden-Verluste verursacht. Zwischen Mann und Frau, zwischen
Eltern und Kindern und zwischen den Nationen und Generationen
entstehen aus dem gleichen Grunde in gleicher Weise erhebliche
mitmenschliche Verluste. Und dieses Problem ist, dass die
Menschen nicht wissen, wie man zuhört."
Und ein Manager eines bedeutsamen High-Tec-Unternehmens soll etwa
geäußert haben: " ... in unseren Schulen lernen unsere
Kinder viel Unsinn. Die Aufgeweckten unter ihnen erlernen dabei
und dadurch ganz automatisch und schnell die 'Kunst des
Nicht-Zuhörens', oder sie lernen nur auf diejenigen zu hören,
von denen sie tief beeindruckt sind. Am meisten jedoch scheinen
sie zu lernen, ihre eigene Stimme einzusetzen."
Ein anderer amerikanischer Manager soll zu diesem Thema etwa
gesagt haben: "Mehr als die Hälfte seiner Zeit muss ein
Manager mit Zuhören verbringen, doch nur wenige von ihnen sind
hierfür ausgebildet." - Gilt das nicht auch für jeden
Pädagogen, für jede Lehrkraft, für jede Musikschullehrkraft?
Und der Erfolgsautor Tom Peters sagt zu diesem Thema aus:
"Es mag widersinnig zu klingen, aber es scheint zu stimmen:
Im Zeitalter der elektronischen Kommunikation werden die
Beziehungen der Menschen unter einander immer wichtiger. "
Oder Johann Wolfgang v.Goethe: "Zu reden ist uns ein
Bedürfnis, zuzuhören eine Kunst."
Bei sogenannten 'Small Talks' ist 'Aktives Zuhören' allerdings eher unangebracht.

Supervision
Haben Sie schon mal
Ihr Zuhör-Verhalten überprüft?
Haben Sie schon mal Ihr Rede- und Zuhör-Verhalten z. B. während
des Unterrichtes über einen längeren Zeitraum kritisch
beobachtet?
Haben Sie schon mal Ihr Rede- und Zuhör-Verhalten in einem
Supervisionsverfahren von anderen beobachten oder überprüfen
lassen?
War das Reden und Zuhören Inhalt Ihrer pädagogisch-praktischen
Ausbildung?
Wie gut sie zuhören können, das erfahren Sie auf sehr einfache
Weise, indem Sie einfach Ihre engsten Verwandten, Freunde und
Bekannten nach Ihren Zuhör- und Rede-Gewohnheiten befragen.
Und vielleicht gelingt es Ihnen, mit einer vertrauens- und
verantwortungsvollen Kollegin oder mit einem vertrauens- und
verantwortungsvollen Kollegen gewissermaßen ein Supervisionsteam
zu bilden, um sich in dieser Frage und in anderen Fragen
gegenseitig zu unterstützen.

Aktives Zuhören setzt eine
eindeutige Selbstbejahung, ein klares JA zu sich selbst voraus.
Denn nur, wer ein aufrichtiges JA zu sich selbst zu sagen vermag,
der vermag auch ein JA zu seinem Nächsten, zu seiner nächsten
Kommunikationspartnerin oder zu seinem nächsten
Kommunikationspartner zu sagen.
Eine eindeutiges JA zu sich selbst sagen kann,
-
wer sich um seine
eigene Freiheit müht und in der Lage ist sich der Beherrschung
durch andere erfolgreich zu widersetzen,
-
wer sich anderen
gegenüber - ungeachtet ihrer gesellschaftlichen oder beruflichen
Stellung - als gleichwertig fühlt,
-
wer für sich Werte
und Prinzipien kennt un d an ihnen auch dann festhält,
wenngleich die zeitgenössische Meinung eine andere ist, da sie
stets modischen Strömungen unterliegt,
-
wer an sich selbst
Gefühle zulassen und auch anderen Gefühle zubilligen kann,
-
wer an einer reichen
Vielfalt von Aktivitäten in seinem privaten und in seinem
beruflichen Leben erfreuen kann,
-
wer bewußt in der
Gegenwart lebt und ohne großen Zeitaufwand das Gestern als
bereits als historisch betrachtet und sich nicht heute schon um
das Morgen sorgt,
-
wer sich an seiner
eigenen Kreativität und gelegentlich am eigenen Faulenzen
erfreuen kann,
-
wer seine Fehler
annehmen mit ihnen gelassen umgehen kann, ohne sie zu negieren
oder zu verdrängen,
-
wer sich selbst -
trotz aller Misserfolge - etwas zutraut, wer sich selbst
vertraut,
-
wer in aller
Bescheidenheit Lob und Komplimente annehmen, gegen sich zulassen
kann,
-
wer nicht empfindlich
aber höchst empfindsam für die Notwendigkeit sozialer Normen
und für die Bedürfnisses des Nächsten ist,
-
wer im Anderen, im
Nächsten auch das Gute sucht und vermutet, dass auch der
Nächste bescheiden sein kann,
-
wer selbst nicht
leicht die Selbstbeherrschung verliert.
Vorschläge
zum Thema 'Zuhören im Unterricht'
-
Mache Dir deine eigenen Zuhör-Gewohnheiten, deine Stärken und
Schwächen bewusst: Der erste Schritt zum bewussten Zuhören
könnte die Selbstanalyse sein.
-
Sorge
für eine atmosphärisch günstige Umgebung, in der die
Kommunikation stattfindet oder stattfinden soll.
Dies gilt auch für den Unterrichtsraum - ja, gegebenenfalls für
die ganze Musikschule.
-
Sorge
für (d)eine grundlegend positive Lebenseinstellung, um so deine
Zuhör-Fähigkeiten zu optimieren. Zudem lebt es sich mit einer
positiven Lebenseinstellung auch leichter. Trainiere dein
Einfühlungsvermögen, deine Empathie-Fähigkeiten. Ist die
Wort-Nachricht des Sendenden kongruent zu seiner Körpersprache?
-
Akzeptiere
deine Kommunikationspartner, bringe ihnen eine positiv gestimmte
Grundachtung entgegen.
Stimme dich auch auf deinen oder deine Kommunikationspartner -
ungeachtet aller Meinungsunterschiede - positiv ein. Sonst wirkst
und bist du im wahrsten Sinne des Wortes 'verschlossen' und ein
'Aktives Zuhören' wird so un-möglich.
-
Denke
dich in deine Schülerin, in deinen Schüler hinein. Achte
ganzheitlich auf das Gesagte, also auch auf die Sprachmelodie,
den Klang und die Sprechgeschwindigkeit, auf die beim Sprechen
geäußerten Gefühle, auf die Atmung und auf die sonstigen
körpersprachlichen Signale des Sprechenden,denn ALLES kann für
das Verständnis und das Verstehen von Bedeutung sein.
Höre nicht nur hin, sondern wende dich ihnen auch ganz bewußt
zu. 'Höre' dabei auch ihrer Körpersprache zu. Versuche ganz
bewußt und hoch konzentriert deinen Schülern zuzuhören und sie
zu verstehen. Nimm dabei eine einladende Grundhaltung ein.
Stelle ggf. ergänzende Fragen, welche die Kommunikation
weiterbringen oder die dem Nachricht Sendenden helfen einzelne
Punkte klarzustellen.
-
Bereite
nicht schon während des Zuhörens innerlich deine Antwort vor,
denn du kennst die für dich gedachte Nachricht ja noch nicht im
vollen Umfang. Du kennst das noch nicht zur Gänze, was deine
Schülerin oder dein Schüler Dir zur Gänze sagen will. Und
deine Schülerin, dein Schüler merkt sofort - oft nur unbewußt
-, dass Du ihr oder ihm nicht mehr zuhörst: Das beeinflusst
unweigerlich die Sympahtien deiner Schüler für dich negativ. In
der Folge kann diese Verhaltensweise deine Schüler gelegentlich
verstimmen oder gar verletzen.
-
Lass
dich beim Zuhören nicht ablenken, und halte zu deinen
Schülerinnen und Schülern während des Unterrichtes oder im
Gespräch ständigen Blick-Kontakt. Lass deine
Kommunikationspartner deine Konzentration und deine Zuwendung,
deine Anteilnahme auch durch deine Körpersprache, also durch
deine Gestik, durch deine Mimik und durch deine Körperhaltung
spüren.
Unsere Schüler sind allein der Zweck unseres Handelns, und indem
wir sie unterrichten werden sie für uns zur Quelle unserer
finanziellen Wertschöpfung. Wie aber soll das für uns optimal
geschehen, wenn wir uns ihnen während des Unterrichtes und
während der Kommunkation mit ihnen und mit ihren
Lebensgemeinschaften nicht ganz und uneingeschränkt zuwenden?
-
Zeige
deiner Schülerin, deinem Schüler stets, dass Du sie, ihn ernst
nimmst, und mache dies besonders im Unterricht deutlich
erfahrbar. Wenn dein Gesprächspartner, wenn deine Schülerin
oder Schüler redet, dann tue währenddessen nichts anderes.
Vermeide jede situationsbedingte Ablenkung, lasse auch deine
eigenen Gedanken nicht abschweifen.
Kommt es zu einer Sprechpause seitens des anderen, so halte diese
in Geduld aus, denn dies löst in aller Regel beim Redenden neue
Sprechimpulse aus.
-
Helfe
durch deine Fragen mit ein ins Stocken geratenes oder
abschweifendes Gespräch wieder auf das Thema zurückzuführen.
Verzichte aber auf Zwischenrufe oder auf ein Unterbrechen des
anderen, sondern warte in Geduld bis der Kommunikationspartner
seine Ausführungen beendet hat.
-
Höre
deinem eigenen Antworten, deinem eigenen Reden zu, und beobachte
wie deine Kommunikationspartner auf dein eigenes Reden und
Antworten reagieren.
-
Eine
erfolgreiche Kommunikation liegt immer in der Verantwortung aller
Beteiligten, deshalb: Frage stets bei deinen
Kommunikationspartnern nach, wenn du etwas möglicherweise nicht
zutreffend verstanden haben könntest. So gibst du deinen
Kommunikationspartnern die Chance Missverständnisse zu
vermeiden. - Wie anders könnte der Kommunikationspartner seine
Ungenauigkeit korrigieren.
-
Wer
viel über sich, über seine Medinungen und Ansichten redet, der
kann schnell langweilen. Wer dagegen andere reden läßt, der
gewinnt Sympathien.
-
Aktives
Zuhören fordert unsere volle Konzentration, unsere volle
Disziplin und Selbstbeherrschung. Aktives Zuhören fordert von
uns ein hohes Maß an Selbstbewußtsein.
-
Beschränke
Dich nicht nur auf das Zuhören sondern lass deinem Zuhören
deine Tatkraft, dein Handeln folgen.

Was aber
ist 'AKTIVES ZUHÖREN'?
Haben
wir das nicht alle schon erlebt: Man erzählt seinem
Kommunikationspartner etwas zu einem Thema, das einen selbst sehr
betroffen gemacht hat. Und die Antwort unseres
Kommunikationspartners beschäftigt sich mit einem ganz anderen
Thema. Unsere Reaktion ist in der Regel, dass uns die LUST zu
jeder weiteren Kommunikation vergeht.
Thomas
Gordon beschreibt in seinem Buch 'FAMILIENKONFERENZ' das 'Aktive
Zuhören' so: Der Empfänger einer Nachricht versucht zunächst
nicht nur zu hören, was der Sender sagt. Er versucht
gleichzeitig auch zu verstehen, was der Sender mit seiner
Nachricht meint, empfindet, zum Ausdruck bringen will. Dann
wiederholt der Nachrichten-Empfänger mit eigenen Worten und ohne
jede Wertung oder eigene Kommentierung oder Ergänzung den reinen
Kerninhalt dieser übermittelten Nachricht, um sicher zu sein,
dass er, der Nachrichten-Empfänger den Nachrichten-Sender
zutreffend verstanden hat. - Soweit die Definition von Thomas
Gordon, die in der Literatur allgemein gern so übernommen wird.
Ist das Grundklima der Kommunikation fair und aufrichtig, so kann
das Aktive Zuhören sicherstellen, dass der
Nachrichten-Empfänger den Nachrichten-Sender zutreffend
verstanden hat und dass Missverständnisse erst garnicht
entstehen können. In einer so gestalteten Kommunikation entsteht
durch dieses 'aktive Zuhören' ein positives Kommunikationsklima,
das in den beteiligten Kommunikationspartner gegenseitige
Sympathien aufbaut.
Warum? Diese intensive, ganz andere Form der
Kommunikation führt fast automatisch zu einer gegenseitigen
intensiven Zuwendung. Zum anderen wird auch die nachfolgende
Antwort des Nachrichten-Empfängers konzentrierter, prägnanter
und intensiver als sonst üblich. Es werden durch dieses
Verfahren mehr Informationen als sonst üblich ausgetauscht, denn
das 'aktive Zuhören' vermag zusätzliche Gesprächsimpulse in
den Kommunikationspartnern auszulösen.
Was kann
jedoch eine erfolgreiche Kommunikation behindern oder verhindern?
Vor allem die Art und
Weise wie man sich in eine Kommunikation einbringt, wie man
Fragen stellt, wie man antwortet. Man sollte in seiner Antwort
und durch seine Antwort nicht versuchen, den
Kommunikationspartner irgendwie zu verändern. Der
Kommunikationspartner wird sonst abwehrend reagieren oder sich
zurückziehen,
-
wenn man mit einer
vorgefassten Meinung oder mit einem vorweg genommenen Ergebnis in
das Gespräch oder in die Unterrichtsstunde geht,
-
wenn die Statements,
Fragen, Antwort zu lang sind und die Formulierungen zu
umständlich sind, oder wenn man zu viele Fragen gleichzeitig
stellt,
-
wenn man überwiegend
Suggestivfragen stellt,
-
wenn man mehrfach
Fragen stellt, die einfach mit JA oder NEIN abschließend
beantwortet werden können,
-
wenn man dem
Zuhörenden zuviele Entscheidungsalternativen anbietet,
-
wenn das Gespräch,
der Unterricht, die Begegnung in ungewohnter oder unkomfortabler
Umgebung oder in zu großen oder kleinen Räumlichkeiten
geschieht, die einer Kommunikation in entspannter oder
entspannender Atmosphäre entgegensteht,
-
wenn das Gespräch
oder einer der Kommunikationsteilnehmer unter Zeitdruck steht,
-
wenn einer der
Gesprächspartner unkonzentriert oder zerstreut oder in seinen
Gedanken innerlich abwesen ist,
-
wenn zwischen den
Kommunikationspartnern eine Antipathie besteht oder sich
entwickelt, (Im Schüler-Lehrer-Verhältnis kann
dann oft nur noch ein Lehrerwechsel helfen, mit dem man nicht zu
lange warten sollte).
-
wenn der Nachrichten
Sendende die Antwort des Zuhörers nicht oder nur ungeduldig
abwarten kann,
-
wenn die beteiligten
Kommunikationspartner Schwierigkeiten haben, ihren jeweils
eigenen Standpunkt klar darzustellen oder indem die Beteiligten
nicht die verschiedenen Verantwortlichkeiten erkennen,
-
wenn man in seiner
Antwort die Aussage, die Nachricht des Kommunikationspartners
(be-)wertet, einordnet oder auf andere Art und Weise qualifiziert
oder bloß stellt,
-
wenn man in seiner
Antwort das Konkrete verlässt und stattdessen verallgemeinert.
-
wenn man in seiner
Antwort den Kommunikationspartner interpretiert, kritisiert,
diagnostiziert, verhört, moralisiert oder beschwört.
-
wenn man in seiner
Antwort den Kommunikationspartner tröstet, beruhigt,
beschwichtigt, bagatellisiert.
-
wenn man in seiner
Antwort dem Kommunikationspartner Ratschläge erteilt, ihm
Ratschläge erteilt, droht, ihn warnt oder belehrt.
-
wenn man in seiner
Antwort den Kommunikationspartner durch die eigene Logik zu
überzeugen versucht.
-
wenn man in seiner
Antwort den kommunikationspartner abzulenken versucht oder ihm
ausweicht.
-
wenn das Gespräch von
außen gestört oder behindert oder unterbrochen wird.

Aber ohne
Kritik geht es doch letztlich im Unterricht nicht.
Stimmt, denn es kommt
ganz darauf an, wie man die Kritik ausgestaltet.
Man kann z. B. zu seiner Schülerin, zu seinem Schüler sagen:
"Du hast in der vergangenen Woche nicht geübt."
Oder man könnte auch sagen: Dein Vorspiel lässt vermuten, dass
Du das verabredete Übungsziel nicht erreicht hast. Woran kann
das nach Deiner Meinung gelegen haben?"
(Denn woher
kann/soll ich wissen, dass der Schüler nicht geübt hat: Ich war
beim Üben ja nicht dabei. Es kann doch auch ebenso sein, dass
die Schülerin, der Schüler nicht üben konnte, z. B. weil ich
als Lehrkraft die Aufgabenstellung nur unvollständig oder
ungenau oder fehlerhaft gestellt hatte. )
Und schon kann aus meiner
ehemals einseitigen Kritik nun ein gemeinsames, kontruktives,
einvernehmliches, verletzungsfreies Kritik-Gespräch werden.
Das
Sprechen und Reden
Eine Kommunikation
lebt vom dualen, gegenseitigen Austausch der Gedanken, Ansichten
und Einsichten, nicht vom einseitigen Reden und Zuhören in der
Form einer Einbahnstraße.
Und wenn du selbst redest:
-
Rede wenig und
versuche immer wieder viel zuzuhören,
-
Vermeide beim Reden
unbedingt Vorurteile: Sie sind meistens unzutreffend.
-
Sei nicht ungeduldig.
-
Unterbreche andere
nicht beim Reden sondern lass sie ausreden, treibe die anderen
auch nicht zu schnellerem Sprechen an.
- Versuche phonetisch deutlich zu reden, und
kontrolliere deine Sprach-Melodie.
-
Konzentriere dich beim
Reden ganz auf deine Zuhörer.
-
Vermeide komplizierte
Satzstrukturen.
-
Fasse dich kurz, damit
die von der Zuhörerin oder deinem Zuhörer anzuhörende
Datenmenge möglichst gering ist.
-
Bevor du redest,
strukturiere deine Gedanken. Damit erleichterst du deinen
Zuhörern das Zuhören.
-
Höre dir beim Reden
selbst zu und vergewissere dich, dass man das von dir Gesagte
auch verstanden hat.
-
Vergewissere dich
ebenfalls, dass man deine Sprache, deine Ausdrücke versteht.
Voltaire soll dazu einmal gesagt haben: "Wenn du dich mit
mir unterhalten willst, dann definierte mir zuvor deine
Ausdrücke".
-
Rede während des
Essens, auch während des Geschäftsessens niemals über
berufliche oder geschäftliche Probleme.
-
Versetze dich selbst
nicht ständig in eine Art innere 'Kampfbereitschaft', so als ob
deine Gesprächspartner, deine Kommunikationspartner deine
Gegner, deine Kontrahenten wären. Hege gegen andere keine
inneren Feindseligkeiten.

Am Ende
kann und darf man
nicht verschweigen, dass die gechickteste Rede, der bestentens
vorbereitete Zuhörer, die in ihrem Umfeld optimal vorbereitete
Kommunikation kein Erfolg haben wird, wenn nicht noch andere
wesentliche Gestaltungselemente hinzukommen.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bis zum Beginn der 90er Jahre sprach man nur vom IQ. Noch heute ist der Begriff 'IQ' in aller Munde. Doch seit etwa 1995 fordern deshalb namhafte Psychologen, dass im Kommunikationsgeschehen, im Unterrichtsgeschehen, im Managementgeschehen IQ (= Intelligent Quality oder die logische Intelligenz), EQ (Emotional Quality oder die emotionale Intelligenz) und SQ (= Spiritual Quality oder spirituelle Intelligenz) in den Kommunikations- und Handlungsprozessen der Zukunft zusammenwirken müssen. So behauptet Daniel Goleman seit Mitte der 90er Jahre, dass erst durch die Mitwirkung des EQ der IQ effizient gebraucht werden kann. Danah Zohar und Ian Marshall bezeichnen die SQ auch als eine fundamentale Intelligenz und stellen den bisherigen Auffassungen gegenüber, dass erst das Zusammenwirken aller drei Qs, der Zusammenwirken von IQ, EQ und SQ neue Möglichkeiten des Denkens und des Seins, der Kreativität und der Visionen eröffnen und entwickeln. Andere amerikanische Autoren gehen sogar davon aus, dass es mindestens sieben verschiedene Intelligenzen gibt, z. B. auch die musikalische oder die räumliche oder die körperliche. Andere Psychologen widersprechen dem energisch.
Wieauchimmer: Am Ende des
Industrie-Zeitalters und nachdem klar ist, dass die Verheissungen
ihrer 'Propheten' nidcht eingetreten sind und nicht eintreten
werden, beschäftigen sich immer mehr Menschen mit den Formen der
Wirklichkeit, mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens.
Offensichtlich ist der Wunsch nach spiritueller und emotionaler
Entwicklung, nach Visionen und Werten im Menschen wieder tief
implantiert.
Genau betrachtet sind diese Auffassungen nichts Neues, denn das
lehren uns die christlichen wie die fernöstlichen Religionen -
allerdings religionsgebunden - bereits seit Jahrhunderten. Neu
daran ist nur, dass diese neuen Lehren, Auffassungen - wie man
sie auch bezeichnen mag - nicht mehr religionsgebunden sind.
Danah Zohar und Ian Marshall
begründen ihr Pro-SQ so: Auch PCs sollen in gewissem Maße über
einen hohen IQ verfügen, da sie Regeln kennen und diese
fehlerfrei befolgen können. Und nach ihrer Auffassung sollen
auch viele Tiere einen hohen EQ haben, denn sie scheinen ein
Gefühl für Situatione zu haben, und sie verstehen es angemessen
zu reagieren. Und Zohar und Marshall argumentieren dann weiter:
PCs und Tiere handeln allerdings nur in bestimmten Grenzen, denn
sie können nicht hinterfragen, warum es diese Regeln, diese
Situationen gibt.
Der Mensch allerdings kann Regeln, kann Situationen hinterfragen,
modifizieren, ändern oder auch ganz neue Regeln schaffen. Der
Mensch kann einen Sinn für Moral entwickeln, der Mensch kann
Regeln durch sein Mitgefühl und durch sein Verständnis
vorübergehend oder auf Dauer lockern. Die Menschen können unter
einander um Fragen und Antworten nach Gut und Böse ringen.
Und an uns Pädagogen ist die Anforderung gestellt, dass wir uns weitab von aller Fachmethodik und Fachdidaktik mit unserem Menschsein, mit IQ, EQ und SQ auseinandersetzen und aus diesen Erkenntnissen unsere Folgerungen für den Unterricht ziehen.
Die Zwischenzeit könnten wir dazu
nutzen einmal darüber nachzudenken, ob wir nicht ein Stück
Freude und Fröhlichkeit, ein Stück Hoffnung und Vertrauen in
die Zukunft, ein Stück Mitgefühl, Sympathie und Öffnen für
den anderen in unser Leben und in unseren Unterricht bringen
sollten. - Heute schon geschmunzelt? Heute schon einem anderen
Menschen mit Freundlichkeit begegnet? So könnten die täglichen
Fragen zum 12-Uhr-Break bei einer Tasse Tee oder Kaffee oder ...
lauten, oder?
Und eine letzte, vorsichtige Anfrage: Könnte es sein, dass wir
Menschen z. B. erst durch unsere innere und äußere
Fröhlichkeit, erst durch unsere innere und äußere
Freundlichkeit, erst durch unsere Fähigkeit Emphathie und
Sympathie an den Nächsten zu verschenken zu schönen Menschen
werden?
Und wenn wir dies konsequenterweise tun würden, bräuchten wir dann noch chemische Kosmetika und/oder schönheitschirurgische Eingriffe? Oder umgekehrt: Können Kosmetika und Chirurgie die eigentliche menschliche Schönheit ersetzen?
In diesem Sinne wünsche ich uns allen möglichst viele Begegnungen mit wahrhaft schönen Menschen. In diesem Sinne drücke ich Ihnen alle Daumen, ein schöner Mensch zu werden, zu sein und zu bleiben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch, dass alle Diskussionen, alle Kommunikation, alle Gespräche zu schönen Begegnungen werden.

Meine
neue Internetpräsenz ist nun fertiggestellt.
Man findet sie unter: http://www.Guenter-Kaluza.de
Wegen der sehr hohen Besucherzahlen auf diesen Seiten
wird diese Präsenz jedoch vorerst bestehen bleiben.
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